Marburger Forum    Beiträge zur geistigen Situation der Gegenwart  Jg. 2 (2001), Heft 5


Der Rammelsberg bei Goslar - das weltweit älteste Bergwerk

Ein europäisches Kulturdenkmal

von Hans-Joachim Kraschewski, Marburg

Kein Zweifel, als am 30. Juni 1988 die letzte Schicht im Erzbergwerk Rammelsberg gefahren wurde, ging der weltweit älteste Bergbau zu Ende. Er hatte eine mehr als tausendjährige, nahezu kontinuierliche Betriebsperiode hinter sich. Nur die großen Krisen zwischen 1350 - 1456 und während des Dreißigjährigen Krieges (1618 - 1648) hatten längere Unterbrechungen erzwungen, da die Bergleute mit dem von oben eindringenden Wasser nicht hatten fertig werden können und so die Gruben ersoffen. Ohne eine entwickelte Bergbautechnik und die Energie der Bergleute selbst wäre solch ein Unternehmen nicht möglich gewesen. Über die Jahrhunderte hatten die Kumpel aus dem 637 Meter hohen Berg über 27 Millionen Tonnen Kupfer, Blei, Zink und Silber ausgefördert. In der Frühphase war noch Gold gefunden worden, 26 Tonnen sollen es insgesamt gewesen sein, die die Häuer losschlugen und zu Tage holten. Seit 1992 steht das Erzbergwerk auf der UNESCO-Liste des Weltkulturerbes.

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Silber

Schon kurz nach seinem nachweislichen Beginn im Juni 968 - Gewährsmann ist der Mönch Widukind von Corvey mit seiner Sächsischen Geschichte - galt der Rammelsberg als die Schatzkammer des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Kaiser Heinrich I. ließ am Fuß des Berges eine prächtige Pfalz errichten, um den unmittelbaren Zugriff auf dessen Silber und Kupfer zu sichern. Das waren sehr begehrte Handelsgüter, zumal die Reichsmünzstätte in Goslar mit diesem Silber eine reiche Pfründe darstellte. Bis zum 13. Jahrhundert blieben die deutschen Herrscher die Münzherren, dann übernahm die Reichsstadt die Münze und prägte bis 1552 aus dem Silber Taler, Vierlinge (Groschen) und Pfennige. Inzwischen vermuten die Fachleute, dass es auch Oberharzer Silber gewesen ist, das unter dem Namen Rammelsberg in Form von Otto-Adelheid-Pfennigen seit Ende des 10. Jahrhunderts in den Geldumlauf gelangte. Wahrscheinlich wurde der Bergbau gleichzeitig in den Gruben des Oberharzes wie am Rammelsberg aufgenommen und von den Zeitgenossen als eine sinnfällige Einheit betrachtet, so dass unter Goslarer auch Oberharzer Silber subsumiert sein könnte. Nur weitere archäologische Forschung kann das endgültig entscheiden.

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Zwischen 1235 und 1360 büßte der Harz seine Sonderstellung als wichtigster mitteleuropäischer Silberlieferant ein, die Konkurrenz aus Freiberg in Sachsen, Kuttenberg in Böhmen und durch den stark aufkommenden Kupferbergbau mit Silberanteilen in Oberungarn/Mähren und in Schwaz/Tirol wurde auf den großen europäischen Märkten spürbar. Die rapide sinkende Ausbringung der Rammelsberger Silbergruben deckte kaum noch den Bedarf der Goslarer Münze.

 

