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Beiträge zur geistigen Situation der
Gegenwart Jg. 6 (2005), Heft 1
| wolfgang sinwel • die seele aus der hand lassen | |
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im anfang schuf der
herr himmel und erde er nahm eine handvoll licht und formte sie in seiner ungelenken art zum himmel. dasselbe tat er mit einer handvoll dunkel und hatte die erde in händen. um dem elaborat göttlichen schliff zu verleihen, legte er beide teile in den mikrowellenherd. in seiner unerfahrenheit vergaß er aber, zuvor die zeit zu erschaffen. das unvermeidliche blieb nicht aus: die gerätezeitschaltung war außer funktion, und mit einem knall war aus himmel und erde ein unermeßliches universum entstanden. verärgert über seinen konzentrationsfehler überließ der herr die begonnene schöpfung ab nun ihren eigenen gesetzen. |
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| Links: In sich
wachsen, 2004, Öl auf Holz, 60 x 60 cm Rechts: Stille 02, 2004, Öl auf Holz, 85 x 110 cm |
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| Links: Schwebezustand 01, 2004,
Öl auf Leinwand, 120 x 100 cm Rechts: Schwebezustand 05, 2004, Öl auf Leinwand, 120 x 100 cm |
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Bilder, die den Menschen orten | ein Text von Roland Geiger, Heidelberg Da ist eine Ebene, kreidig, matt, wie auf ein Fließblatt gemalt, halb weggetaucht scheinend ... in sich selbst zurückgezogen agierend. Die Landschaften von Wolfgang Sinwel kommen dem Betrachter zurückgehalten entgegen. Der Maler stellt uns in stille Welten, in Panoramen, die sich selbst genügen. Aber es ist auch die Poesie des Gebrauchten, was uns, vor diesen Bildern stehend, anrührt, an die Hand nimmt, deren Puls man fühlt. Der Reiz des Sichnähernwollens, das Mysterium eines Wechselspiels des Verständlichen mit dem verschlüsselt Mehrdeutigen, dem Zwischen - das objektiv Wirkliche ist nur zu erfühlen. Man spürt die Überraschung, die der Künstler, vor dem eben vollendeten Werk stehend, als Erster empfindet... das noch nicht manifeste Ausloten dieser inszenierten Bildelemente und ihrem Wirken nach aussen, denn, orten diese Bilder in feinem Wechsel nicht auch den Menschen? Und zwar - merkwürdig - genau da, wo er in uns allen ist? Malt Wolfgang Sinwel nicht seinen inneren Spiegel nach? Wieso bin ich ohne jede Begründung davon überzeugt, dass in diesen Landschaften ein Klima herrscht, das dem Menschen entspricht? Woher weiß der Betrachter, dass das, was sich da vor ihm über die mittelformatige Leinwand breitet, die Erde ist? Sinwels Malerei kommt mit einer Farbskala aus, die uns im Gefieder der Stadttauben begegnet. Keine Farbe ist gegenüber einer anderen scharf abgegrenzt. ... Verwischungen übernehmen wie Akzente eines generösen Gottes Funktion, immer genau dort, wo sie sein müssen, ein Ereignis der Komposition sind. Helle Pasagen scheinen wie aus dem Grund herausgeschliffen, dunkle Stellen gleichen emotionalen Verwerfungen ... Sinwel zeigt, dass auch ein erdiges Braun von innen heraus glühen kann ... Details, die unmittelbar nach einem Regen erlebt sein könnten ... diese Routenverläufe senden verhaltene Signale ins Unterbewusstsein. Sinwels Sicht hat die Temperatur absoluter Objektivität. Und doch könnte auch jede seiner Landschaften von einer eigens für sie erfundenen Sonne bestrahlt werden. Licht, das Farbcharaktere entblösst, und so diese Landschaftsindividuen gänzlich eigener Art unverwechselbar in uns hineinträgt. In Sinwels Arbeit scheint mir selbst der Zufall Absicht zu sein. Sind diese Bilder Resultate empfundener Erinnerung an eine Zeit, als wir alle noch fliegen konnten ...? Die Sicht ist immer unmittelbar. Da sind auch die verschiedenen Qualitäten von Stabilität ... Der leichte Schwindel, der bei der Betrachtung von Sinwels Bildern eintreten kann, stabilisiert den Eindruck der Höhe; das Gefühl schwebend-bewegten Erreichens optischen Gleichgewichts ohne Flügel direkt zu sehen und letztlich das gültige Stranden von Schichten zu Farben, die nahe Ferne, all dies macht mich fest. Ungefähr vertraut ist nach genauer Überlegung der richtige Begriff. Manches kommt dem Betrachter bekannter vor als anderes. Etwas jedoch ist allen Bildern Sinwels gemeinsam: Man betrachtet sie hellwach. Man lässt sich anstossen und auf den Weg bringen. Sinwel, man muss den Namen nur richtig aussprechen, um das leise und doch unüberhörbare Sirren von Vogelschwingen zu hören ... Sinwel, das könnte auch die Bezeichnung einer Vogelart sein. |
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| Freiheit empfinden #1 und #2 - 2004,
