Beiträge zur geistigen Situation der Gegenwart  Jg. 3 (2002), Heft 3


 

Ingrid Hermentin

Transkriptionen und andere Projekte

Computergrafiken

 

 "Die Ambivalenz der 'technisierten Gegenwart' aufzuzeigen und Zeichenphänomenen, die in Information umgesetzt und abgespeichert werden, Gestalt zu verleihen, fordert geradezu die Benutzung eines 'Distanzinstruments': 'des Computers'":
"Ingrid Hermentin", Katalog der Prisma Art Gallery, Mediale Hamburg, 1993    

 


 A/B-IIk (1998) 60×60 cm
Projekt: Information auf Distanz

 

"Die menschliche Wahrnehmung in einer digital und medial angelegten Welt ist eines der zentralen Themen, mit denen sich Ingrid Hermentin in ihren Arbeiten auseinandersetzt. Die zunehmende Digitalisierung schaffe eine Distanz, über die der Mensch die Welt nicht mehr unmittelbar, sondern indirekt, vermittelt über ihre mediale Aufbereitung erfahre. Ingrid Hermentin setzt den Computer als Werkzeug und Ausdrucksmittel ein, um diesen Distanzierungsprozess gestalterisch nachzuvollziehen."
"Distanz im globalen Dorf", PAGE (Hamburg),11/94

 

Fries B/H-Ia (2002) 672×84 cm
 Projekt: Transkriptionen

 

Fries C/B-V+ I/C-I (2001) 588×84 cm
 Projekt: Transkriptionen

 

Fries G/B-Ia (2002) 672×84 cm
 Projekt: Transkriptionen

 

 

Unsere Körper werden schlaff, alt, hinfällig oder von Schmerzen gequält. Der Wunsch nach Gestaltung bzw. Umgestaltung wächst. Genügt es, nur einen Körper zu haben? Aus dem "Sein zum Tode" wird ein Eingriff ins technisch manipulierte und produzierte Leben. Das Virtuelle verknüpft das Bild und den Körper auf eine neue Weise. Mein Gesicht (Realkörper) wird direkt eingescannt, durch Bearbeitung in eine körperlose Oberfläche verwandelt und erscheint als flüchtiger Hintergrund. Die Überlagerung mit Informationszeichen, genetischem Code und generiertem Text wird zum Zeichen.
Ein Körper distanziert sich. Die Frage nach der sozialen Bestimmung und Funktion des Körpers bleibt.
Ingrid Hermentin

 

G/SH-IV (2000) 160×80 cm
 Projekt: Digitale Frauen [re-]konvertiert

 

I/H-I  1997 160×80 cm
 Projekt: Information auf Distanz

 

 

I/H-X_Menschen_würde[n...]  (2001) 375×125 cm
Projekt: Transkriptionen

 

"Schemenhafte Gesichter schweben im luftleeren Raum. ... Ingrid Hermentins Bilder hinterlassen ein unbehagliches Gefühl, das sich noch verstärkt, wenn man sich den nicht auf den ersten Blick ersichtlichen Herstellungsprozess vor Augen führt. Was auf den ersten Blick wie verfremdete Fotos wirkt, sind elektronische Abbilder lebenden Fleisches. Die Marburger Künstlerin ... hat Gesichter von Frauen ... direkt eingescannt. Mit der unangenehmen Prozedur versetzt sie die Gesichter unmittelbar in den virtuellen Raum und bearbeitet sie mit handelsüblicher Bildbearbeitungs - Software. ... Um dem Auge zumindest einen Anhaltspunkt zu liefern, hinterlegt die Künstlerin ihre synthetischen Bilder, die durch den Prozess des Druckens erst realen Charakter erhalten, mit vom Computer verschlüsselten Schriftzeichen. Wie Mikrochips fliegen sie durch den leeren Bildraum, dessen perspektivische Sogwirkung bis ins Unendliche zu reichen scheint."
Regine Seipel (Frankfurter Rundschau Nr. 242, 18.10.2000)

 

Sequenzierung mit Oligomeren IV  (1994) 160×56 cm
Projekt: Morphogenese

 

Z/R-VIIb  (1996) 430×85 cm
Projekt: Information auf Distanz

 

"Durch Computertechnologie verfremdete Gesichter, Augen, Schriftzeichen sind die Sujets von Frau Hermentins Arbeiten. ... Die gerasterten, verzerrten aufgelösten Gesichtszüge wirken wie verfremdete verlorene Bilder, wie Mitteilungen, die ihr Ziel nicht mehr erreichen können, wie Bruchstücke einer in Einzelteile zerfallenen, nicht mehr einfach erlebbaren Wirklichkeit. Das individuellste Merkmal der Persönlichkeit, das Gesicht, wird bei ihr zum Spielmaterial. Doch gerade in der Auflösung liegt die Schönheit dieser Bilder."
Florian Schwebel (Oberhessische Presse, Sparte Kultur, 30.11.1996)

