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Beiträge zur geistigen Situation der Gegenwart Jg. 4
(2003), Heft 2
A „...ich meine, der Weg müßte über eine Grenzbestimmung gehen, eine Markierung des Überganges von Wirklichem zu Unwirklichem, zu bloßer Einbildung in etwa. Im Begreifen des Unterschieds sollte sich der Begriff klären.“
B - „ Woher aber nimmst du sie, die Wirklichkeit, woher willst du wissen, daß es sie gibt? Bisweilen ist mir, als wäre sie nicht, als wäre am Ende all das, was ich erlebe, dessen ich mich zu erinnern glaube, nicht eigentlich wirklich.“
A – „ Aber wie willst du denn die Wirklichkeit bezweifeln? Wo willst du den Hebel der Hinterfragung montieren? Unwirkliche Wirklichkeit! Da fällt doch alles in sich zusammen. Hieße das nicht am Ende einfach, die Bedeutung von Worten wie Wirklichkeit nicht zu verstehen?“
B – „ So beharrst du auf ihr. Was aber können wir ihrer gewiß sein?“
A – „ Das Erlebte, das Erinnerte, Besprochene und Beforschte – was sollte denn das alles sein, wenn nicht wirklich? Irgend etwas müßte es ja doch sein. Oder anders gefragt: wenn schon unwirklich, dann im Gegensatz zu was?“
B – „ Nun – vielleicht ja träumen wir. Wer weiß es schon. Vielleicht sind die Dinge in Wirklichkeit ganz anders, als wir sie sehen, und sie geben sich uns nicht.“
A – „ Gut, wenn es denn so wäre und wir träumten, was sollte dann das Wirkliche sein im Gegensatz zu dem, was wir hier erleben? Was macht es Sinn, von einer grundlegend anderen Realität her zu denken, über welche wir keinerlei Hinweise haben? Was behielte da der Zweifel an vernünftigem Grund?“
C – „ Er bemängelt, wenn ich recht verstehe, daß ein solcher Begriff einer Vergleichsbasis als Grundlage sinnvoller Aussage entbehrt, daß die Vorstellung anderer Möglichkeit fehlt, und damit die definitorische Grenze, die dem Begriff seinen bestimmten Inhalt zuweist. Da muß ich zustimmen. Wer einen Begriff so bildet, daß er keine bestimmte Grenze zieht, ist doch am Ende selbst schuld, wenn sein Begriff ohne Inhalt bleibt. Wenn es dann also keine Wirklichkeit mehr gibt, mag das an der unbrauchbaren Definition liegen. Weiter kann man wohl die Wirklichkeit der Wirklichkeit nicht beweisen, weil sie eben keine Grenze hat, jenseits derer wir uns denkend und sichernd positionieren könnten. Aber es ist nun einmal so, daß wir das Erlebte, Erinnerte, Erarbeitete, Erlittene, Geschehene gewohnt sind, wirklich zu nennen. Dies ist eine Sprachkonvention, ist Gebrauch eines Wortes in üblicher Bedeutung, und hat einen praktischen Sinn. Negation von Wirklichkeit scheint mir nichts anderes zu sein als eine Entwurzelung des Gedankens aus der Einheit über Jahrhunderte gewachsenen Sprachgebrauchs, aus dem Bezugsrahmen selbst, der den Worten Wirklichkeit, Bedeutung, will sagen Aussagekraft verleiht.“
D – „ Eure methodischen Einwände sind eingängig. Wohl sind Begriffe für Behauptungen unbrauchbar, wenn sie keiner Scheidungslinie entspringen, sozusagen keine Grenzführung bezeichnen. Auch ist der Gedanke einer Unwirklichhkeit der Wirklichkeit unpräzis, und mit der Gefärdung belastet, weniger in Erkenntnis zu führen, als in eine Bezugslosigkeit des Denkens. Dennoch scheint es mir gut, den Gedanken – einer Uneigentlichkeit der Wirklichkeit ernst zu nehmen, ihn noch einmal stark zu machen. Man könnte ihn etwas zuspitzen. Noch sehen wir nicht, in wieweit ihn die Einwände wirklich treffen.
Was die gehaltvollem Begriff notwendige Unterscheidung angeht, so ist ja bereits eine Analogie im Raume, nach welcher der Gedanke, oder die Ahnung einer Unwirklichkeit dessen, was wir gewöhnlich Wirklichkeit nennen, Sinn gewinnen könnte. Ich denke an den Unterschied von Traum und Wachheit. Das Bild des Nachttraums als verständnisführender Analogie wäre unbrauchbar, wenn wir den Unterschied zwischen Traum und Wachheit nur vom Tag her kennten, wenn also kein beidseitig durchschreitbares Tor zwischen den Seiten läge. Dann nämlich bräuchten wir tatsächlich ein wirkliches Wissen um eine eigentlichere Wirklichkeit, um das uns Gewohnte als unwirklich relativieren zu können, ein Wissen, welches fehlt. Nun aber scheint es durchaus so, daß wir nicht nur vom Tag zum Traum, sondern auch bisweilen aus dem Traum in den Tag reflektieren, des Traumes als Traumes gewahr werden wie in der Helle einer plötzlichen Gewißheit, daß hinter dem losen Wandel der Gestalten eine härtere, kontinuierlichere Schicht liegt.
