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Beiträge zur geistigen Situation der Gegenwart Jg. 4
(2003), Heft 5
Als die Rilke-Gesellschaft für ihre Jahrestagung im September 1996 Marburg als Tagungsort wählte, fielen zwei Anlässe zusammen, die eine solche Entscheidung für diesen Zeitpunkt rechtfertigten. Neunzig Jahre zuvor hatte Rilke Marburg und das nahegelegene Friedelhausen zum dritten und letzten Mal besucht. Und die sorgfältige Chronistin aller dieser Besuche,die sie in ihrer Schrift Rainer Maria Rilkes Erinnerungen an Marburg und das hessische Land lebendig beschrieben hat, durfte am 9. Juli desselben, für die Tagung ausgewählten Jahres ihren 100. Geburtstag feiern. Beide Aspekte - Rilkes Beziehung zu Marburg und zu anderen Stätten des umgebenden"hessischen Landes" sowie die Ehrung der hier seit Jahrzehnten ansässigen Jubilarin und die Würdigung ihrer Lebensleistung - sollten in dem Einleitungsvortrag der Marburger Rilke-Tagung in aufeinander bezogener Weise behandelt werden. Doch bereits ein Jahr nach diesem Ereignis, am 3. November 1997, hat uns Ingeborg Schnack - langjähriges Ehrenmitglied unserer Gesellschaft - für immer verlassen. So sei nun der damalige Vortrag in seiner gedruckten Form zugleich als ein ehrender Nachruf auf die hochverdiente und unvergeßliche Rilke-Forscherin und Rilke-Editorin dargebracht.
Das Thema dieses Vortrags faßt verschiedene Aspekte zusammen; seine Begründung aber ist bereits in seiner Formulierung enthalten. Sie spielt auf den Titel eines Büchleins an, mit dem die Verfasserin, Ingeborg Schnack, nicht nur die Leser des Dichters Rainer Maria Rilke, sondern auch die Freunde und Bewohner der traditionsreichen Universitätsstadt an der Lahn zu erfreuen gedachte - erstmals in einer kleinen Schrift aus dem Jahre 1950, zuletzt 1989 in einer dritten, vermehrten Auflage unter dem erweiterten Titel "Rainer Maria Rilkes Erinnerungen an Marburg und das hessische Land"[1] erschienen. Hierin werden jene Orte und Menschen beschrieben, jene Quellen zitiert und jene Wirkungen aufgespürt, welche die dreimaligen Aufenthalte des Dichters in einer Landschaft bezeugen, in deren Zentrum heuer (1996) die Rilke-Gesellschaft ihre Jahresversammlung in einem erweiterten Rahmen abhält. Sie folgt damit einer Anregung, die uns schon vor Jahren von der Nestorin der Rilke-Forschung vorgeschlagen worden war. Nun geschieht dies just in einem Jahr, da die Jubilarin das Fest ihres 100. war Geburtstages feiern konnte, dessen wir, wenn auch mit der terminlichen Verzögerung, welche uns die Satzung unserer Gesellschaft gebietet, mit Freude gedenken wollen. Sie ist umso größer, als die Gefeierte, zusammen mit ihrer kompetenten Mitarbeiterin, Frau Dr. Renate Scharffenberg, es sich nicht hat nehmen lassen. uns mit einer Ausstellung im Foyer der Universitäts-Bibliothek zu beschenken, worin wir das, was sie in Jahrzehnten zu Rilke gesammelt hat, erfreut bewundern können.
Unseren Dank wollen wir heute dadurch abstatten, dass wir unseren Mitgliedern und Gästen in einem knappen Rückblick die singulären Verdienste in Erinnerung rufen, welche sich die Jubilarin im Verlauf des letzten halben Jahrhunderts um die Erforschung und Erschließung von Werk und Leben Rilkes erworben hat, und von deren Resultaten alle, die über diesen Dichter gearbeitet haben oder noch arbeiten werden, in bedeutendem Maße zehren. Zunächst jedoch kehren wir zu den Gegenständen der eingangs erwähnten Schrift zurück, um uns in das lokale und personale Ambiente der Rilke - Tagung 1996 einzustimmen. Damit soll deutlich werden, dass deren Orts- und Themenwahl dem auch für den Dichter besonderen Jubiläumscharakter dieses Jahr gerecht zu werden vermag; denn der Zeitraum der Jahre 1905 bis 1907 leitete in Rilkes Entwicklung tatsächlich jenen "Durchbruch zur Moderne" ein, den Ulrich Fülleborn in seinem Festvortrag analysieren wird.
Als der neunundzwanzigjährige Rilke sich in den ersten Märztagen des Jahres 1905 zusammen mit seiner Frau Clara in das von Dr. Lahmann geleitete Sanatorium auf dem Weißen Hirsch bei Dresden begab, lagen bereits einige Jahre der "Unstete", der Heimat- und Besitzlosigkeit, aber auch des unter ungünstigen Verhältnissen angestrengten Arbeitens hinter ihm. 1902 war der kurzfristige Versuch einer Ansiedlung im Umkreis Worpswedes gescheitert. "Auftragsarbeiten" - die Monographien über Worpswede und über Auguste Rodin - hielten den jungen Dichter zunächst knapp über Wasser - Stipendien und Einladungen ermöglichten ihm - teilweise zusammen mit seiner Frau - während des Jahres 1904 zeitlich begrenzte Aufenthalte in Rom und in Schweden - danach aber folgte wieder der Rückfall in die "unfertigen und provisorischen äußeren Zustände" von Oberneuland bei Bremen. Eine längere Krankheit machte schließlich einen Kuraufenthalt auf dem Weißen Hirsch notwendig, in dessen Verlauf das Ehepaar Rilke der kunstsinnigen, damals 56-jährigen Gräfin Luise Schwerin begegnete und deren verständnisvolle und hilfreiche Zuneigung gewann [2]. Die Gräfin, eine geborene Freiin von Nordeck zur Rabenau, war nach dem Tode ihres Gatten (1901) wieder in das elterliche Schloss Friedelhausen bei Lollar zurückgekehrt, wo auch ihre gleichfalls verwitwete Schwester Alice Faehndrich ihre Sommer verbrachte. Schon der Vater der Gräfin, Adalbert von Nordeck zur Rabenau (1817-1892), hatte dafür Sorge getragen, dass dieses "stille Waldschloss" ein "Musenhof" werden konnte [3]. Dorthin nun lud die Gräfin den Dichter und die Bildhauerin für den kommenden Sommer ein.