Kupfer

In seinem Wert hat das Kupfer seit dem 10. Jahrhundert, seiner Glanzzeit, die Goslarer Silberproduktion weit übertroffen. Schon Mitte des 11. Jahrhunderts sind Absatzchancen für dieses Produkt in der näheren und weiteren Umgebung nachweisbar. Das von König Heinrich III. gebaute und 1050 geweihte Goslarer Domstift St. Simon und Judas war mit 640 Zentner Kupfer eingedeckt. Vermutlich haben auch die Hildesheimer Erzgießer für die Bernwardstür des Domes Goslarer Kupfer verwendet. In diesen Kreis gehört auch das aus Goslarer Metallen gegossene Wappentier der Welfen, der Braunschweiger Löwe, von Heinrich dem Löwen 1166 errichtet, einst optischer Mittelpunkt der großzügigen Platzanlage innerhalb des Burgberings, heute aus denkmalpflegerischen Gründen in der Burg Dankwarderode selbst aufgestellt. Der mitteleuropäische Kupferhandel bezog seit der Mitte des 12. Jahrhunderts Goslarer Kupfer immer stärker in seine Zirkulation ein. Kaufleute aus dem Maasgebiet, aus Huy, Dinant und Lüttich, übernahmen große Kontingente dieses wertvollen Metalls für die Messingherstellung und Verarbeitung in ihren Landen, für die Dinanderies. Mit dieser nach Westen ausgerichteten Handelsbeziehung zwischen dem berühmten künstlerischen Metallgewebe an der Maas und Goslar liegt eine der ältesten, recht genau zu verfolgenden Fernhandelswege des Mittelalters vor. Konkurrenz konnte nur der Kölner Kupfermarkt bieten, der sein Kupfer aus den Alpenregionen bezog und gleichfalls an die Maas weiter verkaufte. Als 1128 der Dom zu Bamberg neu gedeckt wurde, bezog die Stadt das nötige Kupfer aus Sachsen, ein Synonym für Goslar und den Rammelsberg, da im Mansfeldischen vorerst nur geringe Mengen an Kupfer produziert werden konnten. Für die Bedeutung Goslars spricht auch die große Zahl von über 50 Schmelzhütten, die derzeit in unmittelbarer Nähe des Rammelsbergs die Kupfergewinnung betrieben. Doch Mitte des 15. Jahrhunderts war der Höhepunkt des Kupferhandels überschritten, die Ressourcen an hochwertigem Kupfererz waren erschöpft, Klagen über die Qualität des in Goslar ausgebrachten Metalls wurden allenthalben laut, die Händlern stuften es als minderwertig ein.

Nach 1460 setzte in den Revieren Schwaz in Tirol und Mansfeld ein Aufschwung der Kupferproduktion ein, da aus deren Kupfererz umfangreich Silber gewonnen werden konnte. Ursache war die neu entwickelte Hüttentechnologie des Saigerverfahrens, das erhebliche Mengen Blei verbrauchte. Das war zugleich eine neue Chance für den Rammelsberg. Das Kupfersaigerverfahren war eine der bedeutendsten und folgenreichsten Neuerungen für das Montanwesen. Es war in Nürnberg Mitte des 15. Jahrhunderts zur anwendungsfähigen Technik entwickelt und nach 1460 in das Mansfelder Revier und nach Sachsen transferiert worden. Dieses Verfahren benötigte zur Umkristallisation des Kupfers die drei- bis vierfache Menge des Lösungsmittels Blei, also ein Bruchteil dessen, was bis dahin an Bleibedarf angefallen war. Um so mehr Kupfererz konnte nun verarbeitet werden, um so stärker war die Nachfrage nach Blei.

 

Blei

Nach 1450 begann der Abbau silberarmer Bleierze. Diese Umstellung führte zu einer neuen Konjunktur am Rammelsberg und des Goslarer Metallhandels. Für die sächsisch-thüringischen Silberbergwerke und Schmelzhütten sowie den Mansfeldischen Kupferbergbau und die Thüringer Saigerhütten war der Bergbau des Rammelsbergs relativ günstig gelegen. Georg Agricola führt ihn in seinen XII Büchern vom Bergbau (1556) als das ertragreichste deutsche Bleibergwerk an erster Stelle an. Der Bleiverbrauch des böhmischen Bergwerks in Kuttenberg zur Saigerung der dort gewonnenen Kupfererze umfaßte jährlich 4000 Zentner, die vor Ort nicht erzeugt werden konnten, so dass auch Böhmens Bergwerke beim Verhüttungsprozess auf auswärtiges Blei angewiesen waren, wenn nicht aus Goslar, dann aus Polen und Schlesien oder aus Bleiberg bei Villach in Kärnten.