Warum sollte es nicht analog zum Tag soetwas geben, wie eine eigentlichere Wirklichkeit? Dann wären Zweifel am Wirklichen Boten einer sich verdichtenden Ahnung, Vorboten eines Erwachens.
Bisweilen sehe ich in die Natur, sehe ich mir die Pflanzen an, in ihrem üppigen Grün, und sie scheinen mir fast schlafend, wie von der Ruhe friedvollen Traumes besehlt. Blicke ich in das Aug des Tieres, sehe ich den wachen Sinn, doch kennt es kein Wissen um sich selbst. Die lebendige Natur – ist es nicht, als harrte sie des Erwachens?
Man sagt, die verschiedenen Bewußtseinstufen hätten einander hervorgebracht, und vielleicht bedeutet eben der Sprung in eine höhere Bewußtseinsform soetwas wie ein Erwachen. Uns erstaunen jene Erscheinungen der Natur, in der sich bereits Konturen einer nächst höheren Stufe abzuzeichnen scheinen, wie bei einigen fleischfressenden Pflanzen oder bei Delphinen, bei denen sich bereits in Ansätzen eine Intelligenz andeuten mag, in denen eine Art an die Grenze eines ganz neuen Territoriums zu stoßen scheint.
Die konkreten Stufensprünge sind philosophisch uninteressant, sie könnten sich evolutionär beliebig fortsetzen, und führten am Ende nur von einer uneigentlichen Wirklichkeit in die nächste – interessant und bedeutsam ist das Grundsätzliche des Erwachens, weiter, daß Ahnungen auf einen Ausgang hinweisen könnten. Die Kulturgeschichte kennt einige konkrete Sprünge und Verschiebungen von Bewußtseinsform, in welchen sich eben auch dieses Erwachen verdichtete, und gerade heilige Texte, besonders prophetische Schriften oder auch mystische mögen Kristallbildung solcher Konkretion sein, wo sich eine Ahnung oder so etwas wie ein Wissen verdichtet, ein Wissen vielleicht gar nicht so sehr um das konkret Kommende, sondern mehr noch um ein grundsätzliches Erwachen, eine grundlegendere Schicht der Wirklichkeit. Denn in Zeiten des beschleunigten Oberflächenwandels dringt Tieferes hoch. In diesen Sinne ist es vielleicht gar nicht so unangemessen, anzunehmen, daß wir träumten."
A – „Du machst eine Verhältnisrelation stark, nach welcher sich unsere Tagwirklichkeit so zu einer grundlegenderen Wirklichkeit verhielte, wie das Taumerleben zum Tag, führst einige Argumente und Anschauungen an, zu bezeugen, daß eine solche Analogie Sinn haben könnte. Eines möchte ich dabei einwenden, was mir erheblich der Dichte dieser Analogie im Wege zu stehen scheint: Der Traum nimmt wesentlich sein Bewußtsein, die Konkretheit der Erscheinungen aus dem Tag, dessen wirres Bild er ist. Er verhält sich gleichsam wie ein Versuch der Nachahmung zur Tagwirklichkeit, der er seine Materie entlehnt. Entsprechendes ließe sich wohl von unserem Tagleben schwer behaupten.“
D – „Warum sollte es sich da nicht ebenso verhalten? Vielleicht eben kennt ein tieferer Ort unseres Herzens bereits das Licht des Tags, und wir vergessen es nur untreuen Sinnes in der Nacht unseres Tuns, unserer Entwürfe von Biographien. Vielleicht ist am Ende unser geführtes Leben eben das Traumbild einer tieferen Wirklichkeit.“
A – „Aber was sollte das heißen? Du verwirrst mich.“
D – „Man sollte sich die Relaten unserer Analogie nicht als in einer Gerade liegend vorstellen, nicht als drei Stufen in einer Richtung, das wäre irreführend, sondern vielmehr orthogonal zueinander. Glaubst du an die Wahrheit des Traumes?“
A – „Nun, ich kann mir schon soetwas vorstellen. Es kann sinnvoll sein, auf die Träume zu achten.“
D – „Der Traum ist außerhalb des Tags. Sollte ihm eine Wahrheit zukommen, müßte sie anders sein als bloße sachliche Präsenz, die dem Tag eignet. Im Traum verliert sich die Distanz des Erlebens, verlieren sich die äußeren Kontinuitäten in ungreifbare Mannigfaltigkeit, Zusammenhanglosigkeit der Ereignisse, die nun frei sind, unseren inneren Impulsen zu folgen. Im Traume sind wir wie von der Welt abgetrennt, reagieren auf einen Raum innerer Vorgänge. Es scheint die kontinuierliche Einheit äußerer, materieller Wirklichkeit unterbrochen, da fließen die Dinge und Geschehnisse frei, ohne die Dichte der Kausalitäten. So ist der Traum von reiner Lebendigkeit, und vermag eben darum zu bedeuten, will sagen, Sein in Sollen zu verwandeln, vermag daher widerstandslos aus lebendiger Einheit schöpferisch zu gestalten, und vielleicht nur er. Die Wahrheit des Traumes ist, so will ich sagen – eine schöpferische, wie die Nachahmung, träges Baumaterial wachsender Wege, zur Unwahrheit des Traumes wird, wo dieser die Wiederholung will und nicht die Schöpfung und so in sich bleibt, unfruchtbar und ohne Wirklichkeit.
