Drei exemplarische Kritiken an den Geisteswissenschaften im 20. Jahrhundert:
Schweitzer, Adorno, Steiner
von Roland Benedikter (Bozen)
Die Geschichte der Geisteswissenschaften ist von Krisen, Konflikten und kritischen Auseinandersetzungen gekennzeichnet. Eine Geschichte der Kritik des 20. Jahrhunderts an den Geisteswissenschaften wäre erst noch zu schreiben. Sie würde bei einem systematischen Vergleich von Motiven und Argumentationsfiguren einen roten Faden hervortreten lassen, der wesentliche Aspekte der neueren Zeitgestalt wie auch der künftigen Anforderungen an die Geisteswissenschaften zum Vorschein brächte.
Drei exemplarische Kritiken an den Geisteswissenschaften im 20. Jahrhundert sollen hier beispielhaft für eine solche noch zu schreibende Geschichte der Kritik vorgestellt werden. Es sind die Positionen von Albert Schweitzer vom Anfang (1923), von Theodor W. Adorno aus der Mitte (1963) und von George Steiner vom Ende (1990) des 20. Jahrhunderts. Sie entstanden an wesentlichen Umschlagsmomenten des Jahrhunderts, die stets mit einem erhöhten Selbstreflexionsaufwand der Geisteswissenschaften verbunden waren.
Alle drei Positionen versuchen einen Blick nicht auf Detailaspekte, sondern auf das Ganze der Geisteswissenschaften als sich bewegende ideelle Zeitgestalt. Alle drei stehen für einen sich trotz mancher Anfechtungen behauptenden humanistischen Hauptstrang kritischer Selbstbesinnung. Und alle drei sind trotz ihrer gegenseitigen Unabhängigkeit in auffälliger Weise durch gemeinsame Motive und Argumentationsfiguren verbunden. Vor allem aber zeigen sie Gemeinsamkeiten im Hinblick auf ein tieferes Anliegen, welches seinem Charakter nach bereits in das 21. Jahrhundert vorausweist. Ich werde im folgenden die jeweiligen Ausführungen vergleichsweise frei wiedergeben und mit meinen eigenen Bemerkungen und Deutungen versehen.
I
Albert Schweitzer
Noch ganz unter dem Eindruck der Katastrophe des ersten Weltkrieges schrieb Albert Schweitzer (1875-1965) sein philosophisches Grundsatzwerk Verfall und Wiederaufbau der Kultur" (1923). Darin vertrat er die These, daß es die zentrale Aufgabe geisteswissenschaftlichen Denkens sei, die Auseinandersetzung ethischer Vernunftideale mit der Wirklichkeit zu führen.
Diese Auseinandersetzung habe, so Schweitzer, nach Hegels und Goethes Tod und verstärkt seit der Mitte des 19. Jahrhunderts an Intensität ständig abgenommen. Die Geisteswissenschaften hätten dem sich ausbreitenden technisch-utilitaristischen Wissenschaftsbegriff der Naturwissenschaften nicht nur keinen eigenen, auf die Dialektik ethischer Vernunftideale mit der Wirklichkeit zentrierten Wissenschafts- und Erkenntnisbegriff entgegengesetzt, sondern jenen im Gegenteil auch noch kopiert. Daher sei die integrative, ganzheitliche Weltanschauung des Idealismus, in der Sittlichkeit (der immanente ethische Gehalt der kulturellen Totalität) und objektive Gesetzmäßigkeit der Naturwelt noch in einen erlebbaren inneren Zusammenhang gebracht werden konnten, verloren gegangen.
Die Folge sei das Heraufkommen und die Machtergreifung einer Weltanschauung gewesen, die sich in einseitiger Weise nur mehr auf die Wirklichkeit der Natur und der Materie, nicht mehr auf die Wirklichkeit ideeller Gegenstände beziehen könne. Eine solche Weltanschauung könne freilich aus sich heraus die entscheidende Trägerin des modernen Bewußtseins: die selbstbestimmte ethische Individualität, die sich ihre moralischen Positionen je nach Lebenssituation selbst gibt und damit die Totalität des Sittlichen individuell stützt und situativ erneuert, weder wissenschaftlich rechtfertigen noch lebensweltlich begründen.
Diese ethische Individualität, von der alles Gelingen gesellschaftlichen Lebens ebenso wie die Richtungnahme des Staatswesens insgesamt abhänge, sei deshalb zunehmend schutzlos und in ihrem ganzen inneren Wesen ungerechtfertigt dagestanden. Die Tatsache, daß die naturwissenschaftlich-mechanistische Weltanschauung im Laufe des 19. Jahrhunderts zur allgemein wirksamen Kulturstimmung geworden sei, vor der die Geisteswissenschaften in Wirklichkeit kapituliert hätten, habe die ethische Individualität untergraben und auf diese Weise zusehends in jene Inhumanität geführt, welche schließlich in den ersten Weltkrieg münden mußte.
Das Versagen der Geisteswissenschaften
Das Entscheidende für diese Fehlentwicklung war, so Schweitzer, das Versagen der Geisteswissenschaften.