Der Bleitransport von Goslar nach Sachsen lief um 1500 auf dem Landweg über Zwickau zu den Bergwerken Schneeberg, Annaberg, Freiberg und Geyer, besorgt von dem Leipziger Bleihändler Ulrich Lintacher und seinen Mitgesellschaftern, die sich zwischen 1521 und 1524 vertraglich den Alleinvertrieb dieses Metalls nach Sachsen und zu den thüringischen Saigerhütten vom Rat der Stadt Goslar hatten übertragen lassen.

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Seit Beginn der zweiten Betriebsperiode (nach 1450) hatte sich der europäische und damit auch der Bergbau am Rammelsberg zu einem besonders kapitalintensiven Sektor entwickelt. Das vielfältige Abteufen immer tieferer Schächte, die Wasserhaltung und Frischluftzufuhr für die Gruben (Bewetterung), die Einführung und Entwicklung neuer Hüttenverfahren erforderten immer größere Investitionen und führten zu steigenden Produktionskosten. Oft mußten die Bergwerksbetreiber, der Rat der Stadt Goslar und seit 1552 die Landesherren von Braunschweig-Wolfenbüttel, sich das notwendige Betriebskapital über Kredite verschaffen. Um die betriebsnotwendigen Investitionen wirksam einzusetzen, ging die Stadt Goslar im frühen 16. Jahrhundert dazu über, Besitz und Betrieb der Gruben zu vereinheitlichen. Das Direktionsprinzip bedeutete eine straffere Führung und leistungsfähige Kontrolle des gesamten Bergbaus. Es erlaubte Fachleuten aus anderen mitteleuropäischen Revieren nach Goslar zu ziehen und ihren technischen Sachverstand für das Unterharzer Revier nutzbar zu machen. Zu ihnen gehörte z.B. Johann Thurzo, der in ganz Mitteleuropa bekannte ungarische Techniker, Metallhändler und Gesellschafter der Fugger. Nach 1552 wurde das Direktionsprinzip von den Landesherrschaften vervollkommnet, 1635 in die Kommunion-Verwaltung übernommen und galt bis 1875, als dieser Bergbau durch Staatsvertrag unter preußische Leitung kam.

 

Fernhandel

Nach der erfolgreichen Sanierung der Gruben und der Entfaltung des Fernhandels konnte auswärtiges Kapital sowohl im Bergbau investiert wie im Metallhandel angelegt werden, z. B. durch sächsische Kaufleute wie Wolf Wiedemann und Lukas Straub mit ihren Gesellschaftern, die zwischen 1524 und 1527 jährlich Verträge über 18 000 Zentner Blei abschlossen und 1527/28 auf diesen Handel das Alleinvertriebsrecht besaßen: der Rat übertrug ihnen ein ausgedehntes Absatzgebiet, das von Thüringen über Böhmen, Franken bis Nürnberg und Augsburg reichte und alle Bergwerke und Saigerhütten einschloss.

Goslars Stellung auf dem mitteleuropäischen Bleimarkt blieb indessen nicht unangefochten. Bereits zwischen 1505 und 1515 lieferten englische Kaufleute jährlich bis zu 12 000 Zentner Blei auf dem Wasserweg nach Antwerpen, von wo aus es über Frankfurt/Bamberg nach Nürnberg verhandelt wurde. Nürnberger Kaufleute versorgten dann sächsische und böhmische Hüttenwerke. Die Hüttenwerke blieben die stärksten Bleinachfrager - keineswegs das Druckgewerbe mit seinem Letternguss noch das Handwerk der Glaser oder Kanonenkugelgießer.

Es war zunächst schlesisches Blei aus Beuthen und Tarnowitz, das seit 1528 auf den sächsischen Metallmärkten angeboten wurde, und dann vor allem polnisches aus Krakau und Olkusz, das für Goslarer Blei in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts scharfe Konkurrenz bedeutete, zumal die polnische Bleiproduktion ständig stieg: zwischen 1590 und 1600 gelangten bereits jährlich 60 000 Zentner auf den mitteleuropäischen Markt. Zur selben Zeit strömte englisches Blei in der Größenordnung von 50 000 Zentner per anno in die Saigerhüten Zentraleuropas.