Weiter ist der Traum keineswegs in die Nacht gebunden, sondern zieht sich gleichsam als Spiegelspur unseres Deutens in den Tag hinein, schmale Spur freier Formen und Gestalten, die gleich Eisenstaub unter nahendem Magneten sich nach den Bewegungen unseres Erfahrens zusammenordnen, Bilder einer ungewissen Zukunft entwerfen, durch die erst die Gegenwart dicht und fest wird.
Ist es nicht am Ende das Nächtliche, die Abwesenheit der Welt, die der Wirklichkeit ihre Fülle gibt, den Dingen und Ereignissen ihre Dichte, ihren Sinn? Scheint nicht die Klarheit des Tags von Traum durchwirkt? Dann wäre die Wahrheit, die dem Tag eignet, aus der des Traumes zu verstehen, wäre beider Wahrheit eins, und eine tiefere, grundlegendere Schicht der Wirklichkeit im einen wie im anderen, in einem durch das andere zu suchen.“
C – „Du hast einiges ausgeführt, was die Denkmöglichkeit einer eigentlicheren Wirklichkeit stark macht, mit Inhalt füllt, hast Bezüge nahegelegt, worüber sich deren Art näher bestimmen ließe, wodurch sie deutlich an Kontur gewann. Du hast evolutionäre Zusammenhänge angedeutet, die eine solche Spekulation sinnvoll erscheinen lassen, auf kulturhistorische Orte hingewiesen, die solches beschäftigte, weiter nahegelegt, eine eigentlichere Wirklichkeit in Verschränkung von Traum- und Tagwirklichkeit zu suchen. Einiges in deinen Ausführungen ging mir etwas schnell, so daß manche Details dunkel blieben, worauf gründlicher einzugehen sein wird. Weiter blieb mir grundsätzlich unklar, inwieweit eben dieses bloß anspekulierte Eigentliche eben Wirklichkeit heißen sollte, wo wir doch eine solche bereits kennen. Der Einwand der Inadäquatheit des Wirklichkeitsbegriffes an dieser Stelle ist ja noch nicht beseitigt. Und wie soll sie eben philosophisch anzugehen sein, wo wir eben noch nicht in sie gelangten?“
D – „Wenn es stimmt, daß in der Wurzel Tag und Nacht ineinanderliegen, so mag es genügen, dasjenige zu nehmen, was wir ohnenhin über unsere Wirklichkeit wissen und wissen können, dieses zu sammeln und wirklich gründlich und konsequent zu denken, es elementarer zu denken. Da müßte dann auch das Wesentliche des Traumes enthalten sein. Wenn der Weg gelänge, die gewählte Spur recht behielte, ergäbe sich aus der grundlegenderen Einsicht des ohnehin schon Vertrauten eine reinere Struktur, ein Bild, welches die Relativierung der gewöhnlichen Erfahrung ins Halbwirkliche, so will ich es nennen, rechtfertigt.“
A – „Was aber bedeutet bei alledem ‚wirklich‘? Womit willst du anfangen?“
D – „Nun, in welcher Weise können wir auf die Wirklichkeit zugreifen, was meinen wir mit ihr? Zunächst pflegen wir den Begriff nach dem Unterschied zwischen Vorstellung und Wirklichkeit, wobei das eine das andere verfehlen kann. Die Vorstellung von etwas Wirklichem deckt sich ja nicht notwendig mit dem Gemeinten, noch mit der Einheit der Impulse, die von diesem ausging, sondern ist gleichsam dessen Bild.“
B – „Wie aber vergewisserst du dich, ob dein Bild auch der Wirklichkeit entspricht?“
D – „Dies eben ist unsere Frage. Wir haben eine Unterscheidung in den Raum geführt, und sehen noch nicht, was sie taugt, sehen noch nicht mit Klarheit die Grenze, die sie zieht. Siehst du den Baum dort?“
B – „Ja.“
D – „Versuche einmal, zu bezweifeln, daß es ihn gibt. Vermagst du es?“
B – „Nun, vielleicht ist es kein Baum.“
D – „Gut. Besieh einmal den Stamm, wie er gegen das Licht steht. Führe dein Auge über die Grenze, wo das Dunkel des Stammes an die Helle des Himmels randet. Kannst du diesen hell- dunkel- Unterschied bezweifeln?“
