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Beiträge zur geistigen Situation der Gegenwart Jg. 4
(2003), Heft 4
“Viele Entwicklungshilfe-Projekte in Nepal sind kläglich gescheitert, weil die Geldgeber sich nach der feierlichen Einweihung stolz und zufrieden zurückgezogen haben“, sagte unser Freund Tilak Lama aus Bolde bei der Einweihungsfeier unserer Krankenstation. Er muss es wissen, er hatte sich lange und intensiv mit solchen Projekten beschäftigt, und wir, die “Bolde-Freunde“ – eine neunköpfige Freundesgruppe aus der Umgebung von München- ,waren uns dieser unserer Verantwortung sehr wohl bewusst. Wir hatten deswegen unsere Stiftung NAMASTE zur Unterstützung der medizinischen Versorgung in Nepal gegründet und damit den Betrieb und den Unterhalt unserer Krankenstation über mehrere Jahre abgesichert.

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Jetzt im März 2003 wollten wir unsere Krankenstation wieder besuchen. Der Jeep hatte uns auf ziemlich abenteuerlichen Wegen bis Narayanthan gebracht, und von dort dauerte der Abstieg auf einem recht steilen Fusspfad nur noch knappe zwei Stunden. (Es war Trockenzeit, in der Regenzeit muss man acht Stunden von der letzten Bushaltestelle bis zur Krankenstation laufen). Wir waren hundemüde von dem ungewohnten Fussmarsch, aber bei der Ankunft war alles vergessen. Die Mannschaft der Krankenstation Chandra, Pramita und Arjun begrüsste uns freudig, viele Dorfbewohner, unzählige Kinder waren gekommen, der Hausmeister/Koch Khancha kochte für uns bereits das Nepal-Nationalgericht Dhal-Baht und wir bekamen wie in Nepal üblich Blumenkränze umgehängt. Der Empfang war so herzlich, wir fühlten uns gleich “wieder daheim“. Der Stationsbetrieb lief ruhig und ohne Hektik. “Das Wichtigste ist“, sagte Tilak, “dass die Leute jetzt rund um die Uhr eine medizinische Grundversorgung haben“.

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Ganz anders war’s dann am nächsten Morgen. Unser Freund Dr. Ram Shrestha, der Leiter des Mutterkrankenhauses in Dhulikhel, kam mit sechs Mitarbeitern (darunter der für Bolde zuständige Arzt Dr. Dhoju) zur alle 14 Tage stattfindenden Arzt-Visite. Den Ärzte-Tag hatte man wie üblich durch die “Stations-Festbeleuchtung“ die ganze Nacht hindurch angekündigt. Die Leute kamen von weit her, auch von drüberhalb des Sunkosi-Flusses. (Durch unsere neue Drahtseilbrücke sparen sie sich jetzt mehr als zwei Stunden anstrengenden Fussmarschs.) Weit über 100 Patienten wurden behandelt, ein Dutzend kleiner Operationen wurden durchgeführt, darunter eine Leistenoperation und eine Sterilisation.

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Am Nachmittag nach der Visite sassen wir dann alle in fröhlicher Runde nochmals zusammen. “Im Herbst 98“, erzählte Dr. Ram, “hatte ich auf euren und Tilak’s Wunsch hin zwei Ärzte zur Erkundung nach Bolde geschickt und die kamen zurück mit der Warnung: ’Bolde, oje, nie und nimmer, eine gottverlassene Gegend am Ende der Welt.’. Und dann bin ich selbst hergekommen und hab mich überzeugen lassen, dass hier medizinische Hilfe dringend nötig ist für die über 10.000 Menschen. Und jetzt, nach viereinhalb Jahren: Ein kleines Krankenhaus mit Solaranlage, Apotheke, Behandlungszimmer, drei Krankenzimmern, Küchenhäuschen, Toiletten, die Funkanlage nach Dhulikhel wird in den nächsten Tagen fertiggestellt. Verrückt, was?!“. Und dann weiter: “Sobald wie möglich werden wir die Ärzte-Tage wöchentlich durchführen, und auf lange Sicht muss nach Bolde ständig ein Arzt her. Aber jetzt müssen wir erst die Reihenuntersuchungen in den Schulen durchführen bezüglich Wurmbefall und Entlausung, dann Kurse für gesunde Ernährung, dann Hygiene-Kurse. Hygiene, das ist ganz ganz wichtig! Wir haben noch viel zu tun!“