Denn die Geisteswissenschaften wären ihrem Wesen und ihrem ursprünglichen geistigen Auftrag nach in geradezu radikaler Weise für die Welt verantwortlich. Dies deshalb, weil sie die Aufgabe haben, zu denken das heißt die Auseinandersetzung ethischer Vernunftideale mit der Wirklichkeit zu führen, und zwar im Gegensatz zu den Naturwissenschaften, die die Aufgabe haben, die Welt zu erkennen und zu entschlüsseln. Alles, was in der menschlichen Welt wirksam ist, muß zunächst ein Gedanke, ein denkendes menschliches Fühlen oder ein erkennendes Wollen sein. Dieses ist sich vielleicht nicht immer vollständig selbst bewußt, bildet aber trotzdem die Substanz der Welt. Denken, Fühlen und Wollen aber können niemals frei von ethischer Valenz sein, denn sie beinhalten immer eine Art Entscheidung. Alle Probleme der Welt sind deshalb Probleme eines Denkens, Fühlens und Wollens, das sich seiner ethischen Art und Färbung inne ist.
Die Frage nach den Geisteswissenschaften ist aus diesen Gründen keine akademische, sondern die Kulturfrage schlechthin. Weil das ethische Denken die Welt regiert, hätten die Geisteswissenschaften nicht nur die Aufgabe gehabt, sich auf mögliche integrative Kulturwerte zu besinnen, die das humanistische und das naturwissenschaftliche Moment kraftvoll in sich zu verschmelzen imstande wären. Sondern sie hätten diese integrativen Kulturwerte auch als Wurzel einer unmittelbaren Grundhaltung, als wirkende Ideen, als elementares Denken in die öffentliche Meinung ausfließen lassen müssen.
Warum mißlang das? Der deutsche Idealismus und seine geistige Umgebung hatten, so Schweitzer, noch jenes Element unverbildeten, elementaren Denkens, das phänomenologisch-direkt in die Welterscheinungen unterzutauchen imstande war und die inneren Vollzüge des Individuums in Denken, Fühlen und Wollen als die eigentliche empirische Wirklichkeit der Welt ansah.
Mitte des 19. Jahrhunderts aber fing dieses elementar-naive" Denken an, künstlicher und abstrakter zu werden. Das Denken der Geisteswissenschaften konnte unter dem prägenden Einfluß des Siegeszuges der Naturwissenschaften das Reich der moralischen Ideen immer weniger als eigenständige Wirklichkeit ansehen. Ideen insgesamt waren keine Wirklichkeit mehr, sondern nur noch eine Kombination von Informationen und Worten. Ein Übergang von einem ideenrealistischen zu einem nominalistischen Verständnis des Geistigen fand statt und zwar tragischerweise auch gerade im Inneren jener Wissenschaften, die ihre institutionelle Kernkompetenz kraft ihrem Gründungsauftrag darin hatten, für die Wirklichkeit des Ideellen zuständig zu sein. Die Geisteswissenschaften wurden von ideenrealistischen, auf die Wirklichkeit innerer menschlicher Vollzüge ausgerichteten Wissenschaften schrittweise zu nominalistischen, auf die Entschlüsselung materialer kultureller Weltphänomene orientierten Wissenschaften.
Das geisteswissenschaftliche Denken kam im Verlauf dieses epochalen Übergangs vom Ideenrealismus zum Nominalismus unterschwellig immer mehr zur Überzeugung, daß die Ideen nichts Wirkliches und in objektiven" moralischen Weltbezügen Verankertes, sondern letztlich nur etwas von ihm Konstruiertes, an die Wirklichkeit Herangetragenes sind. Es glaubte (vor allem unter dem Einfluß seiner Rückwendung zu Kant" seit der Mitte des 19. Jahrhunderts), daß die Wirklichkeit letztlich von ihm nicht zu erreichen sei, und daß es sich deshalb mit selbstgemachten sozialen Konstrukten zufriedengeben müsse.
Das geisteswissenschaftliche Denken wurde auf diese Weise abstrakt und verhärtete. Es veränderte seine Gestalt von einem ontologischen Realismus zu einem formalistischen Wortedenken. Seine implizite ethische Orientierung wurde zur Beschwörungsformel. Und genau damit fing die elementare Energie der geisteswissenschaftlichen Kulturideen an, fraglich zu werden.
Die drei Aufgaben der Geisteswissenschaften: Sammlung, Befreiung, Vervollständigung des modernen Menschen
Das geisteswissenschaftliche Denken wurde im Rahmen dieser seiner Entidealisierung in seinen immanenten Verfahrensweisen ebenso wie in seiner ganzen grundlegenden Selbstauffassung im tieferen Sinne unethisch, weil es sich immer mehr als materialistisch-objektivitätsorientiert begreifen mußte. Es war daher aus originär humanistischer Sicht spätestens am Beginn des 20. Jahrhunderts bereits kein eigentliches Denken mehr, sondern wurde zu einem intellektuellen Kalkulieren über die Welt.
Dieses intellektuelle Kalkulieren ist aber, so Schweitzer, nicht die Aufgabe der Geisteswissenschaften, sondern der Naturwissenschaften. Die Aufgabe der Geisteswissenschaften ist die Bewahrung und wissenschaftliche Absicherung des im engeren Sinne humanen Denkens. Ein humanes Denken kann aber nur ein Denken sein, das mit individueller Moralität, das heißt mit authentischer Ich-Erfülltheit an die Gegenstände herantritt und dazu das Ideelle unweigerlich als Realität nehmen muß, nicht als bloßes Konstrukt.