B – „Ich weiß nicht. Was ist dunkel? Was ist hell? Kann man sich der Bedeutung von Worten sicher sein?“
D – „So lasse die Worte und hefte dein Auge auf den Unterschied. Daß da eine sichtliche, widerständige Kontur ist, ganz gleich wie man sie nennen oder deuten oder wo im Raume verorten mag, wird schlecht zu bezweifeln sein.“
B – „Hier also soll ich mich festhalten.“
D – „Mal sehen, wohin das führt. Schlage einmal dort mit der Hand gegen das Geländer. Möchtest du seine Hartheit bezweifeln? Nun führe die Hand über die Weiche des Jackenfutters, und schlage wieder gegen die Geländerstange. Dies der Unterschied. Willst du ihn bezweifeln? Ihr lacht, und habt recht. Ich aber halte daran fest, an dem einzelnen Unterschied. Besinne dich noch einmal, die Hand am Geländer. Kannst du das Weiche des Futters bezweifeln?“
B – „Jetzt kann ich mir vorstellen, die Jacke hätte die harte, spröde Konsistenz von verrostetem Eisen.“
A – „Aber du wirst dieser Vorstellung keinen Glauben schenken, denn du hast eben gefühlt, daß das Jackenfutter weich ist, und weißt es eigentlich.“
B – „Du sagst, ich wisse es, meinst wohl ich erinnere mich daran. Wie aber könnte ich eine Erinnerung sicher von irgendeiner sonstigen Vorstellung unterscheiden? Daß das Jackenfutter hart sei, kann ich mir vorstellen in diesem Moment, nicht aber, daß dort der hell- dunkel- Unterschied nicht bestünde, wo ich draufschaue.“
A – „Prinzipiell vielleicht kannst du dir vorstellen, daß, wenn du nach deiner Jacke griffest, etwas Hartes zu spüren bekämest, prinzipiell ja, in dem Sinne, daß die Vorstellung möglich wäre, und nicht einfach ihren Inhalt verlöre, wie es geschähe, wenn du einen unmittelbar sinnlich präsenten Unterschied bezweifeltest. Doch nehme ich dir es nicht ab, daß du einer solchen Vorstellung glauben wolltest, ich nehme vielmehr an, daß du ganz natürlich und ohne überhaupt daran zu denken deinem Wissen und Gedächtnis vertrauen würdest, nicht weniger als einer unmittelbaren sinnlichen Gewißheit. Auch ist das Wissen mehr als eine bloße, lose Erinnerung. Es mag Grund, Fundament aller verlässlichen Erinnerung sein, diese zugleich ein Vorrauslaufendes, Wegbereiterin des Wissens.“
B – „Wann aber wäre dann ein Wissen ein Wissen?“
D – „ Die begonnene Spur wieder aufzunehmen sag, kannst du dir auch vorstellen, alle Gegenstände wären gleich hart?“
B – „ Ich nehme es an.“
A – „Aber im Gegensatz zu was?“
B – „Vielleicht zum weichen Hauch des Windes.“
D – „Könntest du dir auch vorstellen, alles mit der Haut Fühlbare hätte eben für deine Hand die Konsistenz - sagen wir – dieser Tischplatte?“
B – „Nein. Dann könnte die einheitliche Konsistenz auch ganz anderer Natur sein, wäre nicht mehr bestimmt. Ich meine – wäre alles dasselbe, so wäre es nichts.“
D – „Dieses aber weißt du, nehme ich an, und du weißt, daß du es weißt. Anderes weißt du, und weißt nicht so sicher, daß du es weißt. Das Wissen ist seiner selbst mehr oder weniger sicher.“
B – „ Was aber genau meint Wissen?“
C – „Ich denke, Wissen mag so viel heißen wie eine der Wirklichkeit entsprechende Festvorstellung. Unterschiede, widerständige Konturen wie die soeben anvisierten sind dabei als Elemente des Wirklichen gegeben. Gerade das Vergewisserbare, der Unterschied, der in einem Moment zusammengebracht werden kann, wie auch der sukzessive, in Wiederholung prinzipiell zu sichernde Unterschied bedeutet der Tagwirklichkeit elementarer Grund, und die gezielte Anpassung unserer Vorstellungen geschieht eben oft über solche Reduktion des Augenmerkes auf einen vereinzelten Unterschied. Hier also ein Weg zwischen Vorstellung und Wirklichem.
