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Beiträge zur geistigen Situation der Gegenwart Jg. 3 (2002), Heft 1
In Nietzsches Schrift 'Vom Nutzen und Nachteil der Historie für das Leben' findet sich das Zitat:
„Denn alles, was entsteht, ist wert, daß es zugrunde geht. Drum besser wär's, daß nichts entstünde."
Welche besondere Bedeutung hat dieses Zitat, oder ist es nur ein Mittel im Streit um die richtige Historie im Zusammenhang der 'Unzeitgemäßen Betrachtungen'? Von wem überhaupt ist dieses Zitat, das Nietzsche hier als Argument für eine richtige Geschichtsauffassung einsetzt? Bei ihm selbst findet sich kein ausdrücklicher Hinweis. Die Stelle wird ganz so verwendet, als ob jeder sie kennen müsste:Sind es die Worte Mephistopheles in Goethes Faust? In der Tat findet sich bei Goethe wörtlich diese Stelle.(1) Es ist jedoch unverständlich, dass Nietzsche dieses Zitat als Argument für die 'kritische Art' ansieht, die Vergangenheit zu betrachten.
Der Inhalt dieses Zitats wird nun in einer späteren Schrift in einer völlig anderen Bedeutung wieder von ihm verwendet. Das Zitat wird dort allerdings nicht mehr wortwörtlich übernommen; allerdings hat sich – was die Aussage betrifft – nichts verändert. In 'Also sprach Zarathustra' heißt es in bezug auf die 'Wirklichkeit' der 'Wirklichen'. Und das ist eure Wirklichkeit: „Alles ist wert, daß es zugrunde geht.“(2)
An einer späteren Stelle des Textes heißt es über die Art und Weise des bisherigen Denkens: Es führt zum Wahnsinn und dieser predige:
„'Alles vergeht, darum ist alles wert zu vergehn!'". (3)
Nach Nietzsche wurde alles bisherige Denken durch den 'Geist der Rache' bestimmt, durch den Widerwillen im Willen, durch den Willen gegen das Leben.(4) Das Prinzip, das nach ihm zur Herrschaft über das Denken gelangt ist, wird an dieser Stelle des 'Zarathustra' in einer Gestalt verkörpert.
Vergleicht man die Textstelle aus den 'Unzeitgemäßen Betrachtungen' mit der aus 'Also sprach Zarathustra', so scheint es, als ob das Zitat von Goethe von Nietzsche später wieder benutzt würde, nur mit dem Unterschied, dass jetzt ein anderer die Rolle des Mephisto spielt. Aus Mephisto wäre der 'Geist der Rache' geworden, diese dämonische Figur, die das zentrale Problem der Philosophie von Nietzsche verbildlicht, das Problem der 'Erlösung'.(5)
Beide sprechen die gleichen Sätze und verkörpern ein Prinzip. Die Frage ist, warum interpretiert und bewertet Nietzsche das Prinzip, das sich in diesen Sätzen ausdrückt, in den 'Unzeitgemäßen Betrachtungen' anders als in 'Also sprach Zarathustra'?
In den 'Unzeitgemäßen Betrachtungen' wird der Satz: „Denn alles, was entsteht, ist wert, daß es zugrunde geht“, in einem positiven Sinne verwendet. Nachdem er die monumentalische und die antiquarische Art der Historie abgehandelt und abgewiesen hat, wendet Nietzsche sich an dieser Stelle seiner Schrift der kritischen Historie zu. Auch diese Art soll im Dienste des Lebens stehen. Kritik bedeutet nach ihm hier, man müsse auch von Zeit zu Zeit die Kraft haben, die Vergangenheit zerbrechen und auflösen zu können, um leben zu können: „...jede Vergangenheit aber ist wert, verurteilt zu werden...".(6)
Wie aber begründet Nietzsche diesen Schluss? Er geht davon aus, dass über den menschlichen Dingen nicht die Gerechtigkeit zu Gericht sitzt, sondern das Leben und d.h. eine unersättliche und dunkle Macht.(7) Der Spruch des Lebens ist nach ihm immer ungnädig und ungerecht. Leben und Recht sind nicht identisch; man braucht daher Kraft, um leben und vergessen zu können.(8)
Da mag der Ausspruch von Mephisto in Goethes Faust passen, zumindest auf den ersten Blick. Aber es ist Mephisto, der dies sagt und dieser ist sicherlich kein Bürge für eine 'kritische Art', eher für das was, was man Zerstörung nennt. Das Problem also ist, warum identifiziert sich Nietzsche hier so vorschnell mit Mephistos Sicht der Dinge?