Rilke traf als erster am 28. Juli 1905 in Friedelhausen ein. Zuvor hatte er, aus Göttingen kommend, in Kassel und sodann am 27.Juli in Marburg die Reise unterbrochen. Noch am gleichen Tag schrieb er von dort an seine noch in Oberneuland weilende Frau [4]:
"Nun bin ich in Marburg seit 1/2 12, bin die kleine krumme Stadt auf und ab gegangen bis hinauf ins Schloss und bis zur Elisabethkirche hinunter, die um und über die Wunder der heiligen Landgräfin erbaut ist. - Liebliche deutsche Gotik, sich abspielend in der Haltung einer Hand, in der Neigung eines Kopfes, in einer Falte, die sich schlank und steil hinaufzieht an einer schmalen Gestalt. Und in dem einen Seitenflügel steinerne Grabmäler aus dem 14. und 15. Jahrhundert, - Männer, in Eisen liegend, das rechte Bein ein wenig angezogen, die eisernen Handschuh aneinandergelegt. Und das Gesicht tief drin, zwischen Halsberge und Visier, beschattet und beschienen von beiden."
Fast sieben Wochen, vom 28. Juli bis zum 8. September, weilte Rilke als Gast der Gräfin Schwerin - die wegen ihrer Krankheit allerdings vorzeitig abreisen musste - und ihrer Schwester Alice Faehndrich auf Schloss Friedelhausen, während der ersten zwei Wochen noch begleitet von seiner Frau Clara, die damals auf der Schlossterrasse an der kleinen Büste ihres Mannes mit dem geneigten Haupt arbeitete und mit der Rilke zwischendurch zwei Kunstreisen nach Kassel und nach Frankfurt unternahm[5]. In der Ruhe und Geborgenheit, die diese Sommerwochen dem noch in gänzlich ungesicherten Verhältnissen lebenden Dichter gewährten, bereiteten sich für sein weiteres Leben und Schreiben entscheidende Veränderungen vor, die sich im darauf folgenden Jahr, als Rilke wiederum mehrere Herbstwochen auf Schloss Friedelhausen verbrachte, noch erweitern sollten. Im August 1905 las er die Korrekturen zu den Versen seines Stunden-Buchs, die er jahrelang zurückgehalten hatte. Ihr Erscheinen noch im gleichen Jahr, das in der Folge seine endgültige Bindung an den Insel-Verlag besiegeln sollte, bezeichnete gewissermaßen den Abschluss seiner ersten wichtigen Schaffensperiode [6]. Wohin sein Weg nun führen würde, konnten seine Zuhörer vielleicht erahnen, als er eines Abends ein damals schon vorliegendes Kapitel aus den Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge vorlas [7]. Die gleichzeitig in Friedelhausen weilenden oder später noch eintreffenden Gäste gehörten zu dem Freundes- und Verwandtenkreis der Gräfin Schwerin, in den er nun durch diese eingeführt worden war und woraus ihm in den kommenden Jahren mancherlei Anregung, vor allem aber freundschaftliche und materielle Unterstützung zukommen sollte.
Anregend war und blieb für Rilke der später vor allem schriftliche Gedankenaustausch mit dem Schwiegersohn der Gräfin, dem Biologen und späteren Begründer der "Umweltforschung", Jacob Baron Uexküll (1864-1944), und dessen Frau Gudrun, einer wichtigen Briefpartnerin der folgenden Jahre. Mit dem Gelehrten trieb Rilke damals "Kant-Studien", woran im Rilke-Archiv noch ein Exemplar von Kants Kritik der reinen Vernunft mit einer eingeschriebenen Widmung Uexkülls erinnert [8]. Besonders wichtig aber wurde für Rilke die Bekanntschaft mit dem fast zwei Jahrzehnte älteren, aus Elberfeld stammenden Berliner Privatbankier Karl von der Heydt und seiner Frau Elisabeth, die beide, zum Freundeskreis der Gräfin zählend, damals zu einem kurzen Besuch in Friedelhausen eintrafen. Der Bankier war zugleich Kunstsammler und dilettierender Schriftsteller, auf beiden Feldern an dem jüngeren Dichter und Verfasser der kleinen Rodin-Monographie durchaus interessiert [9]. So lädt er Rilke nun auch für einige, an Friedelhausen anschließende Septembertage auf seinen Sommersitz, die "Wacholderhöhe" bei Godesberg, ein. Dieser Besuch sollte noch dadurch an Bedeutung gewinnen, dass den Dichter kurz zuvor eine überraschende Einladung Rodins in dessen Villa des Brillants zu Meudon erreicht hatte. Auf der Weiterreise nach Frankreich hatte Rilke dann bereits den Auftrag seines Godesberger Gastgebers mit im Gepäck, bei dem großen Bildhauer, dessen Korrespondenz Rilke während des folgenden Winters führen sollte, die Erwerbung einer geeigneten Plastik für die von der Heydtsche Privatsammlung vorzubereiten [10].So begann eine Freundschaft zwischen diesen beiden so ungleichen Briefpartnern, die dem Dichter während der nächsten, den Neuen Gedichten und der Vollendung des Malte Romans gewidmeten Jahren eine wertvolle materielle Unterstützung durch den mäzenatischen, jedoch keineswegs ohne Strenge sorgenden Berliner Bankier und Bewunderer vor allem von Rilkes Stunden-Buch sichern sollte; - auch dies eine Folge des ersten Sommers von Friedelhausen.
Das Schloss Friedelhausen hatte der Vater der Gräfin Schwerin für seine englische Frau Clara, geb. Phillips, 1851 in neugotischem Stil errichten lassen [11]. Die älteren Stammsitze der verzweigten Familie von Nordeck zur Rabenau befanden sichin einigen weiter östlich gelegenen Orten, in Appenborn und in Londorf - dem von Rilke immer wieder erinnerten Wohnsitz von "Frau Nonna", wie Julie Freifrau von Nordeck zur Rabenau, die allseits geschätzte Stiefmutter der Gräfin Schwerin, vertraulich genannt wurde [12], in Orten, die der Dichter auf mehreren Wagenfahrten durchs "hessische Land" hatte kennen lernen können. Ein Brief vom 23. August an Clara Rilke, die inzwischen nach Bremen zurückgekehrt war, berichtete davon: [13]
"Gestern, an einem herrlichen, vollen Sommertag, mit vielen strahlenden und bunten Stunden, fuhren wir wieder,den Frühstückskorb auf dem Bock, aus, wie damals -, erst nach der Rabenau und von da, fast ohne Aufenthalt, weiter nach Appenborn, dem alten Stammsitz der einen rabenauschen Hauptlinie. Ein kleiner bäurisch-senioraler Herrenhof mit Freitreppe und alten, eichenen Säulen, der Wirtschaftshof rund herum,so dass man ihn vom Saal aus übersieht, und mit einem alten, terrassenförmig nach dem Haus hin abfallenden Garten, in dem die Pächtersfrau alle Blumen zieht. Und der Phlox steht hoch neben den alten, zusammengezimmerten Apfelbäumen und Georginen und Astern und Gladiolen und des Tabaks tags verschlossener Blütenstern ... Auf der Rückfahrt streikte Hassan wieder, was zur Folge hatte, dass wir einen Abend und einen Nachtanbruch in 'Großvaters Garten' hatten, im alten Londorfer Pavillon, wo der Kronleuchter brannte, mit einer strahlenden Festlichkeit hinausschimmernd in die Gartengänge, aus denen, wie von vielen Seiten her, das Geräusch des Springbrunnens kam. Diese Stunden waren sehr schön und voll von Erinnerungen, die kamen und gingen, ohne die unseren zu sein."