Wirklich ist, was ist, und gewiß ist, dessen Wirklichkeit unumstößlich ist, wo sozusagen dem Zweifel kein Raum mehr bleibt. Jemand z.B., der nach der Arbeit heimkommt, mag, solange der Briefkasten noch ungeöffnet ist, der Hoffnung sein, daß er mit dem Öffnen einen Brief eines Freundes entdecken wird. Liegt der Kasten hingegen offen, mit ihm die Werbeblätter, und das Fehlen des gewünschten Briefes, so bleibt – ich will es ganz exakt ausdrücken – bleibt von der Sache her kein Raum mehr, auf einen Brief zu hoffen, der sich beim Öffnen des Briefkastens zeigen würde. In diesem Sinne also das gewiß Wirkliche, und alles Wirkliche, enthält, wie wir es begreifen, die prinzipielle Möglichkeit des Gewißseins.“
D – „Damit wäre die Gewißheit wie die Wirklichkeit an der Sache aufgehängt. Ich frage mich, was nun wirklicher, oder in der Wirklichkeit unmittelbarer sei: die Sache, oder die Bedeutung.“
C - „Du sprichst von Bedeutungen anders, als ich es tue.“
D - „Bedeutungen können sich nicht anders als im Horizont der Erwartung mitteilen, im Dunkel dessen, wo kein Wissen ist. Die Bedeutung ist kein Ding, nicht die widerständige Kontur eines Gegenstands. Aber aus ihr ergreifen wir die Dinge geordnet. Die Bedeutung, wie ich sie verstehe ist das geistige Rückgrat der Wirklichkeit. Nur ein einseitig gefaßter Begriff von Wirklichkeit, der am Tageslicht hängt, ohne Nacht wird die Wirklichkeit über das Gewisse zusammenbinden wollen, und muß so zwangläufig immer wieder vom Schlaf unterbrochen, in eine Vielheit der Wirklichkeiten zerteilt werden. Verstehst Du?
Wir können keinen Wert sehen. Dennoch ist er real. Als ordnende Kraft. Die Wahrheit des Wertes, so möchste ich sagen, hat etwas zu tun mit der Dichte und Kontinuität der Ordnung, die aus ihm kommt. Aber wer könnte darüber wissen? Und wer könnte wissen, daß konkrete Werte, denen man Jahrhunderte vertraute dem geistigen Erdbeben widerstehen könnten, welches vielleicht morgen eintreten wird? Was aber wäre ein Ding ohne das Ungewisse? Bloßer Schnitt. Kontur. Namenloser Widerstand, nicht einmal ein Ding.“
- „Dem Wort nach hängt Wirklichkeit mit Wirkung, Wirksamkeit zusammen, ich meine den Grund, das entscheidende Kriterium für Wirklichkeit im Kausalen ausmachen zu können. Dies widerspricht nicht dem, was soeben ausgeführt wurde, löst zugleich nicht die Sache aus der Bedeutung. Dasjenige, was widerständige Kontur genannt wurde, ist in allem, wie auch in der alltäglichen Erfahrung auf mehr oder weniger relevante wenn- dann- Beziehungen zurückzubringen. Wenn z.B. jemand nicht der Nachgiebigkeit des Wassers achtet, versucht, darauf zu gehen, so wird er wohl versinken. Wenn jemand das Gesetz bricht, begibt er sich in die Gefahr, entsprechend sanktioniert zu werden. Wenn du einen Stein in die Luft hältst und ihn los läßt, so fällt er nieder. Wenn du eine widersprüchliche Form von logischer Unmöglichkeit bildest, kannst du sie nicht in die Einheit einer Vorstellung bringen. Materialbeschaffenheit, Recht, Naturgesetz, Logik und anderes bilden mehr oder weniger zu berücksichtigende Unterschiede. Die Dinge sind untereinander in Abhängigkeitsverhältnissen verknüpft, wie wir wesentlich in Abhängigkeitsverhältnissen zu ihnen stehen, über solche unsere Vorstellungen korrigieren, anpassen, in wenn- dann- Beziehungen, an die wir uns zu halten haben wenn das Leben, wenn die Orientierung gelingen soll.“
- „Du gibst der Kausalität die Mitte, und ziehst damit einen Spalt in das Bild, hättest ja das Leben und die Wirklichkeit voneinander getrennt: auf der einen Seite eben das Leben, welches gelingen soll, ich will sagen den Geist, das im Wollen, im wertgerichteten Bewegtsein gebündelte Lebendige, auf der anderen Seite die Welt der Bedingtheiten, Ordnung von Abhängigkeiten, denen sich dieses unterordnen müsse, zu konkreten Zielen zu gelangen. Der Begriff der Kausalität steht zwischen Dingen, zwischen Dingzuständen, meint die Wirkung des einen auf das andere, Gesetz, nach welchem sich Dinge zu bewegen hätten. Soll es dabei bleiben, so scheint mir dies eine denkerische Sackgasse. Kämen wir selbst denn in solcher Wirklichkeit vor? Könnten wir sie überhaupt denken, erkennen? Wenn schon über Wirksamkeit, so möchte ich die Wirklichkeit vielmehr als Wirksamkeit Gottes begreifen. Die mannigfache Kausalität, in welcher du durchaus das Wesen, das Gründende und Entscheidende sehen willst, scheint hingegen bloß indirekt. Oder sprich – hast du einmal eine Kausalität gesehen?“