Die Landesherren von Braunschweig-Wolfenbüttel, seit 1552 als Verleger der Berg- und Hüttenwerke am Rammelsberg unternehmerisch engagiert, waren zur Entwicklung besonderer Absatzformen ihrer Bleiproduktion gezwungen, um auf den einschlägigen Metallmärkten konkurrieren zu können. Vor allem der ‘ökonomische Fürst’, Herzog Julius (1568-1589), variierte höchst erfolgreich verschiedene Formen des Fernhandels:

- Einzel- und Kleingeschäfte

- langfristige Kontrakte über die gesamte Produktion bis zum Zeitraum von acht Jahren

- Termingeschäfte als Verkauf festgelegter Mengen an Blei bei jährlicher Lieferung und Bezahlung zu zwei festen Terminen

- Schuldverschreibungen auf Blei in Form von Sicherheiten durch Bürgschaften beider Geschäftspartner.

Der Ablauf des Handels vollzog sich in der Regel als Aufrechnung der Warenlieferung Blei durch Gegengeschäfte mit Tuchen, Kleinodien, Rauchwaren (Pelze), Silbergeschirr oder Wein. Sollte aus Sicherheitsgründen bei Fälligkeiten kein Bargeld eingesetzt werden, um Lieferungen bar auszugleichen, wurde mit Wechselbriefen gearbeitet.

Die Handelsverträge zeigen deutlich die empfindliche Abhängigkeit Goslars vom Verhalten der Verbraucher und den Handelsgesellschaften, sie zeigen aber auch eine wichtige Finanzierungsquelle für Bergbau und Hüttenwesen: Handelskapital als Vorschuss zur Finanzierung der Ausgaben für die Betriebe. Gleichwohl blieb das Revier frei von fremder Einflussnahme durch die dort tätigen auswärtigen Handelsgesellschaften. Im Gegensatz zu Nürnberger und Augsburger Kaufleuten und deren führender Rolle im Kupferhandel des 16. und 17. Jahrhunderts gelang es keiner der in Goslar tätigen Handelsgesellschaften kontrollierenden Einfluss zu gewinnen. Durch die Unternehmer- und Verleger-Tätigkeit der Landesherren wurde ein Eindringen von Handelskapital in die Produktionsphäre verhindert. Darin unterschied sich diese Revier grundlegend von vergleichbaren der Zeit.

 

Arbeitsverhältnisse

Herausragendes Kennzeichen der bergmännischen Gewinnungstechnik in der Lagerstätte Rammelsberg waren die großen, in ihrer Form meist unregelmäßigen und als Weitungen bezeichneten Abbauräume - beim Befahren des Roeder-Stollens eindrucksvoll zu sehen. Diese Weitungen bildeten jeweils selbständige Abbaueinheiten - Gruben, Zechen - und konzentrierten den Bergbau-Betrieb auf geringer Abbaufläche. Gängige Abbaumethode noch bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts war das Feuersetzen, ein Verfahren, das nicht nur Goethe bei seinen Besuchen des Bergwerks beeindruckte, sondern auch Heinrich von Kleist (1801), König Jérome von Westphalen (1809) und Hans Christian Andersen (1831). Bei diesem für den Rammelsberg typischen Verfahren zündeten die Erzhäuer unter Aufsicht der Steiger große Holzstöße an und erwärmten dadurch das Erz, vom dem sich durch Ausdehnung die obersten Schichten von den darunterliegenden, weniger erhitzten ablösten. Die gelockerten, aber noch nicht herabgefallenen Erzmassen (Haufwerk) wurden anschließend mit Brechstangen vom Stoß abgetrieben - ein gefährliches, weil nicht immer kalkulierbares, aber effizientes und kostengünstiges Verfahren. Grobe Stücke wurden mit Hämmern und Keilen zerkleinert, anschließend in Körben zu einem an der Förderstrecke gelegenen Sammelplatz getragen und schließlich von den Förderarbeitern mit Hand-Haspel und Pferde-Göpel ausgetrieben.