Eine vollkommen andere Sicht drückt sich in der Stelle in 'Also sprach Zarathustra' aus. Der 'Geist der Rache', der fast wortwörtlich das Prinzip des Mephisto übernimmt, ist nunmehr ein Widersacher, der Inbegriff des Negativen schlechthin. Er verkörpert nun das, was nach Nietzsche unbedingt überwunden werden muss.
Wie aber ist dieser Widerspruch zu erklären? Zur Zeit der Entstehung der 'Unzeitgemäßen Betrachtungen' wird von Nietzsche das Problem noch nicht gesehen, dass aus dem Widerwillen des Willens gegen die Zeit und ihr „Es war“, die 'Rache' entsteht.(9)
Die Feststellung in den 'Unzeitgemäßen Betrachtungen', dass jede Vergangenheit es wert ist, verurteilt zu werden, dient offenbar nicht dem Leben – wie Nietzsche es einmal betont hat -, sondern ist der Ausdruck für das, was er später den 'Willen als Widerwillen' nennen wird, also den Willen zur Verneinung des Lebens.(10)
Betrachtet man die Übereinstimmung der beiden Textstellen, so stellt sich die Frage, warum bei Nietzsche in 'Also sprach Zarathustra' jeglicher Hinweis auf den Urheber des Gedankens fehlt bzw. warum er nicht erwähnt, dass sein 'Geist der Rache' die Züge Mephistos trägt? Die Ähnlichkeit dieser 'Geister' ist nicht zu übersehen. Die angeführten Zitate sind – was den Inhalt betrifft – identisch.
Beide sind, wenn man so will, Verwandte oder anders ausgedrückt: Der 'Geist der Rache' – so könnte man es ausdrücken - folgt auf Mephisto; er ist ein Wiedergänger.
An einer Stelle in 'Die fröhliche Wissenschaft' findet sich allerdings ein Hinweis. Dort schreibt er: „Man muss den Deutschen ihren Mephistopheles ausreden: und ihren Faust dazu. Es sind zwei moralische Vorurteile gegen den Werth der Erkenntnis."(11)
Aber das 'Prinzip' des Mephisto muss für ihn wohl mehr sein als ein moralisches Vorurteil gegen die Erkenntnis, wenn man berücksichtigt, auf welche Weise dieses Prinzip später in seinen Schriften verwendet wird. Danach war – so wird er behaupten – alles bisherige Denken nicht frei von diesem dämonischen Prinzip.
Vergleicht man die Figuren Mephisto und den 'Geist der Rache', so haben sie eins gemeinsam: beides sind Konstruktionen, die sich auf das Problem des Nihilismus beziehen. Auch wenn beide in der Rolle des Dämonen und Versuchers erscheinen, so sind die Stücke, in denen sie auftreten dennoch verschieden. Anders ausgedrückt: Goethe findet nicht nur eine andere Antwort auf das Problem des Nihilismus, er stellt es auch anders dar.
Passt nicht zum Anfang von Goethes Faust auch die Stelle aus 'Der Wille zur Macht': „Der Nihilismus steht vor der Tür..."?(12) Was hat Faust nicht alles studiert und nun sagt er: „Da steh ich nun, ich armer Tor, Und bin so klug als wie zuvor!"(13) Zwar bezeichnet er sich als aufgeklärt und fürchtet weder Hölle noch Teufel, aber: „Dafür ist mir auch alle Freud entrissen..." und etwas weiter heißt es: „Es möchte kein Hund so länger leben!"(14) Am Ende des Wegs der Erkenntnis ist der Sinn des Daseins verschwunden, erscheint ein großes 'umsonst'. Am Ende der Suche nach Wissen steht nicht die Anerkennung, sondern das Problem der Rechtfertigung des Daseins. Das Problem des Nihilismus wird hier auf den Prozess der Erkenntnis bezogen, ergibt sich als Folge einer Dialektik der Aufklärung.
Betrachtet man das Werk von Goethe unter dem Aspekt der Differenz von Sokratischem und Dionysischem, so steht Faust auf dem Gipfel des Sokratischen. Mit einem Mal führt der Weg 'Tugend ist Wissen' nicht mehr weiter und wird abgründig, d.h. sinnlos. Nun tritt der Versucher, Mephisto, über die Schwelle und bietet die Sinnlichkeit als Ausweg aus der Verzweiflung an: "Grau teurer Freund, ist alle Theorie, Und grün des Lebens goldner Baum."(15) Das Sinnliche dient hier als Lockmittel.