Noch von Godesberg aus, wenige Tage nach dem Abschied von Friedelhausen, schreibt Rilke der seit der ersten Begegnung in Dresden bewunderten, herzlichen Gastgeberin ein Resümee dieses ersten hessischen Sommers; erzählend zunächst, und am Ende. dankbar die Bedeutung dieser Wochen würdigend. [14]
Man musste beim Frühstück sitzen, als ob Sie jeden Augenblick eintreten könnten, und Mittag zusammenkommen in Ihrem hohen Arbeitszimmer und abends still beisammen sein in Ihrem lieben Namen'. Und zwischendurch war manches - da kamen die ersten zwei Korrekturbogen meines Stunden-Buches und wollten gelesen sein, und der Nachmittag brachte unsere Kant-Stunde, die am letzten Tag auch das Buch zu Ende führte, das wir uns vorgenommen hatten. Zwei wunderschöne Fahrten wurden gemacht, jede in eine andere Welt und Gegend, mit fernen Ausblicken über helle Wiesen und den glänzenden Fluss und bis an die ruhigvollen Konturen dichter Waldhügel hin -: nach Salzböden zuerst durch das Dorf bis zu einer großen Mühle und dann über eine Brücke im Bogen durch Odenhausen zurück, und die zweite Fahrt, an die Neh[e]brücke, von der aus man, mittelalterlich und wie mit dem Lichte eines anderen Sternes, Marburg sieht, an einem grauen Nachmittag,da alles Ferne wunderbar leise abgetönt war innerhalb des Graus. Und dann suchte ich dann und wann noch eine Stunde Stille zu gewinnen, darin ich nichts tat, als auf der Terrasse unten auf und ab gehen mit recht anschauenden und auf allem ausruhenden Augen, mit denen ich noch einmal alles das Liebe,alles das Wirkliche zu nehmen und tief im Nehmen zu halten versuchte, das ich Ihrem täglichen Geben so gerne verdanke. ( ... ) Mein Leben, alles, was ich bin, ist durch Friedelhausen durch gegangen, wie ein ganzer Fluss durch die Wärme einer besonnten Gegend geht, ausgebreiteter und breiter gleichsam und glänzend mit allen seinen Wellen."
Nochmals in diesem Jahr 1905, am Ende seiner - Rodin gewidmeten - Vortragsreise nach Dresden und Prag, unterbricht Rilke die Rückfahrt nach Paris für zwei Tage, am 29. und 30. Oktober, in Friedelhausen, um sich nach dem Ergehen der schwer erkrankten Gräfin Schwerin zu erkundigen.Er trifft dort nur Gudrun und Jacob von Uexküll mit ihrer kleinen Tochter Damajanti. an. "Friedelhausen", schreibt er anschließend, nach Meudon zurückgekehrt, an Karl von der Heydt, "war so seltsam feierlich und still ( ... ) Das ganze Haus erfüllt und gleichsam zusammengefasst von dem Duft des Holzes,das sich dann und wann in den hohen verschlossenen Öfen rührte, warme ein wenig wehmütige Dämmerung ( ... ) in allen Räumen, dann und wann ein langsamer nachdenklicher Glanz in einem Ding von Metall und draußen vor den hohen, hohen Fenstern Herbst über Herbst, bleich und farbig zugleich wie nur Erinnerungen sein können [15]." Kaum drei Monate später erlischt das Leben der großmütigen Gastgeberin, deren stille geistige Gegenwart sich aber immer noch in den Mauern des Schlosses erspüren lässt, als es der Dichter im Spätsommer 1906 zum dritten und letzten Mal für einige Wochen, diesmal gemeinsam mit seiner Frau und der Tochter Ruth, bewohnendarf [16] . Lange beschäftigt ihn dieser Tod, bis zum Jahrestag ihres Ablebens, am 24. Januar 1907, ein Gedicht entsteht, das manche Gedanken, die schon in einigen Briefen des vorangegangenen Jahres angeklungen waren, unter der Überschrift Todes-Erfahrung zusammenfasst. Rilke hat die Verse in den Band seiner Neuen Gedichte aufgenommen, die, eine neue Stufe seiner poetischen Entwicklung bezeugend, Ende 1907 erscheinen[17] .
Wir wissen nichts von diesem Hingehn,
das
nicht mit uns teilt. Wir haben keinen Grund,
Bewunderung und Liebe oder Haß
dem Tod zu zeigen, den ein Maskenmund
tragischer Klage wunderlich entstellt.
Noch ist die Welt voll Rollen, die wir spielen.
Solang wir sorgen, ob wir auch gefielen,
spielt auch der Tod, obwohl er nicht gefällt.
Doch als du gingst, da brach in diese Bühne
ein Streifen Wirklichkeit durch jenen Spalt
durch den du hingingst - Grün wirklicher Grüne,
wirklicher Sonnenschein, wirklicher Wald.
Wir spielen weiter. Bang und schwer Erlerntes
hersagend und Gebärden dann und wann
aufhebend, aber dein von uns entferntes,
aus unserm Stück entrücktes Dasein kann
uns manchmal überkommen, wie ein Wissen
von jener Wirklichkeit sich niedersenkend,
so daß wir eine Weile hingerissen
das Leben spielen, nicht an Beifall denkend.