Mit der Aufgabe des Ideen-Realismus haben, so Schweitzer, die Philosophie und mit ihr die Geisteswissenschaften insgesamt deshalb den Anspruch auf Wirklichkeit und Relevanz der ihnen ursprünglich anvertrauten Gegenstände und damit ihre eigene Kernkompetenz aufgegeben, ohne es zu merken. Die latente Selbstverleugnung und Selbstaufgabe, die hierin liegt, wird unterschwellig von der Mehrzahl der Menschen außerhalb der Universitäten als fehlende elementare Lebenskraft empfunden. Und eben daher werden die Geisteswissenschaften von der Mehrheit der Bevölkerung ganz instinktiv mit Skepsis betrachtet und nicht angenommen.
Dabei würden, so Schweitzer, den Geisteswissenschaften gerade in der modernen Welt bedeutendere Aufgaben denn je zufallen. Denn der moderne Mensch ist kraft der spezifischen Kulturbedingungen, in denen er lebt, durch drei negative Charakteristiken gekennzeichnet: er ist ungesammelt, unfrei und unvollständig. Darin liegt seine eigene Gefährdung ebenso wie die fundamentale Gefährdung seiner Kultur und Gesellschaft. Die Kernaufgabe der Geisteswissenschaften wäre daher in revolutionärer Weise die Sammlung (Individualisierung), Befreiung (Autonomisierung) und Vervollständigung (Humanisierung) des modernen Menschen. Diese Aufgabe können sie aber nur kraft eines sich selbst ethisch-moralisch elementar durchdringenden und dadurch seine eigene Lebenskraft steigernden Denkens bewerkstelligen.
Es ist laut Schweitzer die Folge der Entidealisierung der Geisteswissenschaften, daß diese drei Aufgaben am Beginn des 20. Jahrhunderts von ihnen nicht angemessen wahrgenommen werden konnten. Daher konnte die abendländische Zivilisation in die - im Nachhinein scheinbar unerklärliche - Katastrophe schlittern.
Die zwei Arten des Denkens
Um die Ausführungen Schweitzers in ihrer inhärenten Logik zu begreifen, muß man eine Unterscheidung zwischen zwei verschiedenen Arten des geisteswissenschaftlichen Denkens treffen, die er implizit voraussetzt. Es gibt nach der humanistischen Denkweise, in der Schweitzer steht, grundsätzlich zwei Möglichkeiten des Denkens:
ein äußeres Worte-Denken, das kombinierend in spektulativ-formalistischen Konstrukten lebt. Sein Zentrum ist der Verstand. Der Verstand (von ver-stehen = das Stehen, den Zustand aufgeben, sich in Bewegung setzen) gibt den Zustand der Gegenwart auf, um sich in eine suchende Bewegung in die Zukunft zu setzen. Die Bewegung des Verstandes ist ein freies Unterwegs im Raum auf der Suche nach dem, was er nicht hat. Sie ist ein untersuchendes Hin- und Herlaufen, ein diskurrieren. Das kombinierende Worte-Denken des Verstandes wird zu einem Diskurs. Dessen zentrale Verfahrensweise ist der Versuch, durch Zusammenstellung und Gegenüberstellung von in sich fertigen Erkenntnisbausteinen, Begriffen und Worten zu Schlüssen zu kommen.
Daneben besteht aber auch noch ein anderes Denken. Es ist
ein inneres Wahrnehmungs-Denken, das sich in der Vereinigung von Denken, Fühlen und Wollen in einem gemeinsamen Erleben vollzieht. Sein Zentrum ist die Vernunft. Die Vernunft (von ver-nehmen = das Nehmen aufgeben, eine Sache so sein lassen, wie sie von sich aus sein will) vertieft sich in den Zustand der Gegenwart, um aus ihm das Künftige hervorgehen zu lassen. Die Bewegung der Vernunft ist ein Bei-der-Sache-Bleiben in der Zeit. Sie ist ein sich an die Eigengestalt des Ideellen hingebendes Verharren, ein Meditieren. Das fühlend und wollend erlebende Wahrnehmungsdenken der Vernunft wird zu einer Anschauung (Imagination). Deren zentrale Verfahrensweise ist der Versuch, die für das Erkennen in Frage kommenden Einzelelemente in ein Erleben zusammenzuziehen, das fähig ist, aus sich selbst heraus lebendig neue Begriffe hervorzubringen.
Wenn man dieses stark vereinfachende Schema zugrundelegt, dann konstatierte Schweitzer in seiner Bilanz des geisteswissenschaftlichen Wirkens bis zum Ende des ersten Weltkrieges eine zunehmende Vorherrschaft des verstandeshaften Worte-Denkens über das vernunfthafte Wahrnehmungsdenken. Wissenschaft (Messen und Wiegen) und Denken (einfühlende Anschauung ideeller Gegenstände) sind für ihn im Gang der Moderne auseinandergebrochen. Die erstere hat die Vorherrschaft gewonnen.
Die Vorherrschaft des Worte-Denkens und die Überorganisation der Kultur
Die Vorherrschaft des nominalistischen Worte-Denkens bewirkt für Schweitzer folgerichtig eine funktionalistisch-instrumentelle Überorganisation der Kultur. Die Kultur organisiert sich verstandeshaft und funktional bis zu ihrer Verhärtung.