 

Z/R-IV (1996) 430×85 cm
Projekt: Information auf Distanz

 

"Mit den "Digitalen Collagen" versucht die Künstlerin, sich philosophischen, wissenschaftlichen und künstlerischen Fragestellungen interdisziplinär zu nähern. Aus dem Bereich der Gentechnik verwendet Ingrid Hermentin beispielsweise Bilder von Sequenziergelen, um auf die Analogien zwischen Mensch und Computer hinzuweisen: Im Sequenziergel sind Geninformationen wie auf einer Computerplatine gespeichert. Zudem integriert sie eigene und von Vilém Flusser verfasste Texte in ihre Arbeiten. Durch die Überlagerung von Bild und Schrift möchte sie dem Betrachter vermitteln, dass gedankliches und bildliches Gestalten zwei sich bedingende und ergänzende Fähigkeiten sind."
"Distanz im globalen Dorf", PAGE (Hamburg),11/94

 

Ingrid Hermentin

1951     in Baden-Württemberg geboren; lebt seit 1981 in Marburg;
seit 1990 Schwerpunkt Computer-Grafik

E-Mail: Ingrid.Hermentin@t-online.de

Preise und Auszeichnungen

1992    Auszeichnung der Hamburgische Kulturstiftung (Prisma-Preis-Wettbewerb);
1996    Preis der 11. Deutschen Internationalen Grafik-Triennale, Frechen;
2000    Auszeichnung beim Gabriele Münter Preis-Wettbewerb, Frauenmuseum Bonn;
2001    digital new art award (1. Preis des internationalen Wettbewerbs „the human machine project“,
                DigitalART Gallery, Frankfurt.

Einzelausstellungen (Auswahl)

1993    Schloss Blutenburg, München;
1994    "Digitale Collagen", HP Böblingen;
1994    "Information auf Distanz", Forum Leverkusen;
1995    "Digitale Collagen", HP Barcelona;
1996    "Information auf Distanz", Marburger Kabinett, Marburg;
1997     "Information auf Distanz", InfraServ Gallery, Marburg;
1998    "Synthetische Bilder", Galerie Brahms, Marburg;
1998     "Synthetische Bilder - Information auf Distanz", Kunstforum Gummersbach;
2000     "Digitale Frauen [re-konvertiert]", Hanauer Kulturverein;
2002     "Transkriptionen", DigitalART Gallery, Frankfurt.

Gruppenausstellungen (Auswahl)

1992    "Kunst im Finanzamt“ (unter der Schirmherrschft der Hessischen Finanzministerin), Finanzamt Marburg;
1993    "Art & Fair", Mediale, Deichtorhallen Hamburg;
1993    Beteiligung beim Kulturaustausch Hamburg-Prag, Galerie ULUV, Prag;
1993    "Fünf aus Marburg" (Marielies Hess-Stiftung), Hessischer Rundfunk, Frankfurt;
1994    Beitrag zur ersten CD-ROM der "world media interactive";
1995    Kunstwettbewerb "Mainzer Kunstpreis Eisenturm", Kunstverein Eisenturm, Mainz;
1996    "Imaginäre Galerie - Zeitgenössische Künstlerinnen in Mittelhessen", ISBN 3-929425-15-7;
1996    11. Deutsche Internationale Grafik Triennale, Frechen / Köln;
1997    "Begegnungsraum Schloss – Zeitgenössische Künstlerinnen sehen alte Räume neu",
                Schloss Hallenburg, Schlitz (Hessen);
1998/99         Computerkunst / Computer Art '98, Gladbeck, Saaleck, Dresden, Ibbenbüren;
1998/99         "Griffelkunst" – Vierter Grafik-Preis der Griffelkunstmitglieder, Altonaer Museum, Hamburg;
1999    12. Deutsche Internationale Grafik Triennale, Frechen / Köln;
1999    Brita-Kunstpreis für Fotografie, Taunusstein (Hessen);
1999-2001 Große Kunstausstellung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf;
2000    Huntenkunst - Internationales Podium für zeitgenössische bildende Kunst, Doetinchem (NL);
2000    CynetArt, Kunsthaus Dresden;
2000    "Gabriele Münter Preis", Frauenmuseum Bonn;
2001    "Gabriele Münter Preis", Ausstellungshalle Leipzig;
2001    "Vier Frauen aus Deutschland", Städtische Galerie Fürstenwalde / Spree;
2001/02 "The human machine project", Dominikaner Kloster / DigitalART Gallery, Frankfurt.