Als Rilke am 8. September 1906, zusammen mit Clara Rilke-Westhoff, der Tochter Ruth und einer jungen Cousine Claras wieder in Friedelhausen eintrifft ist die jüngere Schwester der Verstorbenen, Frau Alice Faehndrich, die Gastgeberin. "Wie seltsam schön ist es, hierher zu kommen; wieder ein Wiederkommen. Schwermüthig, bedeutsam und ernst und doch ohne banges Vermissen; vielmehr irgendwie bestätigend, was mir schon lange im Gefühl anklang die Gegenwärtigkeit jener wunderschönen Gestalt tausendmal in verschiedener Weise leise aussagend" - so beginnt Rilke am Tag nach seiner Ankunft einen Brief an Karl von der Heydt, auf dessen Sommersitz Wacholderhöhe die Rilkes zuvor, vom 17. bis 31. August, Gäste des befreundeten Ehepaares gewesen waren [18]. Auch diesmal ist wieder in mehreren Briefen von einigen Ausfahrten zu berichten - nicht zuletzt von einem weiteren Tagesbesuch "im alten Marburg". "Wie genau wußte ich alles wieder", heißt es etwa in einem Brief an Gudrun und Jacob Uexküll vom 11. September 1906; "als ich den Glockengriff gegenüber vom Dom faßte, um den Küster zu rufen, da wars, als wäre noch eine Spur in meiner Hand, in die er genau hineinpaßte. Dann standen wir wieder vor den alten Wappen, vor dem Teppich vom verlorenen Sohn, vor den Grabmälern der Landgrafen, deren Gesichter wie Keime in den aufgesprungenen Helmschalen liegen, und schließlich vor der lieben heiligen Elisabeth, deren Linke die Kirche hält, während ihre Rechte sich so schlank aus dem Mantel herauswendet. - Wir aßen im Pfeiferschen Hotel, wir waren in denselben Läden, und Ruth trug eine ganze Menge kleinen Hessengeschirrs aus dem Töpfergeschäft [19]. "
Bald jedoch wird bereits der Herbst fühlbar, "dieser rasch hereingebrochene graue Herbst", der den Dichter "mit seiner Art erschreckt" und macht, dass ihm, "was nun mit dem Winter an Härte und Kälte heraufzieht", "überlebensgroß" erscheinen muss; nicht nur klimatisch, sondern auch existentiell verstanden [20]. Doch wiederum erweist sich Friedelhausen als in weiterführendem Sinne hilfreich, Alice Faehndrich - "unsere hiesige gütige Hausfrau" - wiederholt mehrfach ihre Einladung, "den Winter in voller Arbeitsfreiheit bei ihr in ihrer Villa auf Capri zu verbringen", die der Dichter schließlich als letzte, ihm verbleibende Möglichkeit annimmt, während Clara bildhauerischen Aufträgen in Berlin nachzukommen versucht und im weiteren Verlauf des Winters einer Freundeseinladung nach Ägypten Folge leistet [21]. Noch ein zweites Mal, im ausgehenden Winter 1908, leistet Rilke, diesmal für eine kürzere Zeit, einer Einladung der freundschaftlichen Förderin aus dem Friedelhausener Kreis nach Capri Folge, wo schon 1907 mit den Improvisationen aus dem Capreser Winter Gedichte entstanden waren, die, versuchend, bereits über das Stadium der Neuen Gedichte hinausweisen [22]. Danach aber bleibt bis zum Abschluss der Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge1910, Paris der feste und konsequente Arbeitsort, der auch im Sommer nicht verlassen wird. Nur die Gedanken des Dichters kehren während der heißen Pariser Augusttage mehrfach in das "liebe hessische Land" zurück, wenn er, wie es in einem Brief an "Frau Nonna" heißt, "fast die Augen nicht schließen kann, ohne daß auf der Liderinnenseite ein Stück Londorf entsteht, eine Ecke des alten Gartens" [23]. Ähnliches bekennt er in einem Brief an die junge Elisabeth Schenk zu Schweinsberg aus dem Friedelhausen benachbarten Fronhausen am 3. August 1909 [24]
" (...) ich kann mir heuer das liebe hessische Land, weiß Gott warum, ganz besonders deutlich einbilden: es ist eine Art Sehnsucht in mir nach seiner einfachen soliden Sommerlichkeit, nach gewissen Wegen am Waldrand, nach manchen Plätzen im Friedelhausener Park, nach der schönen, brückenhaft eingehängten Chaussee an der Schinderhannes Eiche vorbei - nach einem Sonntag an der Nehebrücke, ach, und nach Londorf, von Appenborn gar nicht zu reden, wo die angestammten Blumen sich wärmen an ihren alten Stellen". Aber auch Marburg taucht in Rilkes Pariser Erinnerungen mit der gleichen Lebendigkeit auf in einem Brief an die Gräfin Manon zu Solms-Laubach, die im ersten Capreser Winter auch zu den Gästen der Villa Discopoli gehört und die nun in der Universitätsstadt an der Lahn Wohnung genommen hatte. "Deutlich sehe ich Marburg vor mir" schreibt ihr Rilke am 28. Juli 1909 [25], "so wie ich es öfters gesehen habe: schön und sorgfältig verteilt an seiner sommerlichen Anhöhe, würdig, aber ohne Strenge, mit ruhiger Aufsicht die klaren Umgebungen beherrschend; die Wege, die sich entfernen, aussendend und die raschen Straßen heraufrufend aus dem abendlichen Thal. Gerne denk ich Sie in dieser ländlichen Stadt, in der das Alte nicht kalt und hinfällig ist, sondern einfach, hoch und stark, so wie Bäume alt sind, die immer noch tragen und lebendig sind. Ihre Karte hat viele von den freundlichen Erinnerungen in Bewegung gebracht, die der Name dieses Ortes für mich einschließt, und ich bin nicht weit davon, Sehnsucht zu empfinden nach dem guten hessischen Land, das mir immer so gebend und gastlich war."