Ist Mephisto nicht ein Extremist, ein Nihilist von Gottes Gnaden?
'Gott ist tot', diese Formel von Nietzsche gilt für Goethes Faust nicht. Auch die Gültigkeit einer moralischen Bedeutung des Lebens wird bei Goethe im Unterschied zu Nietzsche nicht in Frage gestellt, d.h. ihm geht es nicht um eine Aufhebung der Moral. Die Trennung und Dualität von Geist und Sinnlichkeit ist im 'Faust' noch Grundlage aller Verstrickungen.
In Goethes Drama spielt Mephisto die Rolle des Versuchers, in Nietzsches 'Also sprach Zarathustra' ist es der 'Geist der Rache'. Der 'Geist der Rache' ist für Nietzsche der Antipode, der große Widersacher, die Ursache für das, was er seine 'Philosophie der Zukunft' nennen wird.
Es geht also im 'Zarathustra' um eine Schlüsselstelle seiner Philosophie, um die sich alles weitere dreht, und die den Grund verdeutlicht, warum überhaupt ein neues Denken zu entwickeln ist.
Aber gelingt durch Nietzsches Philosophie eine Überwindung dieses Dämons, gelingt eine Aufhebung des Nihilismus und seines 'umsonst'? Kann man diese 'Geister' endgültig austreiben?
Nietzsche erhebt diesen Anspruch. Für immer soll dieses Gespenst verschwinden, dieser 'Geist der Rache', dieser Wiedergänger Mephistos.
Nun kann man die Auffassung vertreten, dass die vorgeschlagene Lösung von Nietzsche selbst dämonische Züge trägt, insofern sein Konzept auch der Ausdruck einer totalitären Versuchung ist. Träumt er nicht von den 'freien Geistern', die das Vorrecht haben, auf den Versuch hin zu leben?(16) Die 'Philosophen der Zukunft' sind seine Versucher und seine Versuchung.(17) Was haben sie noch zu fürchten? Sie sind von der Magie des Extrems bestimmt. Was Nietzsche verspricht, ist die große Loslösung, die Befreiung zu einer neuen Freiheit.
Der Mensch wird so selbstverständlich zum Grund von allem. Er wird zum Maß der Wahrheit.
Die Welt wird rücksichtslos vermenschlicht. Der 'Wille zur Macht' wird zum Medium einer Totalität, die keine Begrenzung mehr kennt, und wie Nietzsche oftmals unterstreicht, auch nicht mehr nötig hat.
Wie groß der Sprung ist, den dieses Denken wagt, wird deutlich, wenn man sich vergegenwärtigt, dass z.B. noch nach dem Diktum von Burckhard die Macht etwas an sich Böses ist.(18)
Das Gegenteil ist bei Nietzsche der Fall. Das Denken, das den 'Willen zur Macht' entwirft, verkündet ein Versprechen. Versprochen wird eine neue Freiheit, die nicht mehr - ob christlich oder wie noch bei Kant - in bezug auf eine Transzendenz steht.
'Schaffen als Freiheit ohne Transzendenz', so hat sie Jaspers charakterisiert.(19) Die Endlichkeit ist nicht mehr in ihren Möglichkeiten begrenzt, besser, sie findet ihre Grenze nicht mehr vor einer Transzendenz.(20) Was aber tritt bei Nietzsche an die Stelle der Transzendenz?
Es ist nicht nichts, es ist das Nichts. Die Freiheit des Schaffens steht keiner Transzendenz gegenüber, sondern dem Nichts.(21) In der 'Wille zur Macht' wird das so ausgedrückt: Es gibt nur noch den Gegensatz von 'Welt' und 'Nichts'.(22) Nach Jaspers bietet sich dieses Denken dar als eine 'überschlagende Immanenz'. Das Schaffen wird als eine zeitliche Wirklichkeit ohne einen gültigen Maßstab verabsolutiert.(23) Es existiert keine Grenze gegen ein Anderes mehr, sondern nur Erfüllung. „Es ist, als ob bei Nietzsche die Freiheit sich aufgehoben hätte im Schaffen".(24)
Aber es ist die Frage, ob Nietzsches Versuch einer Lösung gelungen ist, dieses Gespenst, das er den 'Geist der Rache' nennt, endgültig zu vertreiben. Was er jedoch durch seine Betrachtung hervorhebt, ist, dass dieser 'Wille zur Zerstörung' auch eine kulturelle Geschichte hat. Das Böse ist in diesem Sinne nicht einfach da, sondern es hat auch eine Ursache.