Die Überorganisation der Kultur wirkt hemmend auf die erlebende Selbstanschauung der imaginativen Kräfte des Menschen, die nur in moralischer Innewerdung ihrer selbst in hinreichender Weise bewußt werden können. Ohne eine solche moralische Innewerdung in seelischer Eigen-Betätigung kann es, wie wir gesehen haben, auf ideellem Gebiet aber keine befriedigende, belangvolle (substantielle) Erkenntnis und also auch keine ethische Individualität geben. Durch das instrumentelle Worte-Denken kann der seiner ganzen Verfaßtheit nach nur in seelischer Partizipation zugängliche immaterielle Erkenntnisgehalt des Ideellen als Grundlage ethischer Individualität überhaupt nicht erfaßt werden. Wo die Legitimation der moralischen Ich-Kraft aus dem Denken gewichen ist, ist die Wirklichkeit ideeller Gegenstände nicht zu erfassen. Die Vorherrschaft des Worte-Denkens und die von ihr bewirkte Überorganisation der Kultur treiben diese moralische Ich-Kraft aus dem Denken aus.
Dadurch verlieren die ideellen Gegenstände ihren Wirklichkeitswert. Sie werden zum Gerede, und die sie hervorbringenden und umsorgenden Wissenschaften - die Geisteswissenschaften - verlieren ihre im Leben stehende Berechtigung. In der materialistischen Abstraktheit des diskursiven Worte-Denkens entwickelt sich eben jene Enthumanisierung der Welt, die letztlich zum ersten Weltkrieg geführt hat.
Schuld an dem ersten Weltkrieg ist deshalb, so Schweitzer noch einmal zusammenfassend, aus einer kulturphilosophisch vertieften Sicht letztlich das inhuman gewordene Denken der Geisteswissenschaften, die sich in einer unangemessen Art an der formalen, auf die Materie gerichteten Wissenschaftmethodik der Naturwissenschaften orientiert haben, statt das imaginative, vorsprachlich-fühlende Anschauungsdenken als den Kern jeder wahren Humanität zu pflegen.
Fazit: Das wirkliche innere Leben des Individuums
Welche Schlüsse lassen sich nun aus dieser radikalen Kritik ziehen? Die Philosophie und mit ihr die Geisteswissenschaften müßten sich, wenn sie aus der vernichtenden Niederlage, die der erste Weltkrieg in Wirklichkeit vor allem für sie bedeutet hat, in eine Wissenschaftslehre der Phänomenologie und Methodologie des Erkennens von spezifisch ideellen Gegenständen in explizit anthropologischer Ausrichtung wandeln. Nur dort scheint in der Blickrichtung Schweitzers die Möglichkeit zur Wiedergewinnung ihres eigenständigen Wissenschaftsanspruches und einer Wirklichkeitsrelevanz auf ihrem eigenen Feld: auf dem Feld des Ideellen zu liegen.
Der Grundmangel für eine zeitgemäße Aufnahme dieser produktiven Anregung Schweitzers scheint mir allerdings zu sein, daß es für den ethischen Individualismus eines in fühlend-wollendem Erleben erkennenden Ich-Wesens, das allein über den Wirklichkeitscharakter ideeller Gegenstände entscheiden kann, bis heute keine wissenschaftlich-kognitive, erkenntnistheoretische Grundlage gibt. Es gibt für ein Ich-Wesen, das eine Handlung aus freier, ganzmenschlicher moralischer Intuition vollbringt, auch in der individualitätszentrierten Postmoderne" bisher nur appellative Umschreibungen, zum Beispiel die Begriffe Erhabenes" und Ereignis" bei Jean-Francois Lyotard, oder metaphorische Aussparungen, wie zum Beispiel den Begriff des weißen Raums des Menschen" bei Michel Foucault. Es gibt aber keine positiven, deskriptiven Begriffe der realen inneren Vorgänge jenes Individuums, das einen ideellen Begriff in actu aus sich heraus erlebend bildet.
Solche Begriffe zu entwickeln und sie zu einem eigenständigen wissenschaftlichen System zusammenzufügen, scheint mir im Anschluß an die Fundamentalkritik Albert Schweitzers die konkrete Aufgabe der Geisteswissenschaften am Beginn des 21. Jahrhunderts. Nur in der Erfüllung dieser Aufgabe können die Geisteswissenschaften ihrer umfassenderen, im weitesten Sinne kulturerneuernden Aufgabe nachkommen, die darin besteht, einen lebendigen, das heißt zeitgemäß-erlebbaren Geist in die Kultur einfließen zu lassen.
II
Theodor W. Adorno
Es ist offensichtlich, daß die Position Schweitzers vom Geist seiner Zeit gefärbt und in ihrem aus dem 19. Jahrhundert stammenden Pathos überaus radikal ist. Umso mehr überrascht es, daß ein politisch und intellektuell auf den ersten Blick scheinbar ganz anders gesinnter Denker wie Theodor W. Adorno (1903-1969) in einer ganz anderen Zeitsituation ganz unabhängig von Schweitzer zentrale Motive aus dessen Grundsatzkritik wieder aufnimmt. Offenbar handelt es sich bei dem, was Schweitzer unter dem Eindruck des ersten Weltkrieges als Problem zu formulieren versuchte, um ein Anliegen, das in den vierzig folgenden Jahren keine entscheidenden Fortschritte erfahren hat, aber nach wie vor von brennender Brisanz war.
