Beiträge zur geistigen Situation der Gegenwart  Jg. 7 (2006), Heft 3


 

Paul Ernst heute

Ansprache von Ralf Gnosa zur Eröffnung der Paul-Ernst-Ausstellung am 11. Oktober 2005 in der Universitätsbibliothek Regensburg

 

Meine sehr geehrten Damen und Herren!

Es freut mich sehr, daß sie so zahlreich zu dieser Ausstellungseröffnung erschienen sind – denn natürlich weiß ich, daß dies alles andere als selbstverständlich ist. Seit 15 Jahren befasse ich mich nun mit Paul Ernst und so weiß ich nur zu gut, daß es keineswegs selbstverständlich ist, Paul Ernst und sein Werk heute zu kennen, zu lesen – oder eben sogar zu schätzen. Genauso weiß ich allerdings – und das weiß „man“ heute wohl nicht immer und überall – daß Paul Ernst einer der bedeutendsten Dichter seiner Zeit war und daß die Beschäftigung mit ihm nicht nur lohnend, sondern daß sie bereichernd ist. Es gibt nicht viele Autoren, deren Oeuvre dem seinen an Umfang, Vielseitigkeit und Tiefgang vergleichbar ist.

Ernsts Leben und Werk ist spannungsreich, ja oft paradox: er ist ebenso Atheist gewesen, der eine „gottlose Frömmigkeit“ erstrebte, wie überkonfessioneller Christ, Marxist wie konservativer Revolutionär, Tragödien- wie Komödiendichter, Idealist wie manchmal geradezu brutaler Realist, Verfasser einer Schrift über „Die Zerstörung der Ehe“ wie dankbarer Inanspruchnehmer des Scheidungsrechts, geschätzt von einigen Rechten und einigen Linken, vor allem aber von allen Seiten eifrig befehdet: wählte er doch den einzigen angemessenen Platz für einen freien, unabhängigen und verantwortungsbewußten Geist, den Platz zwischen allen Stühlen.

Freundschaften, die oft schließlich zerbrachen oder versandeten, verbanden ihn z.B. mit Arno Holz und Johannes Schlaf, Karl Scheffler, Wilhelm von Scholz, Georg und Gertrud Simmel, Luise Dumont, Georg Lukács, Leopold Ziegler, Otto Stoessl und vielen anderen. Der Kunstkritiker Karl Scheffler, vielleicht sein engster und wichtigster Freund über 25 Jahre, schrieb freilich, als er 1931 den Schlußpunkt unter diese Freundschaft setzte: „Paul Ernst hat es seinen Freunden nie leicht gemacht.“ – Man kann das vielleicht auf seine Leser übertragen: er bietet einen unglaublichen Reichtum – der die Leser überfordert hat und noch überfordert; ein Umstand, unter dem er, von starkem Wirkungswillen, zeitlebens sehr gelitten hat. So sagt er einmal in seinen „Erdachten Gesprächen“:

„…oft ist es mir seitdem begegnet, daß mein Herz in das Herz eines andern Menschen fließen wollte, aber bei dem andern Menschen war nur irgend so ein Muskel, ein praktischer Muskel, der das Blut treibt und notwendig ist für die Wirtschaft des Körpers. Sie verstehen das, mein Freund, was das für ein Erlebnis ist? Ich habe mein Herz auf den Händen getragen, lange Jahre; ich wollte es den Menschen schenken; niemand hat gesehen, daß ich es auf den Händen trug. Nun weiß ich nicht mehr, ich alternder Mann: trage ich es noch auf den Händen? Zuweilen scheint es mir fast so, dann muß ich selber über mich lachen.“

Paul Ernst hat bis zu seinem Tod nicht aufgehört, es auf den Händen zu tragen; das Publikum wiederum hat in der Mehrheit nie aufgehört, sich diesem Geschenk zu verweigern. – Es gehört ja übrigens etwas dazu, sich beschenken zu lassen; die Fähigkeit, ein großes Geschenk anzunehmen ist vielleicht weit seltener als die, ein solches zu bereiten.