Wodurch aber entsteht nach ihm dieses Gespenst, dieser 'Geist der Rache'?
Es ist der Wille selbst, der nach Nietzsche leidet, er leidet an dem „Es war“.
Wollen befreit nach Nietzsche. Wollen ist Schaffen. Dazu gehört der zielstrebige Willen des Menschen zur Zukunft. Aber warum genügt es nach Nietzsche nicht, die Zukunft zu wollen?
„Nicht zurück kann der Wille wollen.... das ist des Willens einsamste Trübsal“, schreibt er im 'Zarathustra'. Und dieser Wille nimmt nach ihm Rache dafür, dass er nicht zurück kann.
Gegenüber dem „Es war“ ist der Wille ohnmächtig. Das „Es war“ widersetzt sich dem Wollen. Es ist dieser Widerstand, der nach Nietzsche ein Leiden des Willens darstellt; der Wille leidet an sich selber.
Und dieser Widerwille gegen alles „Es war“ findet seinen Ausdruck, er erscheint als der Wille zum Vergehen, der will, dass alles wert sei, dass es vergehe.
Der Wille ist in diesem Sinne ein Vorstellen, das allem nachstellt. Dazu gehört wohl auch das Bild des 'letzten Menschen' im 'Zarathustra', einem Vertreter dieses Willens, d.h. der Nachstellung, der nach Nietzsche „... alles klein macht.“ Die Bilder, die der 'letzte' Mensch entwirft, sind nicht das Produkt des mikroskopischen Blicks, sondern der Herabsetzung.
Nach Hannah Arendts Interpretation wird bei Nietzsche die Erfahrung der Vergänglichkeit zum Problem. Der Schluss, dass alles Seiende „wert ist zu vergehen“, entsteht unter der Einsicht, dass „alles vergeht“ und dass die Zukunft nur etwas bringt, das immer schon gewesen sein wird.
Es gibt danach eine Einstellung, in der alle Zukunft schon als vergangen betrachtet wird. Und das heißt nach ihr, dass die Vergangenheit damit zur maßgeblichen Zeitform wird. In diesem Sinne spricht Hannah Arendt von einer „alles verschlingenden Vergangenheit“, die das Denken von Nietzsche hervorhebt.
Wille und Zeit stehen nach Nietzsche in einem Verhältnis.
Nach ihm gibt es einen Schnittpunkt der Zeitdimensionen in der Moderne. Er nennt ihn den 'Augenblick'. Es ist – ausgedrückt in einem Bild, der 'Torweg'. In 'Also sprach Zarathustra' schreibt er:
„Zwei Wege kommen hier zusammen: die ging noch niemand zu Ende. Diese lange Gasse zurück: die währt eine Ewigkeit. Und jene lange Gasse hinaus – das ist die andere Ewigkeit.“
Der moderne Mensch steht nach Nietzsche wie auf einem Punkt, wo er „nicht aus und nicht ein weiß“.(25) Die Zeit wird zu einer Geraden, zurück ist sie endlos, vorwärts, in die Zukunft, ebenso.
Der Mensch christlicher Zeit kannte nach ihm noch eine Ewigkeit als Unvergänglichkeit. Ihre Bedeutung ist verschwunden. Ihr Repräsentant, Geist Nr. 1, Gott, hat nach ihm nur eine Leere hinterlassen.
Die Zeit als ein endlos gerader Weg in die Zukunft; warum ist diese Vorstellung der Moderne nach Nietzsche ein Problem?
Wenn z.B. die Zukunft ein endlos gerader Weg ist, und wenn dieser Weg kein letztes Ziel mehr kennt, was bedeutet das?
Warum soll dieser Weg im Nichts enden, so wie Karl Löwith diese Stelle von Nietzsche interpretiert?
Nach Nietzsche endet ein solcher Weg in die Zukunft nur dann nicht im Nichts, wenn das Werdende und Vergehende als solches gerechtfertigt werden kann.
Wie zentral dieses Problem für sein Denken ist, wird schon früh deutlich, so z.B. in der 'Geburt der Tragödie'. Aber warum ist das ein Problem? Was lässt ihn an der Vorstellung einer 'offenen Zukunft' zweifeln, die vor uns liegt?