Dieser knappe Überblick über Rilkes Aufenthalte in Marburg und im hessischen Land musste sich auf die Skizzierung jener Örtlichkeiten beschränken, die auch im Rahmen unsrer diesjährigen Tagung besucht werden - wobei es unserer Einbildungskraft vorbehalten bleibe, den im ersten Jahrzehnt unseres zu Ende gehenden Jahrhunderts noch sehr viel ländlicheren Charakter dieser Landschaft heraufzurufen, die Rilke auf reizvollen Wagenfahrten in offenen Kutschen kennen lernen konnte, was wir sinnlich eher mit der Assoziation von Blütenduft und Pferdemist als mit Benzingestank verbinden sollten. Natürlich hat Rilke noch andere Teile des "hessischen Landes"gesehen und geschildert. Darmstadt etwa, das der Dichter bereits 1905 vonFriedelhausen aus besucht hatte, wurde schon auf der dortigen Rilke-Tagung von 1986 gewürdigt [26]. Zweimal ist Rilke, vor oder nach Friedelhausen, auch durchs untere Lahntal gefahren, hat in Braunfels gewohnt und Weilburg besucht, wo der Ehegatte der Gräfin Schwerin zeitweise als Landrat des Oberlahnkreises gewirkt hatte [27]. Dies ist in der eingangs genannten Schrift von Ingeborg Schnack nachzulesen, aus der auch die beiden zuletzt zitierten, zuvor unveröffentlicht gebliebenen Briefstellen entnommen wurden. Doch was uns die gelehrte Rilke-Kennerin gleichsam punktuell über Rilke in Marburg und im hessischen Land - oder zuvor, mit weitausgreifendem biographischen, historischen und topographischen Wissen angereichert, über Rilke in Ragaz[28] -mitgeteilt hat : das waren nur einzelne unter weiteren Sonderstudien, die auf einem unerschöpflichen Gesamtwissen gründen konnten, einem Wissen, das zumal in die Rilke gewidmete Chronik seines Lebens und seines Werkes eingegangen ist, einem unentbehrlichen Hilfsmittel der Rilke-Forschung [29]. Ihr ließen sich nur noch die grundlegenden editorischen Verdienste Ernst Zinns zur Seite stellen, der leider einen Teil seiner enzyklopädischen Kenntnisse mit ins Grab hat nehmen müssen.
Zum Editorischen: auch hier hat Ingeborg Schnack, als sie sich nach dem zweiten Weltkrieg, zunächst nur als Nebentätigkeit, der Beschäftigung mit Rilke zuwandte, Mustergültiges geleistet und zumal in ihre Erläuterungen Kenntnisse eingebracht, von denen die Rilke-Forschung noch lange wird zehren können. Es begann 1950 mit den vier Bändchen aus Rainer Maria Rilkes Nachlass, mit denen bislang zurückgehaltene Texte poetischen und epistolographischen Charakters, die Ernst Zinn auch in der dritten vermehrten Ausgabe der Ausgewählten Werke von 1948 nur teilweise hatte verwenden dürfen, erstmals vollständig vorgelegt wurden: die Gedichte 'Aus dem Nachlaß des Grafen C. W.', 'Aus Taschen-Büchern und Merk-Blättern', sowie den Briefwechsel in Gedichten mit Erika Mitterer 1924-1926, endlich die wichtigen Briefe an die Gräfin Sizzo 1921-1926, die inzwischen erweitert wieder herausgekommen sind [30]. 1978 erschien der zusammen mit Rudolf Hirsch edierte Briefwechsel 1899 -1925 zwischen Hugo von Hofmannsthal und Rilke, bei dem angesichts der Komplexität dieses Verhältnisses wie auch wegen der relativen Spärlichkeit des Materials der ergänzende Anhang besonders wichtig war [31].
Reichhaltig kommentiert, nicht zuletzt im Hinblick auf das spezifische Thema der Marburger Tagung von 1996, erschienen 1987 die Briefe an Karl und Elisabeth von der Heydt aus den Jahren 1905 bis 1922[32], diesmal gemeinsam herausgegeben von Ingeborg Schnack und Renate Scharffenberg, der wir schon 1979 Rilkes Briefe an Axel Juncker, den wichtigsten seiner früheren Verleger, verdanken durften [33]. Dem umfangreichen Band der Briefe an das Ehepaar von der Heydt ist ein Anhang beigegeben, der in wichtige, für das Verhältnis Rilkes zu Rodin und zu Harry Graf Kessler bedeutungsvolle kunsthistorische Zusammenhänge hinübergreift. Hinzu kommt eine Fülle von Erläuterungen, in die auch jene Stellen aus Karl von der Heydts Briefen eingefügt sind, auf die sich Rilke bezieht oder deren Kenntnis für das Verständnis seiner Briefe notwendig ist. Nicht nur der Spezialist, sondern auch der normale Leser hätte gewiss gerne den Briefwechsel in seiner Gesamtheit gelesen, was den Umfang jedoch vermutlich ins (kalkulatorisch) Ungebührliche erweitert hätte.
Anders liegen die Verhältnisse im Falle von Rilkes Briefwechsel mit Anton Kippenberg aus den Jahren 1906 bis 1926, der 1995, wiederum herausgegeben von Ingeborg Schnack und Renate Scharffenberg, im Insel Verlag erscheinen konnte [34]. Schon die früheren Ausgaben der Briefe an seinen Verleger, die nur den einen Korrespondenzpartner - überdies mit zahlreichen Auslassungen - in einer stilisierten Weise zu Wort kommen ließen [35] hatten die Rilke-Leser und -Kenner ungeduldig auf ein Erscheinen des vollständigen Dialogs zwischen Autor und Verleger warten lassen, von dem man annehmen durfte, dass er, bei aller gewiss außergewöhnlichen Freundschaftlichkeit, nicht ganz ohne Konfliktanlässe hatte verlaufen können, aus ökonomischen, später auch aus politischen Gründen, war doch gerade auf dem letztgenannten Felde die Gegensätzlichkeit zwischen dem romanisch-slawisch orientierten Weltbürger und dem deutschen Patrioten nicht unerheblich, ein Gegensatz, den auch die Korrespondenz zwischen Rilke und Karl von der Heydt in ihren letzten Stadien erkennen lässt. In beiden Fällen hat Ingeborg Schnack in ihren Einführungen mit ebensoviel Takt wie Genauigkeit diese Tatbestände dargestellt und gedeutet.