Adorno weist in seiner späten Notiz über Geisteswissenschaft und Bildung" (1963) zunächst auf die Divergenz von Bildung und fachlicher Schulung in den Nachkriegs-Geisteswissenschaften hin. Die Geisteswissenschaften haben sich seiner Ansicht nach zu sehr auf die fachliche Schulung und die Ausbildungsfunktion verlegt, und zwar in einem stetig enger werdenden Verständnis dieser Begriffe. Dabei haben sie vergessen, daß der Geist nur in einem Moment von Naivetät, in einer Art Unmittelbarkeit zum Objekt lebt, ohne die er nicht ist. Die Geisteswissenschaften haben dieses entscheidende Moment verloren, weil sie nach dem Verfall der großen Philosophie" (Idealismus) keine eigenständige Identität auf der Grundlage einer Methodologie der geistigen Erfahrungen entwickelt haben, sondern ein Denken pflegen, das insgeheim unter dem Bann einer positivistischen Denkmanier steht. Der implizite Konformismus der Geisteswissenschaften besteht darin, daß sie in ihrer insgeheim intellektualistischen und nominalistischen Wirklichkeit in Wahrheit einem verdinglichten Bewußtsein zuarbeiten.
Organisierte (universitäre) Geisteswissenschaft ist daher für Adorno nicht das Leben des Geistes selbst, sondern nur seine Bestandsaufnahme und Reflexion. Die Studenten merken täglich, daß das geisteswissenschaftliche Denken, anstatt die Phänomene in actu aufzuschließen, sich bei deren je schon zugerichteter Gestalt bescheidet.
Die Wirklichkeit des Geistes ist zwar immer auch seine zugerichtete Gestalt (mit Dilthey gesprochen: seine Objektivation), die sich aus seiner Geschichte ergibt. Aber der Geist gehört nicht nur seiner Geschichte, und er ist nicht nur als Objektivation. Er ist zwar gebildet, aber er erschöpft sich nicht darin. Sondern er ist auch bildend und schöpferisch, und zwar als lebendige Bewegung aus sich selbst heraus. Geist ist nicht nur in seinen Objekten da, sondern er muß zuerst geschehen, um dann zu einem Objekt zu gerinnen. Es gibt daher nicht nur ein konstituiertes Subjekt (Objekt der Psychoanalyse und der Ideologiekritik), sondern auch ein konstituierendes Subjekt (das noch kaum erforscht ist).
Weil die Geisteswissenschaften dieses zentrale Moment des Geistigen vergessen oder verdrängt haben, werden geistige Menschen eher von ihnen gebrochen, statt gebildet. Sie verlernen, den für die Humanität entscheidenden Unterschied zwischen dem aus der Authentizität des aktiven Ich heraus individuell-moralisch erlebenden Denken und dem aus dem spiegelnd-passiven Ich heraus diskursiv aneinanderreihenden, distanziert-überschauenden Denken auch nur wahrzunehmen.
Das Lebenselement der Geisteswissenschaften wäre es demgegenüber, sich gerade nicht bei der verdinglichten Faktizität zu bescheiden, sondern in die Real-Präsenz des Geistes und der geistigen Funktionen forschend-systematisch mit einem eigenen Methodeninstrumentarium einzudringen. Das ist die Folgerung, die sich aus Adornos Kritik für die heutigen Geisteswissenschaften ergibt. Es ist eine Folgerung, die auffällige Parallelen zu jenen Anforderungen zeigt, die sich uns aus Albert Schweitzers Kritik an den Geisteswissenschaften ergeben haben.
Die Entwicklung eines eigenständigen geisteswissenschaftlichen Methodeninstrumentariums für die Erforschung des konkreten seelischen Lebens des Geistes geschieht bis heute aber nicht. Man überläßt das Feld des Geistes und der geistigen Funktionen einseitig den materiellen (neurologischen und psychologischen) Vorgehensweisen der Naturwissenschaften. Daher bilden sich die Geisteswissenschaften heute letztlich zu Unrecht ein, den Geist vor den Naturwissenschaften vorauszuhaben.
III
George Steiner
Zweifellos hatte die Kritik von Adorno nicht jene tiefreichende Wirkung auf den universitären Betrieb der Geisteswissenschaften, die er intendierte. Trotzdem war seine Stellungnahme einflußreich. Vor allem die Bewußtseinsbildung der bald zur Erneuerung des Systems antretenden Studenten wurde dadurch mit geprägt.
Was ist in der Folge aus der Fundamentalkritik Adornos geworden? Hat sich in den Geisteswissenschaften etwas Grundsätzliches im Hinblick auf eine neue Geltendmachung des Elements der Naivität und Unmittelbarkeit zum Objekt" geändert, ohne das der Geist nach Adornos Feststellung nicht ist?
George Steiner (*1929) hat in seiner während des Falls der Berliner Mauer und des Zusammenbruchs des Kommunismus geschriebenen radikalen Abrechnung Von realer Gegenwart. Hat unser Sprechen Inhalt?" (1990) eine ernüchternde Bilanz der vergangenen Jahrzehnte geisteswissenschaftlicher Arbeit gezogen. Dabei bringt er Motive der Kritik zur Geltung, die wiederum in auffälliger Weise Verwandtschaft zu den Stellungnahmen Albert Schweitzers und Theodor W. Adornos zeigen.
Steiners Ansicht nach herrscht in den gegenwärtigen Geisteswissenschaften das Sekundäre und Parasitäre vor, und zwar in Gestalt von Interpretation, Sekundärliteratur und Kommentar - von Äußerungen also, die sich auf etwas Wesentliches" beziehen, es selbst aber nicht sind. Das Sprechen der Geisteswissenschaften am Ende des 20. Jahrhunderts ist im Hinblick auf eine ergreifbare menschliche Substanz leer". Denn in diesem Sprechen wird Sinn zwar transportiert, aber nicht anwesend. Man nimmt im Sprechen der Geisteswissenschaften Sinn als etwas wahr, auf was hingewiesen wird, erlebt ihn aber nicht selbst.