Reicht die Faszination nicht aus, dass man frei sein kann, und frei heißt hier z.B. von aller Tradition, allem Vergangenen, aller Vergangenheit? Warum kann man nach Nietzsche nicht alles hinter sich werfen? Oder einfach 'Gas geben', beschleunigen, auf der Suche nach einem 'Wurmloch', das einen blitzschnell ans Ziel bringt?
Vorrang der Zukunft und Willensbegriff bedingen einander. Der Wille ist eine Macht, weil er etwas erreichen kann. Setzt man eine Zukunft voraus, die durch die Pläne des Willens bestimmbar ist, so wird der Wille eine Macht. Oder sollte es nicht besser heißen: bestimmbar erscheint?
Aber sich zu bewegen und zu verändern, das reicht nach Nietzsche nicht aus. Für ihn stellt sich die Frage, wie das „Werden“ gerechtfertigt werden kann.
Er ist der Auffassung, dass nur so, auf dieser Reise in die Zukunft, Begegnungen der 'anderen Art' vermieden werden können. Er glaubt daran, dass dieser Dämon, den er den 'Geist der Rache' nennt, für immer verschwinden kann. Seine Philosophie ist nicht der Versuch diesem Ungeheurer aus dem Weg zu gehen. Er will, wie gesagt, dieses Gespenst austreiben.
Nie wieder soll es eine Heimsuchung geben.
Was aber ist, wenn es darauf ankäme, mit diesem Dämon ein Gespräch führen zu können? Warum sollte es nicht wichtig sein, sich mit diesem Gespenst auseinander zu setzen, das ein Ausdruck unserer Angst vor dem Sinnlichen ist?
Sind nicht Mephisto und der 'Geist der Rache' ein Phantasieprodukt, ein Produkt des Umstands, dass das Sinnliche der Inbegriff des Nichts war und ist? Es mag einen da nicht verwundern, dass das Unterdrückte einen heimsucht, die Frage ist allerdings, wann und in welcher Gestalt?
Nietzsches Versuch einer 'endgültigen' Lösung, einer radikalen Austreibung, ist wohl nicht der richtige Weg.
Wie aber kommuniziert man mit solchen Geistern, ohne in der magischen Trickkiste zu verschwinden? Setzt das nicht voraus, dass man ihre Sprache versteht? Vorausgesetzt, man kann noch zuhören, auch dann wenn geflüstert wird. Aber das ist leichter gesagt als getan.
Anmerkungen
(1)Vgl. Goethe, J. W., Faust, Erster und zweiter Teil, München 1962, S.41
(2)Vgl. Nietzsche, Friedrich, Also sprach Zarathustra, München 1961, S.93
(3)Ebd.,S.109
(4)Vgl. Heidegger, Martin, Was heißt Denken? , Tübingen 1984, S.37f.
(5)Vgl. Nietzsche, Friedrich, Also sprach Zarathustra, .a.O., S.107ff
(6)Nietzsche, Friedrich, Unzeitgemäße Betrachtungen, München 1964, S.91
(7)Vgl. Ebd.
(8)Vgl. Ebd.
(9)Vgl. Nietzsche, Friedrich, Also sprach Zarathustra, a.O., S.109
(10)Vgl. auch Heidegger, Martin, Was heißt Denken?, a.a.O., S.36
(11)Nietzsche, Friedrich, Die fröhliche Wissenschaft, München, Berlin 1988, S.501
(12)Nietzsche, Friedrich, Der Wille zur Macht, Stuttgart 1964, S.7
(13)Goethe, J. W. ,Faust, a.a.O., S.16
(14)Ebd.
(15)Ebd.,S.59
(16)Vgl. Gerhardt, Volker, Pathos und Distanz, Stuttgart 1988, S.169
(17)Vgl. Ebd.
(18)Vgl. Gerhardt, Volker, Pathos und Distanz, a.a.O., S.93
(19)Vgl. Jaspers, Karl, Nietzsche, Berlin New York 1981,S.155
(20)Vgl. Ebd.
(21)Vgl. Ebd., S.159
(22)Vgl. Nietzsche, Friedrich, Der Wille zur Macht, a.a.O., S.387
(23)Vgl. Jaspers, Karl, Nietzsche, a.a.O., S.159
(24)Ebd., S. 161
(25) Vgl. Löwith, Karl, Nietzsches Philosophie der ewigen Wiederkehr des Gleichen, Hamburg 1986, S. 47