Wir müssen uns hier auf die Nennung der exemplarischen Beiträge der Verfasserin zur Rilke-Forschung beschränken, zu der natürlich noch eine größere Anzahl von Einzelstudien und Rezensionen hinzuzufügen wäre, die alle in gleicher Weise die wissenschaftlichen Qualitäten der Autorin erkennen lassen [36]. Keineswegs vergessen dürfen wir die Dokumentation von Rilkes Leben und Werk im Bild. Sorgfältig wurden darin seit den ersten Auflagen von 1956 und 1966 teilweise entlegene ikonographische Zeugnisse gesammelt, wovon seither viele biographische und andere Darstellungen zu Rilke haben profitieren können [37]. Wiederum bewährte sich dabei die Fähigkeit der gelernten Historikerin zur Quellensichtung und Quellenerschließung. Hier wie in den anderen Arbeiten kam der Rilke-Forschung zugute, was zunächst die erste Hälfte der Lebensarbeit unserer Jubilarin bestimmt hatte [38]. Geboren am 9. Juli 1896 im Emsland, hat sie nach einem Studium geistes-und naturwissenschaftlicher Fächer 1920 in Marburg bei dem Mediavisten Karl Wenck mit einer kirchengeschichtlichen Arbeit promoviert. Anschließend unterzog sie sich noch einer bibliothekarischen Ausbildung, um dann 1923 als erste Frau in den höheren Bibliotheksdienst aufzusteigen. Abgesehen von einer einjährigen Tätigkeit an der Universitätsbibliothek Kiel 1928/29 blieb sie bis zu ihrer Pensionierung 1961 der Universitätsbibliothek Marburg treu; seit 1935 als Bibliotheksrätin, ab 1956 als stellvertretende Direktorin. Verständlicherweise konnte sich die Historikerin, die 1936 Mitglied der Historischen Kommission für Hessen wurde, zu einer besonderen Kennerin von "Marburg und dem hessischen Land" entwickeln. Zu beiden Sachgebieten hat sie Monographien veröffentlicht: 1961 Marburg. Bild einer alten Stadt,1962 Hessen. Geschichte. Gegenwart. Landschaft, Kunst. Industrie [39]. Dazu betreute sie als Herausgeberin jahrelang die Lebensbilder aus Kurhessen und Waldeck [40]. Auch die Universitätsgeschichte wurde ein bevorzugtes Feld ihrer Forschungen: mit Beiträgen zur Geschichte des Gelehrtenporträts, mit "Lebensbildern" von Marburger Gelehrten in der ersten Hälfte des 20.Jahrhunderts [41]; vor allem aber mit Editionen aus dem Gelehrtenleben vornehmlich des 19. Jahrhunderts. Aus der durch ihre Initiative ermöglichten Erweiterung des Handschriftenbestandes der Universitätsbibliothek erwuchsen bedeutende Editionen: zusammen mit Wilhelm Schoof 'Die Briefe der Brüder Grimm an Savigny' (1953), 1972 gemeinsam mit Hellfried Dahlmann die Briefe Friedrich Creuzers an Savigny; vor allem aber die Edition des Briefwechsels zwischen Friedrich Carl von Savigny und Stephan August Winkelmann von 1984 [42]. Dass die vielseitig Tätige daneben seit 1962 auch ehrenamtlich die Zeitschrift des "Marburger Universitätsbundes" alma mater philippina herausgab, sei nur am Rande erwähnt. Viele der hier angeführten Arbeiten und Tätigkeiten hat Ingeborg Schnack zu einer Zeit ausgeübt, da sie sich bereits als Rilke-Forscherin vorgestellt und bewährt hatte. Dies führt uns abschließend zum eigentlichen Anlass dieses auch für Rilke-Gesellschaft relevanten Wirkens zurück, das zuletzt durch die Herausgabe des Briefwechsels mit Anton Kippenberg seine Krönung erfahren durfte. 1945, als Ingeborg Schnack, die schon die Auslagerung der Bibliotheksbestände während der Kriegsjahre organisiert hatte, deren Rückführung zu betreiben begonnen hatte, gelangten Anton und Katharina Kippenberg, deren Verlagshaus und Privatwohnung in Leipzig durch Bomben zerstört worden waren, nach Marburg, hierher geführt mit ihren Sammlungen zu Goethe und zu Rilke, von amerikanischen Truppen, die damals die schon besetzten Länder Thüringen und Sachsen zu räumen hatten. Dank der Umsicht Ingeborg Schnacks konnten diese Schätze zunächst im Central-Art-Collecting-Point deponiert werden - das Verleger-Ehepaar selbst, das nur ungern Leipzig verlassen hatte, fand in der tatkräftigen Bibliothekarin eine verständnisvolle Beraterin und Freundin. Der Neuaufbau einer westlichen Dependance des Insel-Verlags in Wiesbaden geht auf diese Tag zurück, ebenso der Entschluss zu einer neuen und erweiterten Verbreitung der Werke Rainer Maria Rilkes. Diesem Dichter galt 1947 der Aufbau einer ersten Ausstellung im Rahmen der MarburgerUniversitätsbibliothek, die Ingeborg Schnack damals aus den Schätzen der Kippenbergschen Sammlung zusammenstellen konnte. So schließt sich der Kreis: heute sind es Dokumente aus ihrer eigenen Rilke-Sammlung, die uns die Jubilarin nach fast einem halben Jahrhundert hier zur Ansicht gebracht hat. Wir sind glücklich, diesen Anlass verbinden zu können mit der diesjährigen Jahresversammlung der Rilke-Gesellschaft, welche die Bedeutung zu bedenken hat, die Marburg und das hessische Land für den Dichter und den Menschen Rainer Maria Rilke gewinnen konnten. Wir blicken mit Bewunderung und Dankbarkeit auf das Wirken und die Leistung unseres Ehrenmitglieds. Mögen die wissenschaftlichen Tugenden, denen sich dieses nun hundert Jahre alt gewordene Leben verpflichtet hat, uns zum Ansporn dienen und ein Vorbild bleiben können.
Anmerkungen
Abkürzungen:
RMR Rainer Maria Rilke
SW I-VI RMR, Sämtliche Werke in sechs Bänden. Hrsg. vom Rilke-Archiv.
Besorgt durch ERNST ZiNN. (Wiesbaden) 1955-Frankfurt/Main 1956 GBr 1-VI. RMR,
Gesammelte Briefe in sechs Bänden. Hrsg. von RUTH SIEBER-RILKE und CARL
SIEBER. Leipzig 1939.
Chronik RMR, Chronik seines Lebens und seines Werkes. Von INGEBORG SCHNACK.
Erster Band: 1875-1920. Zweiter Band: 1920-1926. Frankfurt/Main 1990 (it
1264). - Erste Auflage 1975.
[1] INGEBORG SCHNACK, Rainer Maria Rilkes Erinnerungen
an Marburg und das hessische Land, 3., vermehrte Auflage, Marburg 1989.
zurück
[2] Rilke und seine Frau weilten vom 7. März bis
19. April1905 zur Kur auf dem "Weißen Hirsch". In seinem Brief an
Ellen Key vom 30. März schreibt Rilke: "wir sehen niemanden, - nur seit
drei Tagen eine liebe Frau, die von uns gewußt hat und uns mit Güte
umgibt : eine Grafin Schwerin " In: RMR/ELLEN KEY, Briefwechsel. Mit Briefen
von und an Clara Rilke Westhof, hrsg. von THEODORE FIEDLER. Frankfurt /
Main 1993, Luise Gräfin Schwerin geb. von Nordeck zur Rabenau
(15.10.1849 - 24.1.1906), verh. mit Karl Graf Schwerin (1844-190 1), vgl.