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Dass so etwas wie ein Hygiene-Kurs in Bolde gar nicht so einfach durchzuführen ist, davon hatten wir uns kurz vorher überzeugen können. Wir waren dabei, als in einer der Schulen ein Wassertank eingeweiht wurde. (Übrigens gespendet von einer Schulklasse aus Weilheim/Oberbayern).Bis jetzt hatte ja keine der vier Schulen in Bolde fliessend Wasser, und das ist natürlich Grundvoraussetzung für einen praxisnahen Hygiene-Unterricht. Der Wassertank wurde von den Kindern mit Begeisterung angenommen, endlich frisches Trinkwasser! Von dieser Begeisterung angesteckt haben wir gleich versprochen, im nächsten Jahr solche Tanks auch in den übrigen drei Schulen zu installieren. Kostenpunkt jeweils 500 Euro.

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Dann fährt Dr. Ram fort mit seinen Plänen für die nächsten Jahre: “Inzwischen habe ich fünf solcher Aussenstationen wie Bolde. Die schicken natürlich alle ihre schweren Fälle zu mir ins Mutterkrankenhaus nach Dhulikhel. Und jetzt ist der von euch mitfinanzierte neue Bettentrakt schon wieder überbelegt. Ich bräuchte halt dringend einen Anbau für Orthopädie, Unfallopfer, Mutter/Kind. Mit den Bauern bin ich schon in Verhandlungen für den Grundstückskauf...“

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Dann bricht er auf. Wir hören nochmals sein herzliches, ungezwungenes Lachen, er winkt, noch sechs Stunden hat er bis Dhulikhel. Und morgen steht er um acht Uhr wieder im OP und operiert zehn Stunden. So ist er, unser Freund Ram, den Kopf immer voller Pläne, und diese Pläne setzt er auch durch mit Energie und Zähigkeit. Wir, die neun Bolde-Freunde, haben versprochen, ihn dabei nach Kräften zu unterstützen, und wir hoffen, dass auch unsere Spender ihm weiterhin dabei helfen.
Ansprechpartner:
Gisela und Karl Haberkorn, Tel:
089-799677 Mail:
haberkorn.gk@t-online.de
Spendenkonto:
Haberkorn Karl, Stadtsparkasse München,
Konto-Nr. 069-105880, BLZ: 70150000, Spende
Nepal
Spendenquittungen werden auf Wunsch ausgestellt.
Hinweise zu den Bildern
(1) Die am 9.11.01 feierlich eingeweihte Krankenstation in Bolde, Gesamtkosten 230.000 DM. Der Solarkocher wird zum Küchengebäude transportiert.
(2) Die kleinen Mädchen müssen vor Schulbeginn Gras schneiden und Futter holen.
(3) Beim Ärzte-Tag am 29.3.03 vor der Krankenstation: Ganz links Dr. Ram Shrestha, daneben Tilak und seine Mutter, ausserdem sechs Mitarbeiter von Ram aus dem Mutterkrankenhaus und die vier ständigen Mitarbeiter der Krankenstation und fünf “Bolde-Freunde“ (ganz rechts in weissen Hemden meine Frau und ich, daneben der für Bolde zuständige junge Arzt Dr. Dhoju).
(4) Die Kleinen müssen bereits auf die noch Kleineren aufpassen.
(5) Laut Dr. Ram kommt der dicke Bauch des scheinbar so wohlgenährten Mädchens von falscher Ernährung und wahrscheinlich von Wurmbefall.
(6) Bei der Einweihung des Wassertanks. Im Hintergrund das Schulgebäude mit Wellblechdach.
(7) Im Klassenzimmer, die meisten Kinder tragen Schulkleidung.
(8) Dr. Ram und Mitarbeiter bei der Visite im neuen Bettentrakt. Er beugt sich über einen Schwerverletzten des furchtbaren Busunglücks, bei dem neun Menschen ums Leben kamen.