- „Ebensowenig, wie du Gott gesehen hast. Wirksamkeit Gottes - das scheint mir eben nicht so sehr d i e Wirklichkeit, als vielmehr eine von vielen zu bezeichnen, eine Wirklichkeit mit Gott als Grund.“
– „ So willst du also verschiedene Wirklichkeiten glauben. Wie aber stellst du dir das vor?“
– „ Wir müssen, wie auch dein voriger Gedankengang es tut, das Wirkliche von seiner Offenbarheit her angehen – ausschließende Einheit von Gegebenheit und Vorstellung. Wollen wir uns über das Wirkliche verständigen, müssen wir uns an die Vorstellung halten, denn, was sich gibt, gibt sich der Vorstellung, und nur innerhalb dieser können wir über präzise Führung der Aufmerksamkeit zwischen Irrtum und Wahrheit unterscheiden. In ihr treffen Bewußtsein und Gegenstand, Präsenz und Wirksamkeit aufeinander. Das Bewußtsein aber ist nicht statisch wie ein bedrucktes Blatt, sondern bewegt, kreist in einer Ordnung von Gewohnheiten. Die intensive Kontinuität, welche von einem ins andere führt, Kraft der Einheit, die das Ganze der Wiklichkeit in sich hält, einen Moment mit dem nächsten verbindet, ist in rhythmischer Bewegung, und darin in jeweilige Lebensform zurückgebunden. Wenn auch die Tatsachen, die objektiven Gegebenheiten selbst nicht unbedingt mit den verschiedenen Lebensformen auseinanderfallen, so doch deren Präsenz, Wichtigkeit, wesentlicher Aspekt, wirksamer Zusammenhang, der Ort im Ganzen. Freunde erzählten mir z.B. von einem Verwandten, der begonnen hatte, Jura zu studieren, und dem sich damit nach und nach die Sprache, seine gesamte Auffassung, seine Mimik und Gebärde selbst änderte, daß er fremd und unverständlich seinen Angehörigen wurde, daß die Assotiationsfelder aneinander vorbeifielen, ohne einander zu treffen wie auch das bestimmende Maß nicht mehr begegnete.“
– „ Hier hätte jemand andere Gewohnheiten ausgebildet, die ihn von seiner Herkunft entfremdeten. Aber was ändert damit das Wirkliche?“
– „Ich meine eben, daß Wirklichkeit nicht in den Tatsachen, nicht in den Unterschieden aufgeht, daß diese ohne das Ganze, worin sie zusammengehen unvollständig, letzlich unwirklich blieben. Dieses Ganze aber gewinnt seinen intensiven Grund, welcher gleichsam das Extensive ausleuchtet, aus lebendiger Einheit, welche sich in verschiedenen Lebensformen ganz anders konkretisiert. So erhält und stabilisiert sich die innere Form und Struktur der Wirklichkeit in Ordnungen gepflegter Gewohnheiten, die ihrerseits aus wirksamen Werthierarchien mit jeweiligen Zentralwerten bewegt sind und zerfallen, wo die Kraft versiegt, die Bedeutungen verlöschen. Wirklichkeit ist nicht ohne das Licht des Lebens. Es gibt keine Widerständigkeit ohne Positivität, der sie sich aufdrückt, entgegenstellt. Diese Positivität ist in jeglicher Wertgerichtetheit konkret, und Bedeutung gewinnt ihre Realität als bindende und scheidende Kraft aus Wert, aus dem Schnitt von Präsenz und Absenz von Wert. In der Mitte der Wirklichkeit steht die Feier und Unbedingtheit von Zentralwerten, Gott, die Liebe, oder was auch immer. Ich will nicht sagen, daß Wirklichkeit mit Lebensform identisch sei, sie ist aber in diese zurückgebunden, erhält ihre Gestalt aus ihr, so daß sie z.B. dort brüchig wird, wo unvereinbare Werte bestehen, sich widersprüchliche Bedeutungen in das Zwielicht des Scheins zurücknehmen. Wohl können verschiedene Lebensformen in einer Wirklichkeit sein, sofern sie Zentralrelevanzen teilen, Kernbedeutsamkeiten, aus denen der Inhalt, die Fülle des Lebens kommt. Bei Widerspruch gegen den Kern besteht die Gefahr des Verlustes des Inhaltes, der Fülle, der intensiven Kontinuität, und mit ihr der Verlust der Wirklichkeit. Die äußere Sanktion ist dabei nur eine notdürftige materielle Ausbildung dessen, was sich in der Tiefe ohnehin vollzieht. Es ist eine der größten Nöte und Schwierigkeiten der Völker und Kulturen, die mannigfaltigen, ins Widersprüchliche auswachsenden Oberflächen mit den Tiefen zu vermitteln, durch zahllose Schichten der Verunklarung hindurch an die Mitte zurückzubinden, die Begriffe, Festformen, vielen Ausgestaltungen den Tiefenbedeutungen gemäß zu führen. Zur Erhaltung der Wirklichkeit bedarf es eines Mindestmaßes an Deckung von innen und außen, von Kraft und Form, einer äußerst sensiblen und gefährdeten Einheit, welche in zahlreichen Opfern immer wieder von neuem gewonnen werden muß.