Diese Nicht-Erlebbarkeit von immanentem Sinn ist die Schuld des sekundären Diskurses, als der sich die Geisteswissenschaften im Zeitalter des Triumphes des Intellektualismus und der Dekadenz der Hermeneutik begreifen. Der sekundäre Diskurs erstickt das Wirkliche des Geistes unter einer Flut von Marginalien, Kommentaren und Fußnoten. Die Geisteswissenschaften sind zur Heimstatt dieses sekundären Diskurses verkommen, den sie in die Gesellschaft und in die Kultur exportieren und dort als geheime Konvention des Sprechens durchsetzen. Sie sind die zentrale Quelle des Triumphes des Sekundären über das Originäre, des Diskurses über die Unmittelbarkeit, des Kritischen über das Schöpferische in der zeitgenössischen Kultur. Ein ängstliches Verlangen nach Zwischenstufen, nach erläuternd-wertender Vermittlung zwischen sich und dem Primären durchdringt das Wesen der gegenwärtigen Geisteswissenschaften. Sie sehnen sich unterschwellig geradezu danach, ihnen möge die direkte Begegnung mit jener realen Gegenwart" geistiger Präsenz erspart bleiben, zu der zum Beispiel eine authentische Erfahrung der Kunst zwingt. Die Geisteswissenschaften suchen die Immunitäten des Indirekten, indem sie das Diskursive und Formale pflegen.
Aber, so Steiner, die freie, reale Gegenwart einer der Form innewohnenden Bedeutung läßt sich diskursiv nicht angemessen definieren. Sie muß bei Strafe ihrer Nichtexistenz individuell-intuitiv erlebt werden. Gegenüber dem Sekundären und Formalen des Diskursiven ist die Unmittelbarkeit des Sinn- und Ideen-Erlebens wiederzubeleben. Und damit ist, anstatt immer nur auf dem gewordenen Subjekt zu beharren, das Geheimnis der in sich durch Selbstaktualisation schöpferischen Individualität von den Geisteswissenschaften wiederzuentdecken. Diese, und nicht das den Gesetzen der Sprache, der Konventionen und der Geschichte unterworfene Subjekt der Psychoanalyse und der Diskurskritik, ist für das Verständnis der europäischen Kultur maßgeblich.
Diese Forderung könnte aber, dessen ist sich Steiner durchaus bewußt, bedeuten, wieder in die Nähe eines subjektiven Absoluten" zu gelangen, von dem auch die totalitären Bewegungen des 20. Jahrhunderts ihren Ausgang genommen haben. Darauf antwortet er:
Die liberale Imagination fühlt sich heutzutage angesichts des mannigfaltigen Diskurses der Ungewißheiten mehr oder weniger wohl. Sie sieht in dieser Vielfalt und Unbestimmtheit möglicher Diskurse und metaphorischer Entwürfe eine Garantie für Toleranz. Sie wittert in jedem Durst nach Absolutheiten nicht nur eine infantile Einfalt, sondern die alten, grausamen Dämonen des Dogmas. Die entspannten Ironien und Freizügigkeiten dieser Position sind attraktiv. Zugleich mag es sehr wohl sein, daß sie nicht nur einem tieferen, verletztlicheren Zugang zum Gegenstand der Hervorbringung von Bedeutung und von Form hinderlich sind, sondern daß sie in sich selbst schon die Spiegelung eines gewissen reduzierten Zustandes des schöpferischen Aktes in unserer Kultur sind" (was Steiner an anderer Stelle im übrigen als den Epilog" bezeichnet und Adorno schon lange vor ihm als strukturelle Liebesunfähigkeit" kennzeichnete, die in der technisch-instrumentellen Kultur schrittweise triumphiere, zur seelisch-geistigen Kälte und schließlich zu Phänomenen wie Auschwitz führe).
Es geht Steiner in seiner Kritik also um die Wiedergewinnung der realen Gegenwart" von Sinn in den Geisteswissenschaften, die bei Androhung des Verfalls des Humanen selbst zurückgewonnen werden muß. Ein richtungsweisendes Beispiel für ein derartiges Ringen um Wiedergewinnung der realen Gegenwart" des Geistigen ist das volle" Sprechen der Kunst, das nicht die Aufgabe hat, Sinn" wiederzugeben oder zu kommentieren, sondern in seiner ursprünglichen, ereignishaften Gestalt erlebbar zu machen.
IV
Das Verbindende der kritischen Fragestellung
von Schweitzer, Adorno und Steiner
Die Positionen von Albert Schweitzer, Theodor W. Adorno und George Steiner stellen drei exemplarische Kritiken an den Geisteswissenschaften im 20. Jahrhundert dar. Sie intendieren eine grundsätzliche, an die Fundamente des eigenen Sinnentwurfs reichende Selbstreflexion, von der aus ihrer Sicht nichts weniger als das Schicksal und der Weiterbestand der Geisteswissenschaften abhängen. In der Tat scheint mir eine solche grundsätzliche Reflexion auch heute noch mehr denn je notwendig zu sein. Sie steht heute, am Beginn des 21. Jahrhunderts, sogar am Scheideweg der zwei Möglichkeiten, die sich den Geisteswissenschaften heute bieten: der Wiedererstarkung an Leib und Seele oder des - voraussehbaren - institutionellen Zusammenbruchs".