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Die Regelung der Schichten unterlag - wie die Festsetzung der Löhne - ausschließlich dem Direktionsrecht der Bergbehörde, die im Auftrag der Landesherrschaften zu handeln hatte. Die einzelne Schicht war je nach Aufgabenbereich geregelt, die ein Erzarbeiter regelmäßig verfuhr. Durch die Kombination von wöchentlich fünf regulären und vier Nebenschichten (als Überstunden) konnte er bei einer 60-Stunden-Woche mit durchschnittlich 35 Groschen Verdienst ein Lohnniveau erreichen, das ihm ein Leben in relativer Armut gestattete. Zum Ausgleich gab es billiges Brotgetreide, das unter Marktpreis lag und die unelastische Marktabhängigkeit der Bergleute kompensieren sollte: zum Getreide gab es keine Alternative, Hungerkrisen waren keine Seltenheit.

Von Montag bis Freitag dauerte die reguläre Schicht 12 Stunden, an sie schloss sich eine fünfstündige Nachtschicht oder ledige Schicht an, die von 11 Uhr nachts bis 4 Uhr morgens währte, eine Ruhepause von 4-5 Uhr einschloss und dann mit der 12 stündigen Tagesschicht fortfuhr. Eine Bet- und die Ruhestunde sowie die aufwendige Zeit zum Ein- und Ausfahren waren jeweils mit einer Stunde zu veranschlagen, so dass die reine Arbeitszeit 8 Stunden betrug. Das Arbeistempo war unterschiedlich intensiv, die Arbeitsbedingungen im Dunkeln und der Feuchtigkeit ungleich schwieriger als im 20. Jahrhundert. Die mühselige Arbeit mit Schlägel und Eisen (Hammer und Meißel) bei der Erzgewinnung, beim Auffahren von Strecken und beim Aushieb der großen Radstuben für die Kunsträder zum Wasserheben erforderten ein hohes Maß an körperlicher Leistungsfähigkeit. Schießarbeit (Pulver-Sprengen) wurde im Rammelsberg nur gelegentlich angewandt: Sie galt als zu teuer und wenig effektiv. Die Lebensarbeitszeit des einzelnen Bergmanns erstreckte sich oft bis zum Alter von 70 und mehr Jahren, denn das Gnadengeld als Altershilfe und Zahlungen aus der Knappschaftkasse waren mehr als spärlich.

Der Steiger hatte sämtliche Vorgänge in seiner Grube zu legitimieren und konnte vom Bergamt zur Rechenschaft gezogen werden, wenn er nachweislich fahrlässig gehandelt hatte. Zu seinen Aufgaben gehörte die Standsicherheit seiner Grube, vor allem aber die vom Bergamt verordnete Menge Erz pro Zeiteinheit auszufördern und die Sicherheit seiner Arbeiter beim Feuersetzen zu gewährleisten.

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Bereits die Bergordnung von 1356 regelte präzise die Schichtzeiten der Steiger und Häuer. Die Anleutglocke im Maltermeistertum auf dem Rammelsberg hoch über der Stadt Goslar forderte den pünktlichen Beginn der Arbeit ein. Angesicht der ständigen Gefährdung unter Tage lag vor Arbeitsbeginn eine gemeinsame Betstunde, ein seit Jahrhunderten praktizierter Brauch, der sich bis weit in das 20. Jahrhundert hinein gehalten hat. Schutzpatronin war die Heilige Barbara. Bereits 1473 gab es in Goslar eine Barbara-Bruderschaft der Gewerken und Bergknappen am Rammelsberg, eine Selbsthilfeorganisation der Häuer und Steiger.

 

Knappschaft

Belegbare Zahlungen eines Büchsengeldes als Beitrag für eine Knappschaftskasse reichen bis zum Anfang des 15. Jahrhunderts zurück. In der ältesten erhaltenen Bergrechnung von 1409/10 hieß es, vom Wochenlohn der Erzhäuer sei ein Pfennig in die Knappschaftsbüchse zu entrichten. Diese Einlage sollten die Knappen vor den Folgen ihrer gefährlichen Berufsarbeit partiell absichern. In dieser Tradition stand auch die älteste deutsche Knappschaftsordnung von 1538. Sie ist auf Veranlassung der Bergleute zwischen ihren Vertretern und dem Rat der Stadt Goslar ausgehandelt worden und erfaßte Steiger, Aufseher, Häuer, Göpeltreiber und Hüttenleute. Sie regelte neben der Einzahlung des Büchsengeldes auch die Hilfeleistung für diejenigen, die Schaden genommen hatten, die Zahlung der Arztkosten. Zur Aufnahmen von Pfleglingen wies der Rat den Knappen ein Hospital neben der Klauskapelle an. Mit dieser Knappschaftordnung, finanziert durch die Pflichtbeiträge, wurden Steiger und Erzhäuer zu Trägern eines sozialen Leistungssystems, die Zwangsmitglieder der Knappschaft waren. Von Zuweisungen der Grubenbetreiber war nicht die Rede.