Anm. 3. - "unfertige und provisorische Zustände": RMR/LOU ANDREAS-SALOMÉ
Briefwechsel, hrsg. von Ernst Pfeiffer. Neue, erw. Ausgabe Frankfurt/Main
1975, S. (Oberneuland, 7. 1.1905).
zurück
[3] Wie Anm. 1, S. 16. - Adalbert Freiherr von Nordeck
zur Rabenau (1817 1892), in erster Ehe verh. mit der Engländerin Clara,
geb. Philipps (1826 1867), der Mutter der Gräfin Schwerin; in zweiter
Ehe verh. mit Julie Freifrau von Nordeck zur Rabenau, geb. Ducius v. Wallenberg,
verw. Gräfin Bethusy-Huc (1842-192 8) 'Frau Nonna" in Londorf.
- Über Alice Faehndrich, geb. Freiin von Nordeck zur Rabenau vgl. Anm.
21.
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[4] RMR an Clara Rilke, Marburg 27. Juli 1905, in Briefe
aus den Jahren 1902/1906, hrsg. von RUTH SIEBER-RILKE und CARL SIEBER.Leipzig
1929,S.246.
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[5] Vgl. RMR an Clara Rilke, Paris [6.7.] 1906, in:
GBr 11, S. 162. - Die Rilke Büste von Clara Rilke-Westhoff in: INGEBORG
SCHNACK,Rilkes Leben und Werk im Bild. (Wiesbaden) 1956; 2., verm. Auflage
Frankfurt/Main1966, Abb. 143, 144. Schloß Friedelhausen ebd. Abb.
139.
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[6] Vgl. Rilkes Korrespondenz (Auszüge) mit dem
Insel-Verlag vom Angebot seines Manuskripts des Stunden-Buchs an (13. April
1905) bis zum Erscheinen des Buches im Dezember 1905, in: Chronik 1, S.
207-230,passim. Der Briefwechsel mit Anton Kippenberg, der am 1. September
1905Leiter des Verlags geworden war, begann erst im März 1906.
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[7] Rilke liest "in einer warmen Nacht ( ... ) auf dem
Balkon aus dem langsam wachsenden Manuskript der AUFZEICHNUNGEN ( ... )
jenen Abschnitt, der von Maltes Kindertagen auf Urnekloster und von dem Erscheinen
Christine
Brahes handelt", *in: wie Anm. 1, S. 25.
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[8] Vgl. Rilkes Brief an Luise Gräfin Schwerin,
Godesberg 10. September 1905, in: GBr II, S. 85. - Über Jacob von
Uexküll und Frau Gudrun, geb. Gräfin Schwerin vgL Anm. 19.
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[9] Auguste Rodin, von RMR. Berlin (1903). (Die Kunst.
Sammlung illustrierter Monographien, hrsg. von RICHARD MUTHER, Bd. 10.-
Vgl. RMR. Die Briefe an KARL und ELISABETH VON DER HEYDT 1905-1922, hrsg.von
INGEBORG SCHNACK und RENATE SCHARFFENBERG. Frankfurt/Main 1987. Anhang H:
KARL VON DER Heydt und AUGUSTE RODIN, Briefe, S.242-244.
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[10] Vgl. Rilkes Briefe an KARL VON DER HEYDT, Paris19.
Oktober 1905, (Anfang Nov.) 1905, 9. und 11. November 1905, in: wie
Anm. 9, S. 25-35.
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[11] Wie Anm. 1, S. 16, vgl. Anm.
3.
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[12] Vgl. Anm. 3. - Über Appenborn
und Londorf vgl. Anm.1, S. 13-15.
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[13] An Clara Rilke, Friedelhausen 23. August 1905,
in: GBr 11, S. 83.
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[14] An Luise Gräfin Schwerin, Godesberg 10. September
1905, in: GBr II S. 85f
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[15] RMR an Karl von der Heydt, Meudon (Anfang Nov.
1905), a.a.0. S 27 f
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[16] Rilkes dritter Aufenthalt 'in Friedelhausen dauerte
vom 8. September bis 3. Oktober 1906.
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[17] SW 1, S. 5 18 f (Capri, 24.1.1907). - RMR, NeueGedichte.
Leipzig 1907, Widmung: "Karl und Elisabeth von der Heydt in Freundschaft".
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[18] RMR an Karl von der Heydt, Friedelhausen 9. September
1906, a.a.0. S.89.
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[19] In: GBr II, S. 184. - Jacob von Uexküll (1864-1944),
Naturforscher und Prof. in Hamburg, verheiratet mit Gudrun Gräfin
Schwerin (1878-1969), der Tochter der Gräfin Luise.
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[20] An Gräfin Mary Gneisenau, Friedelhausen 20.
September1906, in: RMR., Briefe aus den Jahren 1906 bis 1907, hrsg. von
Ruth SIEBER-RILKE und CARL SIEBER Leipzig 1930, S. 82.
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[21] Rilke weilte vom 4. Dezember 1906 bis zum 20.
Mai 1907 im "Rosenhäusl" der Villa Discopoli auf Capri als Gast von
Frau Alice Faehndrich, geb. Freiin von Nordeck zur Rabenau, Schwester der
Gräfin Luise Schwerin (10. 5.1857 -23.6.1908). - Die Ägyptenreise
von Clara Rilke Westhoff dauerte vom 16. Januar (Abfahrt von Neapel) bis
zum 19. April 1907; die letzten Wochen verbringen Rilke und Frau Clara gemeinsam
auf Capri,
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[22] Impressionen aus dem Capreser Winter, in: SW IIS.
11-19. - Vgl. Ulrich Fülleborn, Die Sonderform der Capreser Lyrik,
in: RMR, Werke. Kommentierte Ausgabe in vier Bänden. Bd. I, Gedichte
1895 bis1910, hrsg. von MANFRED ENGEL und ULRICH FULLEBORN. Frankfurt/Main
und Leipzig 1996, S. 850-851.
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[23] Paris, 8. August 1909, in: GBr III S. 66.
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[24] Paris, 3. August 1909, Auszug zit. von Ingeborg Schnack~
wie Anm. 1, S. 34 f - Elisabeth Freiin Schenk zu Schweinsberg(1886-1955)
war im März 1908 ebenfalls Gast in der Villa Discopoli. - In Fronhausen
bei Marburg stand ein Herrenhaus der Familie Schenk zu Schweinsberg.
