Kleist
Friedrich Hebbel (1813-1863)
Er war ein Dichter und ein Mann, wie Einer,
er brauchte selbst dem Höchsten nicht zu weichen,
an Kraft sind Wenige ihm zu vergleichen,
an unerhörtem Unglück, glaub ich, keiner.
Er stieg empor, die Welt ward klein und kleiner,
und auf der Höhe, die wir nicht durch Schleichen,
die wir nur fliegend, oder nie erreichen,
ward über ihm der Äther immer reiner.
Doch, als er nun die Welt nicht mehr erblickte,
da hatte sie ihn längst nicht mehr gesehen
und frech ihm selbst das Dasein abgesprochen!
Nun musst er darben, wie er einst erstickte,
ihm blieb nichts übrig, als zurück zu gehen,
doch lieber hat er seine Form zerbrochen.
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An Hölderlin
Rainer Maria Rilke (1875-1926)
Verweilung, auch am Vertrautesten nicht,
ist uns gegeben; aus den erfüllten
Bildern stürzt der Geist zu plötzlich zu füllenden; Seen
sind erst im Ewigen. Hier ist fallen
das Tüchtigste. Aus dem gekonnten Gefühl
überfallen hinab ins geahndete, weiter.
Dir, du Herrlicher, war, dir war, du Beschwörer, ein ganzes
Leben das dringende Bild, wenn du es aussprachst,
die Zeile schloß sich wie Schicksal, ein Tod war
selbst in der lindesten, und du betratest ihn; aber
der vorgehende Gott führte dich drüben hervor.
O du wandelnder Geist, du wandelndster! Wie sie doch alle
wohnen im warmen Gedicht, häuslich und lang
bleiben im schmalen Vergleich. Teilnehmende. Du nur
ziehst wie der Mond. Und unten hellt und verdunkelt
deine nächtliche sich, die heilig erschrockene Landschaft,
die du in Abschieden fühlst. Keiner
gab sie erhabener hin, gab sie ans Ganze
heiler zurück, unbedürftiger. So auch
spieltest du heilig durch nicht mehr gerechnete Jahre
mit dem unendlichen Glück, als wär es nicht innen, läge
keinem gehörend im sanften
Rasen der Erde umher, von göttlichen Kindern verlassen.
Ach, was die Höchsten begehren, du legtest es wunschlos
Baustein auf Baustein: es stand. Doch selber sein Umsturz
irrte dich nicht.
Was, da ein solcher, Ewiger, war, mißtraun wir
Immer dem Irdischen noch? Statt im Vorläufigen ernst
die Gefühle zu lernen für welche
Neigung, künftig im Raum?
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