Man begreift nicht das grundlegende Geschehen in der Welt, begreift nicht die Konflikte in Israel und Nordirland, wenn man nicht sieht, daß es nicht nur Menschen mit ihren Interessen, sondern ganze Wirklichkeiten sind, die sich hier bekriegen, daß ein unendlicher Abgrund, eine Entwurzelung des Seins, endgültiges Aus sie von der Versöhnung trennt. Ich meine, dort, wo zwischen Lebensarten die Zentralwerte, mit ihnen die Kernbedeutsamkeiten sich aus ihrer Geschichte, von ihrer Wurzel her nicht anerkennen bzw. tolerieren können, ohne daran selbst zu zerfallen, dort besteht nicht nur ein Unterschied zwischen den Lebensformen, sondern ein Spalt zwischen Wirklichkeiten, eine Unmöglichkeit der Verständigung. Die Wirklichkeit ist ganz, ausschließlich, kann kein Unwirkliches dulden. Daher der heilige Krieg.“
- „Wirklichkeit begreifst du als ausschließlich. Hättest du damit nicht schon andere Wirklichkeiten getilgt, indem du begannst, über solche zu sprechen? Müssen sie nicht zergehen, sich zu bloßen Vorstellungen entlarven, indem deine Wirklichkeit sie integriert? Hast du ihnen damit nicht schon den Ernst, die Wahrheit genommen, wie dem Auge eines Narren?“
- „Wirklichkeit ist, so meine ich, das Innere von Kultur, die Welt der Abstand, Hohlraum des Lebens, über den gemäß geltender Regeln Handel betrieben werden kann, eine Frage bearbeitet und Ähnliches. Ich kann die fremde Wirklichkeit nicht sehen, kann ihr nicht begegnen, sondern allenfalls beobachten, was geschieht, und Vermutungen über wirksame Wertzentren und die Bedeutungen sichtlicher Riten und Gewohnheiten anstellen. Und ich nehme es an, daß meine Wirklichkeit eine bestimmte Nähe zum Fremden nicht mehr vertragen wird, daß es angebracht ist, vorsichtig und behutsam zu begegnen, sich gegebenenfalls zu schützen, vor dem Verlust der droht, dem vakuumartigen Virus im Geistesrückgrat – die eigene Realität verträgt das Fremde nicht, sie zerlöst sich einfach, hinterläßt nichts als elende Hilflosigkeit, ein gesprungenes Bild, Diskontinuität, unlesbare Züge, zerrissene Bedeutungen, fern aller Lebbarkeit. Unser Sein verträgt das Fremde nicht, verliert sich darin, nur unsere ohnehin losen Phantasien und Gedankenspuren mögen dann und wann Bilder des Fremden entwerfen. Sehen geschweige denn verstehen können wir es nicht.“
- „Du also sagst, wir verstünden fremde Lebensart nicht, wo die Kernwerte uns unvereinbare seien, sagst, wir verstünden den anderen nicht, weil er anders sei. Mir hingegen scheint vielmehr, wir verstehen den anderen nicht, weil wir uns selbst nicht verstehen. Wir verstehen uns ja nicht, sondern haben uns nur daran gewöhnt.“
-„ Du willst mir widersprechen. Drücke dich also klar aus.“
-„ Für die Wirklichkeit postulierst du Ganzheit und Ausschließlichkeit, sprichst aber von verschiedenen Wirklichkeiten, wobei ich annehme, daß du die deine gleich den fremden relativierst. Dem Begriff nach ist dies undenkbar, eine logische Unmöglichkeit, d.h. nicht in einer Vorstellung zusammenzubringen. Ein Gedanke, der seine eigene Vorraussetzung negiert, ist paradox, verunmöglicht den distanzierten Nachvollzug, und verweist auf eine lebendige Kontinuität jenseits vernünftigen Abstands, ist daher nur dort von Sinn, wo das Lebendige sich ganz in sich selbst zurücknimmt, selbst ganz und genug ist. Das Unvorstellbare kann nur dort Realität haben, wo es mit der Freiheit des Herzens ganz und gar bejaht wird, ein ganz bedingungsloses Vertrauen in das Lebendige selbst daran haftet, unbedingte Bejahung von der Not des geschlossenen Bildes befreit. Was dein Herz ganz und gar annimmt, ist bereits in Liebe geeint, muß nicht erst in einer Vorstellung zusammengehen, um zu sein. Ich weiß nicht, ob man durch das widerspruchsintensive Bild, welches du zeichnest, wirklich bejahen kann. –
- Nein, nicht die Liebe, nicht Vertrauen, sondern Faszination und Furcht haben dich dieses Bild gelehrt. Die Wirklichkeit muß man nicht schützen, kann man nicht schützen, das ist absurd. Nur Bilder kann man schützen. Ich möchte dir sagen, wie ich es halte. Die Beobachtungen, aus denen du sprichst, zeichnen deutliche Konturen von Wirklichem, aber die Vorraussetzung, aus der du das Gesehene beschreibst, bleibt eine Unmöglichkeit, die sich in den einzelnen Anschaungen fortzeugt. Wohl ist der konkrete Geist nackt und schutzlos in der Welt, sucht Schutz, Haftung in der Materie, sucht ein Gewand, sucht Bilder, Gehäuse des Lebendigen, die dem Dasein feste Form ermöglichen. Sie selbst gehören der kausalen Welt an, gehorchen dem Gesetz der Schwerkraft, der Enthropie, sind von gleichsam spröder Materialität, die unter heftigeren Bewegungen zerspringt. Diese Festformen trennen und verbinden in einem mit Wirklichkeit. Es wäre verkehrt, eben diese Formungen und Schutzschilde für die Wirklichkeit selbst zu nehmen. Sie sind Teil der Wirklichkeit, und können, müssen sogar beizeiten verlassen werden. Ich denke mir, daß eine ganz reine, klare, vollkommen bejahende Seele ganz ohne Schutz, ohne stehendes Bild zu existieren vermöchte, und eben gerade darin, auf diese Weise direkt in der Wirklichkeit wäre.
