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Beiträge zur geistigen Situation der Gegenwart Jg. 5
(2004), Heft 2
Wenn man ‚Geist’ als konträren Gegensatz zu ‚Materie’ versteht, dann kann man diese Frage bejahen. Denn „Materie“ steht für die angeblich von jeglichem Bewußtsein unabhängige Natur, das Geistige ist dagegen zumindest Teil des Bewußten. Und wenn, wie andernorts gezeigt, eine bewußtseinsunabhängige Welt weder logisch noch quantenphysikalisch haltbar ist, dann bleibt sozusagen für die Welt bzw. das Universum nur Bewußtsein bzw. Geist als Substanz übrig.
Obwohl der „Geist“, wie auch die ‚Seele’, im Lauf der Zeit in der Gesamtheit der psychischen Vorgänge und Zustände bzw. im Bewußtsein oder den Bewußtseinsinhalten aufgegangen ist, kann man den Begriff „Geist“ mit der nötigen Vorsicht als Ausdruck von etwas Immateriellen durchaus sinnvoll gebrauchen. Man sollte sich lediglich dabei bewußt sein, daß er infolge seiner Vergangenheit, insbesondere den Spekulationen im Deutschen Idealismus, weithin anrüchig ist und deshalb darauf bedacht sein, sich mit ihm nicht durch spekulativen Gebrauch zur Zielscheibe zu machen.
Es besteht in der Naturwissenschaft kein Zweifel daran, daß der Mensch aus der Tierreihe und die Urformen des Lebens aus der unbelebten Natur hervorgegangen sind und diese wiederum das Ergebnis einer langen Entwicklung ist. Da das menschliche Bewußtsein zweifellos die bisherige Krönung der gesamten Evolution ist, drängt sich die Erkenntnis auf, daß die Geschichte der Welt bzw. des Universums die Geschichte der Evolution des Bewußtseins oder, wenn man so will, des Geistes ist.
Auch kann man, ja muß man vernünftigerweise, die Natur gleich mit Bewußtsein bzw. Geist setzen, weil logisch zwingend zum einen weder für die Natur noch für das Bewußtsein (wegen des sonst unvermeidlichen Zirkels) eine essentielle Erklärung gegeben werden kann und zum anderen diese Gleichsetzung wegen der nicht sinngemäßen Denkbarkeit eines Nicht-Bewußtseins unumgänglich ist. Also kann man das Universum essentiell als Geist bezeichnen und das logisch zwingend. Daraus folgt, daß aufgrund des unterschiedlichen Komplexitätsgrades aller ‚Dinge’ alles Ausdruck von unterschiedlichen Bewußtseins- bzw. ‚Geistesgraden’ ist, mit anderen Worten, es ist Ausdruck von „verschiedensten Stufen und Formen“ des Bewußtseins bzw. des Geistes. Ferner folgt daraus, daß das Leben aus Bewußtsein bzw. Geist hervorgegangen ist und nicht umgekehrt und es keine wirklich ‚tote Materie’ gibt. Um so weniger kann ‚Tod’ im gebräuchlichen Sinn des Wortes als Zustand des Nicht-Bewußtseins verstanden werden, sondern lediglich als Verlust eines relativ hohen Bewußtseins- bzw. Geistesgrades eines Individuums.
Im übrigen zeigt sich hier, daß man zum logisch schlüssigen Nachweis des Bewußtseins- bzw. Geistesuniversums nicht ausdrücklich den ‚Denkfehler’ heranziehen muß, wenn auch natürlich ein Nicht-Bewußtsein eine spezielle Form des prinzipiellen ‚Denkfehlers’ ist, weil um den Denkinhalt ‚Nicht-Bewußtsein’ zu denken, zwangsläufig Bewußtsein in Form des Denkens erforderlich ist. Auch darauf, d.h. auf die nur scheinbare Wegdenkbarkeit von Bewußtsein habe ich bereits in meinem Essay hingewiesen.