Öl auf Holz, jeweils 150 x 125 cm |
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| Links: Lichtwechsel, 2002, Öl auf
Holz, 110 x 85 cm Rechts: Von oben, 2002, Öl auf Leinwand, 120 x 100 cm |
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| Zeitungskritik
| ein Text von Horst Brandenburg, Freiburg i.Br. Vor Sinwel's Bildern steht man nicht. Man fliegt in sie hinein, so jedenfalls will es die Perspektive. Dunkle Flächen stürzen auf den Betrachter zu, die Masse Land ergeht sich unfassbar dem Horizont entgegen, verengt den Himmel zur schmalen Spur am oberen Bildrand, stürzt ihn beinahe über die Kante. Der Anflug rührt das Innere. Der Blick zerfließt, Ecken sind nicht mehr auszumachen, definierende Konturen schwingen leise. Die Szenerie ergießt sich einmal träge, breiig, im Vordergrund jedoch zersetzt sie sich mitunter in fuchtelnd pulsierendes Strichgewirr. In Sinwel’s Bildern geht es um Landschaft, seine Landschaft. Dabei liegt der Schwerpunkt nicht auf dem Begriff "Land", sondern der zweite Teil des Wortes "schaft" erfasst die Fragestellung, die den Bildern zugrunde liegt. Die Frage nach dem Wie, der Beschaffenheit, steht den Arbeiten voran. Seine malerischen Antworten umschreiben die Landschaft durchwoben vom Ich, Seelenlandschaften also. Aber nur nach aussen gekehrte Innerlichkeit, beschreibende Expressivität genügt ihnen nicht. Denn sie wühlen sich auch in die Seelen der Betrachter. |
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| Kartonobjekt, 2000, div. Materialien,
40 x 40 x 10 cm |
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| Sinwel's Sinnwelt | ein
Text von Ulrich Horstmann, Marburg a.d.Lahn Wolfgang Sinwel arbeitet vorwiegend nachts. es macht sein Werk verständlicher, wenn man meterdicke Mauern um diesen gastfreien und zugänglichen Menschen herumphantasiert, und - wo wir gerade bei unfreundlichen Akten sind - mit der Einbildungskraft die vertraute Aussenwelt zerbombt, verseucht, in Schutt und Asche legt. Alles wüst und leer, ja, so muß man sich die Ausgangsposition seiner Malerei vorstellen; nur ein Schutzraum und darin eine einzige Menschenseele. Sie malt bis ans Ende ihrer Tage und bedeckt die Wände - nein, nicht mit Verdoppelungen der auswärtigen Katastropen, sondern, wie sich das im wüsten und leeren gehört, mit Anfängen und Schöpfungsgeschichten. |
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| Links: Uferströmung, 2004, Öl auf
Leinwand, 120 x 100 cm Rechts: Der Strömung folgen, 2002, Öl auf Leinwand, 120 x 120 cm |
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| Links oben: Der Strömung folgen
# 5, 2002, Öl auf Leinwand, 80 x 80 cm Rechts oben: Der Strömung folgen # 2, 2002, Öl auf Leinwand, 80 x 80 cm Links unten: Schwebezustand, 2001, Öl auf Karton, 45 x 45 cm Rechts unten: Der Strömung folgen # 4, 2002, Öl auf Leinwand, 80 x 80 cm |
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| Mit beiden Beinen fest in
der Luft stehen | Wolfgang Sinwel, Wien
seit ca. 1977 hat sich die malerische arbeit kontinuierlich, in kleinen, aber logischen schritten weiterentwickelt. hauptbeweggrund ist und bleibt der versuch, ein weltbild zu erarbeiten, wobei der doppelte wortsinn durchaus als teilaspekt gesehen (gehört) werden muß. ausgehend von im ersten moment profan erscheinenden landschaftsbildern hat sich die thematik im wahrnehmungswechsel von nahe und fern, distanziert und verinnerlicht entwickelt. der horizont wird metapher für den geistigen horizont, wasser vermittelt dichte, oszillierende bewegung, satellitenbilder werden uns immer geläufiger und tragen doch loslösung in sich, eine distanzierung, die in den vordergründig geschichten erzählenden figurativen arbeiten erst nach längererer betrachtung bewußt wird. die arbeit am bildschirm pendelt zwischen dem versuch, den rechner gleich einem klassischen malutensil zu nutzen aber ebenso dem kreativen schaffen in zunehmendem maße über neue medien zur präsenz zu verhelfen. |
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Wolfgang
Sinwel, 1954 in Wien geboren, ist seit
Beendigung des Studiums der Malerei ( Akademie
der Bildenden Künste in Wien, Meisterklasse Hausner
mit Diplomabschluss als freiberuflicher Künstler
tätig. Seine thematische Auseinandersetzung mit
"Weltbildern" setzt er in unverkennbarer
Weise um und ist dabei in bestem Sinn als Einzelgänger
in der aktuellen Kunst anzusehen. |
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| 1977
erhält er den Kardinal-König-Preis
für Meditative Kunst, 1980 wird ihm das Romstipendium
des Ministeriums für Unterricht und Kunst zugesprochen.
