Marburger Forum Beiträge zur geistigen Situation der Gegenwart Jg. 2 (2001), Heft 6
Notizen zur Marburger Kunstszene:
Eine Ausstellung von Helga Krawielitzki-Hajos im Atelier der Künstlerin
Frau Krawielitzki-Hajos präsentiert zur Zeit in ihrer Galerie neue Bilder. Sie arbeitet vorwiegend mit Acryl-Farben. In der Ausstellung finden sich auch Collagen in Mischtechnik, bei denen von der Künstlerin angefertigte Fotos Verwendung finden. Sie zeigt unter anderem Landschaftsbilder, typisch neuseeländische Straßenbilder, Akte, sowie abstrakte Werke.
Die Serie neuseeländischer Straßen-Bilder, zwölf an der Zahl, spiegelt den Eindruck geschäftlicher Sachlichkeit. Es finden sich Autos in vorwiegend menschenleeren Straßen und Gebäude. Die Farbgebung ist eher gedeckt gehalten.

Von faszinierender Einfachheit und Ausdruckskraft sind zwei Küstenlandschaften im gestreckten Querformat in Ocker und Schwarz gehalten.
Weiterhin findet sich eine Serie kleiner Akt-Bilder von intensiver Farbigkeit und Ausdruckskraft. Bei reduzierter Auffassung und Verzicht auf Details beschränkt sich die Künstlerin auf das Wesentliche einer erfassten Bewegung.

Fensterbilder, Straßenbilder, ein abgebildeter Aktenordner, ein dargestelltes Buch und anderes zeigen die für die Künstlerin typische Grenzsituation zwischen gegenständlichem Abbilden und Abstraktion. Eine gewisse, ihr eigene Verfremdung findet dabei statt. In freier Darstellung finden sich gegenständliche Elemente in fließendem Übergang zum Ungegenständlichen. Die Positionierung der abgebildeten Inhalte auf dem Blatt ist ausgewogen, fast harmonisch. Ebenso die, auf wenige Töne reduzierte, gewählte Farbskala mit dem sehr eigenen Umgang, einerseits pastellig, zum anderen auch klar komplementär verwendeter Farben. Die Art der Entfremdung der von Frau Krawielitzki-Hajos dargestellten Objekte wirkt intellektuell, das Wesentliche in typischer Manier in den Mittelpunkt rückend und ihn wie zu einem Extrakt zusammenfassend. Zeichnerisches Können sowie hochtalentierter Umgang mit der Farbigkeit wird sichtbar. Sowohl in der Hell-Dunkel-Gestaltung als auch in der Strukturierung der zum Teil gespachtelten Bilder zeigt sich eine große Vielfalt an technischen Möglichkeiten.
Frau Krawielitzki-Hajos studierte Kunstwissenschaften an der Philipps- Universität in Marburg, Kunstpädagogik an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und war 1970 bis 1975 Kunstpädagogin an der Deutschen Schule in Paris. Von 1975 bis 1981 war sie Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Kunstpädagogik der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität. Seit 1985 bekommt sie Lehraufträge am Hessischen Institut für Lehrerfortbildung. Seit 1987 ist sie Museumspädagogin am Marburger Universitätsmuseum für Kunst- und Kulturgeschichte. Hauptberuflich arbeitet sie als freischaffende Künstlerin und als Kunstpädagogin.
Sie veröffentlichte Beiträge in kunstpädagogischen Zeitschriften und Büchern und nahm an zahlreichen Gruppenausstellungen in Marburg, Orange, Nimes, Salzburg, Darmstadt, Pfungstadt, Poitiers u.a. teil. Einzelausstellungen gab es in Marburg, Hof und Chorin. Die seit ihrer Kindheit malende Marburgerin ist in ihrer Heimatstadt eine angesehene Künstlerin und Galeristin. Das Hessische Kultusministerium, das Ministerium für Wissenschaft und Bildung und das Marburger Universitätsmuseum haben Bilder von ihr erworben.
Frau Krawielitzki-Hajos zeigt in ihrer Galerie, Schückingstr. 8, 35037 Marburg, drei bis vier Ausstellungen anderer Künstler pro Jahr, zuletzt waren es Werke von Günter Blau, die dort zu sehen waren.
E. Danielzik-Stork