Überblicken wir das Gesehene noch einmal. Auffallend ist zunächst, daß die verbindende Grundfrage aller drei Kritiken lautet: Wie steht es um die Geisteswissenschaften nicht in der Theorie, sondern als soziale und menschliche, als seelisch-geistige Realität? Und als Antwort auf diese Frage ist allen drei Kritiken in ebenso auffallender Weise ein Hauptvorwurf gemeinsam, der über alle akademischen Einzelaspekte oder Detailvorwürfe hinausgeht und das Ganze der Geisteswissenschaften als soziale und geistige Realität betrifft.
Dieser Vorwurf ist, daß die Geisteswissenschaften es in den vergangenen hundert Jahren bis auf Ausnahmen versäumt haben, technisch-"objektive" Wissenschaft einerseits und individuell-reale geistige Erfahrungen andererseits miteinander zu vermitteln. Sie haben es versäumt, die Einheit des humanistischen Weltbildes, die eine moderne Totalweltanschauung begründen könnte, immer wieder von neuem herzustellen. Dies, weil sie selbst dem Modell der Naturwissenschaften nacheiferten und, etwa in der Nachfolge des späten Dilthey, alles nur in den materiellen Objektivationen des Geistes, nicht in der empirischen Erforschung des immateriellen Lebens des Geistes selbst sehen wollten - weil sie also alles nur im konstituierten Geist statt im konstituierenden Geist suchten und daher keine eigenständige Wissenschaftslehre hinsichtlich der besonderen (mit Adorno und Schweitzer gesprochen: elementaren" oder unmittelbar-naiven") Erfahrungsqualität immaterieller geistig-seelischer Gegenstände entwickelten.
Weil sie auf diese Weise die Realpräsenz" (Steiner) der ihnen ursprünglich anvertrauten ideellen Gegenstände aufgaben, bleibt demjenigen Zeitgenossen, der Erkenntnis über spezifisch ideelle Gegenstände sucht, heute nur das Einstimmen in den Utilitarismus der Naturwissenschaften oder die Flucht in die Religion. Dazwischen ist nichts - keine Wissenschaft realer seelisch-geistiger Erfahrungen im Sinne einer systematischen Phänomenologie konkreter innerer Vollzüge. Dadurch ist das gesellschaftliche Bild einer objektiven" Wissenschaft entstanden, die total ist und keinerlei Rückbindung an wirklichkeitsfähige, erlebbare Fragestellungen mehr aufweist. Eine objektive", um ihren seelisch-geistigen Teil verkürzte Wissenschaftshaltung ist als totale aus dem Verfall der Geisteswissenschaften hervorgegangen und droht in ihren Wirkungen den Menschen zu ersticken. Das - eine Wissenschaft ohne Seele - ist der gordische Knoten, den das 20. Jahrhundert der Nachwelt hinterlassen hat. Welchen substantiellen Beitrag können die Geisteswissenschaften durch Selbsterneuerung in dieser Lage geben? Das ist die verbindende Grundfrage aller drei Kritiken und ihr zentrales humanistisches Motiv.
Dieses Motiv ist - jenseits eines fragwürdigen Konservativismus und eines aktiv-euphorischen" Progressismus zweifellos tiefer und bedeutender, als es der selbst objektivierte" und veräußerlichte Schulhumanismus sein kann. Die Kritik an diesem Humanismus, die etwa von Heidegger oder zuletzt von Sloterdijk geäußert wurde, kann daher den Kern der von drei Kritikern entwickelten Frage nicht erreichen.
Unzweifelhaft ist, daß alle drei Kritiken an den Geisteswissenschaften schon wegen ihrer unverhohlenen Radikalität auf die Reichweite ihrer Geltung zu hinterfragen sind. Manches an ihnen ist durchaus fragwürdig. So ist zum Beispiel die für die Zukunft der Gegenwartskultur entscheidende Frage nach der Vereinbarkeit von Substanz" und Pluralität" bei keiner der drei Kritiken auch nur annäherungsweise geklärt. Die Frage nach der Vereinbarkeit dieser beiden zentralen Kategorien der Moderne ist aber vielleicht gerade die Grundfrage unserer Zeit.
Trotz dieser Aporie scheinen die drei Kritiken aber doch dem gegenwärtigen Urteil vieler Menschen über die Geisteswissenschaften zu entsprechen vor allem jener Menschen, die in der Kultur nicht nur Unterhaltung oder Interesse, sondern geistige Nahrung und individuellen Halt suchen. Die Geisteswissenschaften werden - explizit oder nur auf der Gefühlsebene des Urteils - heute in der Tat vielfach als Hobbywissenschaften oder als wirklichkeitslose Intellektwissenschaften ohne geistige Ausstrahlungskraft empfunden, weil viele Menschen von ihnen keine Erkenntnissubstanz für die Beantwortung von elementaren Lebensfragen zu erhalten meinen. Die drei Kritiken können hier den Ausgangspunkt für eine produktive Diskussion liefern. Zu einem Zeitpunkt, in dem in ganz Europa einschneidende Reformen der geisteswissenschaftlichen Studien vorgenommen werden, weil man mit ihrer aktuellen Gestalt offenbar nicht mehr zufrieden ist, sollte das Wetterleuchten, das in diesen drei Kritiken in einem Zeitraum von fast einem Jahrhundert als das gemeinsame Dämmern einer drängenden Fragestellung am Horizont erschienen ist, ernsthaft beachtet und bedacht werden.