Nach dem Dreißigjährigen Krieg unterstellte das Direktionsmodell ständig weitere Bereiche der landesherrlichen Ordnung. So ernannte das Bergamt in Goslar im Auftrag der Landesherrschaften einen Knappschaftsschreiber zur Leitung der Kasse. Als in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts die Zahl der Erkrankungen, vor allem der Hüttenleute infolge der giftigen Dämpfe beim Bleischmelzen zunahm und vermehrt Gnadengelder zu zahlen waren, wurde der Pflichtbeitrag der Knappschaft verdoppelt. Als auch diese Summen nicht mehr genügten, musste eine neue Bemessungsgrundlage eingeführt werden: Proportional anteilig zum Verdienst erhob fortan das Bergamt die Beiträge. Damit wurde das ursprünglich als Selbstverwaltungsorgan angelegte Knappschaftswesen zu einer staatlich kontrollierten Einrichtung transformiert.

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Das Ende

Verglichen mit anderen mitteleuropäischen Erzrevieren - Erzgebirge, Tirol, Böhmen oder dem Oberharz - war die Bergbauregion Unterharz stets nur ein mittelgroßes Revier. Im 16. und 17. Jahrhundert arbeiteten dort knapp 200 Bergleute. Da die Landesherren im 17. Jahrhundert kein Interesse an einer grundlegenden Neuordnung zeigten, fehlten bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts umfassende Modernisierungen. Einen bemerkenswerten Aufschwung oder Produktivitätsfortschritt (wie z.B. im Oberharz) erreichte dieses Revier damit nicht, es arbeitete weiterhin in technisch gewohnter und bewährter Weise. Erst Oberbergmeister Roeder veränderte nach 1780 die herrschenden Arbeits- und Betriebsstrukturen grundlegend, denn seine Umsicht und Fachkompetenz erkannte scharfsinnig Fehler und Mißstände. Für die betriebstechnische Weiterentwicklung wurde die Erschließung des Neuen Lagers (1859) noch einmal bedeutsam, es gelang damit neue Lagerbereiche aufzuschließen, deren Abbau nicht durch die negativen Folgen jahrhundertelanger Erzgewinnung erschwert wurden. Ab 1876 wurde im Rammelsberg das maschinelle Bohren und die Schießarbeit anstelle des problematischen Feuersetzens endgültig eingeführt: 1900 konnten schon 85% der Erzförderung mit dem Einsatz von Druckluftbohrmaschinen gewonnen werden. In den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts waren im Rammelsberg noch 1500 Bergleute beschäftigt, 1965 war es nur noch die Hälfte. Ausschlaggebend war der Verfall der Erzpreise, besonders für Zink. Da die Einnahmen aus dem Zinkkonzentrat einen wesentlichen Anteil der Gesamterlöse der Preussag AG Metall darstellten, geriet der Betrieb rasch in die Verlustzone.

Kein Zweifel, nach wie vor ist der Rammelsberg das faszinierendste Besucher-Bergwerk des Kontinents: Über Tage mit seiner ästhetisch gelungenen Erzaufbereitungsanlage, zwischen 1936 und 1938 von den Architekten Fritz Schupp und Martin Kremmer erbaut und vollendet in die natürliche Hanglage des Berges integriert, unter Tage mit seinen Kehrrädern, Wellen, Wasserkästen und Antriebsgestängen und dem Kunstrad mit dem Krummen Zapfen, technischen Förderanlagen, wie sie aufgrund der unübertroffenen Betriebskontinuität nur hier vorzufinden sind. Auch wenn Christo schon am 30. Juni 1988 den letzten Grubenwagen verpackte, zur Eröffnung der Ausstellung Expo 2000 war er am 28. Mai nochmals anwesend, um das Package on a Hunt zu präsentieren.

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