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[25] Paris, 28. Juli 1908, Auszug zit. von Ingeborg
Schnack, wie Anm. 1, S. 35 f - Gräfin Manon zu Solms-Laubach (1882-1975),
aus dem Freundeskreis auf Capri, lebte später in Marburg.
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[26] Vgl. Blätter der Rilke-Gesellschaft, H. 14/1987:
"Rilke in der Zeit des Jugendstils". Über Rilke in Darmstadt vgl.
darin: JOACHIM W. STORCK, Rilke - Wolfskehl - Gundolf, S. 119-140.
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[27] Die erste Fahrt durchs Lahntal vom 8.- 9. September
1905 führte Rilke über Weilburg nach Godesberg (vgl. Chronik
S. 218); die zweite Fahrt, zusammen mit Frau Clara und der Tochter Ruth,
dauerte vom1.- 8. September 1906 mit Aufenthalt in Braunfels und Besuch
in Weilburg (Chronik S. 249 f
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[28] INGEBORG SCHNACK, Rilke in Ragaz 1920 - 1926.
Privatdruck der Thermalbäder und Grandhotels AG Bad Ragaz 1970, 2.
verbesserte und ergänzte Auflage 1981.
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[29] S.o. Abkürzungen: Chronik.
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[30] RMR. Aus Rainer Maria Rilkes Nachlaß, hrsg.
von INGEBORG SCHNACK, Folge 1-4, (Wiesbaden) 1950. Die Folge 4 erfuhr erweiterte
Neuausgaben: RMR, Die Briefe an die Gräfin Sizzo 1921-1926, Frankfurt/Main
1977; Frankfurt/Main 1985 (insel taschenbuch 868).
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[31] HUGO VON HOFMANNSTHAL / RMR, Briefwechsel 1899-1925,
hrsg. von RUDOLF HIRSCH und INGEBORG SCHNACK, Frankfurt/Main 1978.
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[32] Vgl. Anm. 9.
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[33] RMR, Die Briefe an AXEL JUNCKER hrsg. von RENATE
SCHARFFENBERG, Frankfurt/Main 1979.
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[34] RMR, Briefwechsel mit ANTON KIPPENBERG 1906 bis1926,
hrsg. von INGEBORG SCHNACK und RENATE SCHARFFENBERG. Zwei Bände, Frankfurt/Main
und Leipzig 1995.
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[35] Zur Publikationsgeschichte der Briefe an seinen Verleger
seit der Erstauflage von 1934 bis zur vorletzten, ergänzten zweibändigen
Ausgabe von 1949 vgl. den Einleitungsaufsatz von INGEBORG SCHNACK "Zu den
Briefen", wie Anm. 34, S. 7-50, vor allem S. 10 f
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[36] In den Blättern der Rilke-Gesellschaft erschienen
folgende Beiträge von INGEBORG SCHNACK: H. 7-8, 1980/81 (''Ernst Zinn
gewidmet").S. 51-56: Ein Brief Rilkes an Karl von der Heydt (zusammen mit
RENATE SCHARFFENBERG).- H. 11-12, 1984/85 ("Ernst Pfeiffer gewidmet"),
S. 117-13 1: Zwei Briefe Rilkes an Max Lehrs zur russischen Kunst (Oktober
1901). H. 13/1986 ("Rilke und Prag"), S. 139-143: Horst Nalewski: RMR in
seiner Zeit (Leipzig 1985),(Rez.). - H. 14, 1987, S. 165-174: Zu Clara
Rilkes Werk und Leben; ebd. S. 187-190: Jean Rudolf von Salis zum 85. Geburtstag;
ebd. S. 192-194:Zu Rilkes Gedicht "Der Knabe" (zusammen mit RENATE SCHARFFENBERG).
- H.16-17,1989/90, S. 199-225: Zur Marbacher Schrift RMR, Haßzellen
stark im größten Liebeskreise.... Verse für Oskar Kokoschka.
Faksimile der Handschrift.Mit unveröffentlichten Briefen hrsg. von
Joachim W. Storck (Rez.). - H.19, 1992, S. 131-154: 'St. Hubert: RMR et
son dernier livre Les Cahiersde Malte Laurids Brigge. Juillet 191 l'. Anfänge
der Rilke-Rezeption inFrankreich.
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[38] Zum Folgenden vgl. auch: RENATE SCHARFFENBERG,
Aus Leben und Arbeit, in: Gestalten und Profile. Hommage an eine gelehrte
Bibliothekarin Mit einem Verzeichnis der Schriften Ingeborg Schnacks von
ANA MARIA MARISCOTII DE GÖRLITZ. Marburg 1986 (Schriften der Universitätsbibliothek
Marburg,23), S. 5-13. - JOACHIM W. STORCK; Von Savigny zu Rilke. Zum
100. Geburtstag von Ingeborg Schnack, in: Blätter der Rilke-Gesellschaft
H. 21, 1995 (Sigmaringen1997), S. 9-11.
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[39] INGEBORG SCHNACK, Marburg. Bild einer alten Stadt.
Impressionen und Profile. Honnef, Rh. 1961. - Hessen. Geschichte, Gegenwart,
Landschaft, Kunst. Mit einer Einleitung von INGEBORG SCHNACK. Bad Honnef,
Rh. 1962.
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[40] Lebensbilder aus Kurhessen und Waldeck 1830-1930,
hrsg. von INGEBORG SCHNACK. Bd. 1-6, Marburg 1939-1958 (Veröffentlichungen
der Historischen Kommission für Hessen und Waldeck. 20, 1--6).
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[41] Marburger Gelehrte in der ersten Hälfte des
20.Jahrhunderts, hrsg. von INGEBORG SCHNACK. Marburg 1977 (Veröffentlichungen
der Hirstorischen Kommission für Hessen. 3 5, 1).
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[42] Briefe der Brüder Grimm an Savigny. Aus dem
Savignyschen Nachlaß hrsg. in Verbindung mit INGEBORG SCHNACK von
WILHELM SCHOOF. Berlin,Bielefeld 1953. - Briefe Friedrich Creuzers an Savigny
(17991850). Unter Mitarbeit von INGEBORG SCHNACK hrsg. von HELLFRIED DAHLMANN.
Berlin 1972.- Der Briefwechsel zwischen Friedrich Carl von Savigny und
Stephan August Winkelmann (1800-1804). Mit Dokumenten und Briefen aus dem
Freundeskreis Gesammelt hrsg, und kommentiert von INGEBORG SCHNACK. Marburg
1984 (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen.
23, 3). - Ein vollständiges Verzeichnis der bis zum 9.7.1986 erschienenen
Veröffentlichungen Ingeborg Schnacksenthält die in Anm.
38 genannte Bibliographie.
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