Literatur
T. W. Adorno, Notiz über Geisteswissenschaft und Bildung, in: Ders., Eingriffe. Neun kritische Modelle, Frankfurt/M 1963, S. 54-58.
R. Benedikter, Anthropologie - das Grundproblem der zeitgenössischen Wissenschaftstheorie, in: Academia, Zeitschrift der Europäischen Akademie Bozen, Nr. 7, September 1996, S. 23-30.
R. Benedikter: Aufbruch in offenes Gelände. Notizen zum Gestaltwandel der Geisteswissenschaften im Spannungsfeld zwischen Moderne und Postmoderne, in: H. Reinalter (Hg.), Beobachter und Lebenswelt. Studien zur Natur-, Geistes- und Sozialwissenschaft. Thaur-Wien-München 1996, S. 99-128.
R. Benedikter, Geisteswissenschaften und "Postmoderne". Aspekte einer Konstellation, in: H. Reinalter / R. Benedikter (Hg.), Geisteswissenschaften wozu? Studien zur Situation der Geisteswissenschaften, Kulturverlag Thaur, Thaur-Wien-München 1997.
R. Benedikter, Geister- oder Geisteswissenschaften?, in: Die Presse, 13. Juli 1998, S. 2.
R. Benedikter, Geisteswissenschaften heute - Politische Wissenschaften in einem unpolitischen Zeitalter?, in: Polytic, Zeitschrift des Instituts für Politikwissenschaft der Universität Innsbruck, Innsbruck 1999.
R. Benedikter, Die zerrissene Sozialwissenschaft, in: Tiroler Almanach 1999/2000, S. 21-24.
R. Benedikter, Vom Sein der Ideen. Für eine Rehabilitierung ontologischer Fragestellungen in den Geisteswissenschaften am Beispiel der Literatur, in: H. Reinalter (Hg.), Denksysteme, Theorie- und Methodenprobleme aus interdisziplinärer Sicht, Thaur-Wien-München 2000.
R. Benedikter, Die Rolle der Geisteswissenschaften beim Aufbau ziviler Gesellschaften in Südosteuropa und die neuen Anforderungen an geisteswissenschaftliche Studiengänge heute, in: M. Dimitrova / P. Angelova, Akten des 1. Kongresses der Germanistinnen und Germanisten Südosteuropas an der Universitet Sv. Sv. Kiril u. Metodij, Veliko Tarnovo Bulgarien 2000 (im Druck).
R. Benedikter, Das Verhältnis zwischen Geistes-, Natur- und Sozialwissenschaften, in: T. Hug (Hg.), Einführung in die Wissenschaftstheorie und Wissenschaftsforschung der Sozial- und Kulturwissenschaften (Reihe Wie kommt die Wissenschaft zu ihrem Wissen?", Bd. 4), Schneider Verlag Hohengehren 2000 (im Druck).
R. Benedikter, Zukunftsentwürfe der Geisteswissenschaften, in: T. Hug (Hg.), Einführung in die Wissenschaftstheorie und Wissenschaftsforschung der Sozial- und Kulturwissenschaften (Reihe Wie kommt die Wissenschaft zu ihrem Wissen?"), CD Didaktik und Materialien, Schneider Verlag Hohengehren 2000 (im Druck).
H. Reinalter / R. Benedikter (Hg.), Geisteswissenschaften wozu? Studien zur Situation der Geisteswissenschaften, Kulturverlag Thaur, Thaur-Wien-München 1997.
H. Reinalter / R. Benedikter (Hg.), Die Geisteswissenschaften im Spannungsfeld zwischen Moderne und Postmoderne, Passagen Verlag, Wien 1998.
A. Schweitzer, Verfall und Wiederaufbau der Kultur, Jena 1923.
G. Steiner, Von realer Gegenwart. Hat unser Sprechen Inhalt?, München 1990.
Über den Autor
Roland Benedikter (geb. 1965) ist Ständiger Wissenschaftlicher Mitarbeiter des Zentrums für politische Philosophie und Ideengeschichte" der Universität Innsbruck, Lehrbeauftragter für praktische Philosophie an den Universitäten Innsbruck und Wien, Vorstandsmitglied des Instituts für Ideengeschichte und Demokratieforschung" Innsbruck-Bozen-Trient sowie des Forums für Sozialästhetik" Innsbruck-Bozen. Zahlreiche Veröffentlichungen zur Theorie, Geschichte und Zukunft der Geisteswissenschaften sowie zu philosophischen, politischen und künstlerischen Themen. U.a. Autor des Buches Zeitgeist-Symptome (Frankfurt/M 2000), Herausgeber (mit Helmut Reinalter) von Geisteswissenschaften wozu?" (Wien-München 1997) und Die Geisteswissenschaften zwischen Moderne und Postmoderne" (Wien 1998) sowie der mehrbändigen Reihe Postmaterialismus" (Wien ab Jänner 2001). Arbeitsschwerpunkte: Kulturphilosophie, Theorie, Geschichte und Zukunft der Geisteswissenschaften, Philosophische Anthropologie, Sozialorganik (Wechselbeziehungen zwischen Kultur, Wirtschaft und Politik). E-mail: roland.benedikter@provinz.bz.it.
Roland Benedikter
Dr. phil. Universitäten Innsbruck und Wien
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