Theodor-Körner-Stiftungspreis,
Ankäufe durch das BMUK, die Albertina, das Kulturamt
Wien und Linz, Ankäufe durch den FRAC-Alsace
(Elsass/Frankreich), durch die Kunstförderung
des Landes Baden-Württemberg/BRD) und die Präsenz
in diversen Privatsammlungen ergänzen seine
regelmässige Ausstellungstätigkeit. |
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| Auswahl an Ausstellungsaktivitäten
der letzten Zeit: 2004 Galerie Bruleé, Strasbourg/Frankreich • Galerie Angerer, Vomperbach • Galerie Exner, Wien • Galerie Wild, Frankfurt/D • Angerer Gallery, New York • Galerie Schmalfuss, Marburg a.d. Lahn/D • Galerie ARThotel Billie Strauss, Kirchheim-Teck/D • ART Frankfurt • 2003 Galerie Thomas Hettlage, München/BRD • Galerie Wild, Frankfurt/BRD • Galerie Moderne, Bad Zwischenahn/D • ART Innsbruck • Galerie Schmalfuss, Marburg a.d. Lahn/D • Galerie Gottschick, Tübingen/D • 2002 ART Vienna • Künstlerhaus Wien • Galerie Gottschick, Tübingen/D • 2001 Galerie Manik, Wien • Künstlerhaus Wien • Cite Scolaire, Schirmeck - Alsace/F • 2000 Galerie La Coupole, Wien • Flughafen Wien für "die MÖWE" • ART Frankfurt • 1999 Galerie M.Beck, Homburg-Saar/D • ART Frankfurt • Künstlerhaus Wien • ART Innsbruck • 1998 ART Gent/B • Galerie Bruleé, Strasbourg/F • virtuelle Galerie Julia Philippi • ART Frankfurt • FRAC Alsace • 1997 Austrian Airlines, Flughafen Wien Schwechat • Kulturzentrum bei den Minoriten, Graz • ART multiple, Düsseldorf/D • Institut IFRA, Darmstadt/D • 1996 Schloss Weitenburg-Starzach, Baden-Württemberg/D • Kunstverein Horn • 1995 Portfolio KunstAG - Wittgensteinhaus, Wien • ADEUS, Strassbourg/F • Kunstverein Kirchzarten/D • weiters in den vorangegangenen Jahren: Galerie Pensa, Basel/CH • Galerie Strauss, Stuttgart/D • Ramat Gan Museum, Tel Aviv/Israel • Schloss Rimsingen bei Freiburg/D • Galerie Phoenix, Limburg a.d. Lahn/D • Galerie Walther, Düsseldorf/D • NÖ-Gesellschaft, Wien • Kunstverein Freiburg i.Breisgau/D • Neue Galerie Wien • Galerie Hofstäckl, Linz • BAWAG Foundation, Wien • Galerie Brandstätter, Wien • ART Basel • Galerie Freund, Klagenfurt • u.a.m. |
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| Golden Slumber, 8-teilig, 2004 - Öl auf Holzkästen, gesamt 50 x 240 cm | |
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| atelier wolfgang sinwel 1030 wien -apostelgasse 2-14/7/85 telefon/anrufbeantworter/fax +43.1 - 715 96 32 • mobil +43 6991 715 96 32 e-mail adresse: office@sinwel.com home: www.sinwel.com atelierbesuche nur nach terminabsprache möglich |
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