Das Wirkliche kann man nur bejahend erkennen. Dasjenige, womit man nicht umzugehen versteht, kann man auch nicht eigentlich sehen, als das nehmen, was es ist. In Kausalitität und Schwerkraft sehe ich gleichsam das Material unserer Bleibe, äußerer Konstanz statischer Horizonte, dank welcher wir es uns einzurichten vermögen, mit Familien leben, arbeiten, Wissenschaft treiben. Sie sind Grund der Verlässlichkeit der Materie, der Wiederholung und Wiederholbarkeit, dank welcher sich das Leben in Festordnungen legen kann. Die Kausalitäten aber verstehen nichts, sie sind einfach. Wie die Gewohnheiten. Wo man Wirklichkeit in sie eingeschlossen glaubt, muß der Blick zwangsläufig zerspringen, der Widerspruch ins Leben vordringen und dieses verunklaren und mit Leiden beschweren. Man sieht, versteht nur, wo der Blick offen bleibt, die Gewohnheiten sind blind, wiederholen nur. Sie können im Einklang sein oder einander stören, begegnen können sie nicht, ebensowenig wie erfahren, denn das Gegenwärtige ist ein Einmaliges, und nur in der Gegenwart kann gesehen, kann verstanden, begegnet, erfahren werden.“
( - „Wahrheit ist das Wesen der Dinge. Liegt in der Tiefe
der Bedeutungsgründe.
Ein und dieselbe Wahrheit.
Wo Subjekt und Objekt identisch sind. Noch beisammen. Oder
besser: in der Wurzel des Subjekt- Objekt- Unterschieds.
Die Materie gewinnt ihr Leben in der pulsierenden Einheit
des Ganzen.
Wirklichkeit.
In der aktiven Kraft der Bedeutung konzentriert, von deren
Ursprünglichkeit sich das Leben der Sache bestimmt.
Bedeutung ist aktiv, als bindende und scheidende Kraft.
Negiert ihren festen Ort.
Wandert. Fließt. Stößt sich fort.
In ihrem kontinuierlichen Grund also bereitet sich der Subjekt-Objekt-Unterschied; löst er sich auf.
Nicht aber gleichermaßen derjenige zwischen Subjekt und
Subjekt. Dieser ist grundsätzlich anderer Natur, indem
jedes Subjekt den Keim einer neuen Wirklichkeit enthält.
Keim, der sich einträgt in den Strom des Ganzen.
Es ist etwas Grundverschiedenes in der Grenze zwischen
Subjekt und Objekt gegennüber derjenigen von Subjekt und
Subjekt. Hier liegt die Bedeutung doppelt. Verschränkt.
Beidseitig durchgängig oder blockiert. Scheint damit die
Einung von Subjekt und Objekt zu stören, zu unterbrechen,
die Bedeutung zu verbauen, zu nivellieren.
Ist der Andere nicht die Widerlegung der All-Einheit, des in sich beruhigten, pulsierenden Ganzen einer Wirklichkeit? Wenn aber die Bedeutung das Objekt aus dem Subjekt schält, jenes gleichsam abwirft aus der Dichte des Stroms, muß dann nicht auch die Differenz zwischen den Subjekten zerfallen, oder einfach das andere Subjekt zur Sache abstellen?
In dem Ding begegnet mir das Wesen, begegnet die pulsierende Einheit, aber in dem Anderen, wem begegne ich da? Was steht da anstelle der Bedeutung, des Alls und des Nichts?
Es ist, als wäre nun im Anderen der tätige Grund der Bedeutungsbildung wirksam, als müßte ich mich mit ihm verbinden, um weiter Bedeutungen lesen zu können.“ )