Allerdings wäre Paul Ernst nicht Paul Ernst, wenn er nicht auch aus dieser Situation noch etwas Positives zu ziehen vermocht hätte. In seinen Erinnerungen heißt es einmal:

„Daß ein Mann, der im vollen Sinn Dichter ist, in keiner Zeit das haben kann, was man Erfolg nennt, ist ja wohl selbstverständlich. Er muß notwendig von den Zeitgenossen als der allgemeine Feind betrachtet werden. Aber diese sogenannte Verkennung ist notwendig für ihn, denn sie erleichtert es ihm, sich von der Bedingtheit seiner Zeit frei zu machen und zum Allgemein Menschlichen vorzudringen.“

Er erstrebte leidenschaftlich den Erfolg für sein dichterisches Werk, Wirkungswille und dichterisches Sendungsbewußtsein waren bei ihm stark ausgeprägt; er durchlief experimentierend manche Stilrichtung, den Naturalismus, die Neuklassik, deren eigentlicher Hauptvertreter (und vielleicht einziger wirklicher Vertreter?) er ist, man hat ihm Etiketten aller Art anzupappen versucht von Neuer Sachlichkeit bis Expressionismus, von Heimatkunst bis klassizistischem Epigonentum, im Dritten Reich hat man ihn als „völkischen Autor“ rezipiert – aber all diese Etiketten versagen bei ihm, sie reichen nicht zu, er entzieht sich mit seinem sperrigen und reichhaltigen Werk solchen Kategorisierungen und bringt munter alle literarhistorischen Schubfächer zum Klemmen – die Literaturgeschichte hat sich freilich zu rächen gewußt, indem sie über Generationen falsche Klischeevorstellungen durch Abschreiben von einer Literaturgeschichte in die nächste tradiert hat oder – immer häufiger: ihn einfach verschweigt…

Was aber, um zum Titel „Paul Ernst heute“ zu kommen, kann man von ihm lernen? Was macht ihn spannend?

Da sind zunächst einmal die unendlichen Querbezüge. Von Paul Ernst als literarischem Zentralgestirn kommt man in der Literatur etwa der Zeit von 1890 bis 1950 fast überall hin, nicht nur literarisch, auch politisch, auch philosophisch, selbst soziologisch (mit den Ahnherren dieses Faches, mit Simmel, Weber, Tönnies und Sombart, war er befreundet oder bekannt). Wie viel ich durch Paul Ernst gelernt, vor allem auch kennengelernt habe, das nichts direkt mit ihm zu tun hat, kann ich gar nicht sagen. „Eng“ wird man durch ihn sicher nicht, gewinnt vielmehr notwendig einen weiten Horizont – zumal er ja auch in den Literaturen anderer Zeiten und Sprachen kundig war, besonders in der altitalienischen Literatur, hin jedoch bis zur indischen und chinesischen!

Hat man aber einmal den Zugang in seinen Kosmos gefunden, erfährt man von fast allem, was er geschrieben hat, Anregung und Bereicherung. Das heißt keineswegs, daß man allem zustimmen müßte oder auch nur könnte. Nein, er ist sperrig, er ist provokant – es gibt vieles, das Widerspruch herausfordert – und zudem: er hat sich leidenschaftlich gerne selbst widersprochen – warum sollte man dies also nicht auch tun dürfen? Nein, entscheidend ist etwas anderes, das ich immer mit drei Worten zu bezeichnen versuche: „Er ist Einer.“ – Wie viele Menschen trifft man, von denen man das sagen könnte? Meist ist man schon dankbar, zumindest einmal einem Halben zu begegnen (nehmen sie’s nicht für Dünkel, ich schließe mich da mit ein!).  Und so kann man von Paul Ernst auch Mut und Konsequenz lernen. Er hat seinen ganzen Menschen rückhaltlos zum Einsatz gebracht und zugleich verleitet er doch keineswegs zu Fanatismus, Sektierertum und philiströser Selbstgerechtigkeit – einmal heißt es klug bei ihm: „Der Mensch ist das Tier, das sich selbst belügt“ und über den Idealismus, der ihm selbst ja gewiß nicht fremd war, schreibt er einmal warnend, oft sei er lediglich eine Krücke für Schwächlinge:

„Es ist sehr leicht, Überzeugungen zu haben. Es ist auch nicht allzu schwer, nach diesen Überzeugungen zu leben. Aber ohne die Krücke der Überzeugungen einen Weg zu gehen, der in der Unendlichkeit zu Gott führt, das ist sehr schwer.“

Was ich mit Mut und Konsequenz meine, möge ein Zitat aus einem Brief an den Freund Karl Scheffler bezeugen, der aus der Zeit stammt, als Paul Ernst an seinem „Kaiserbuch“ arbeitete, einem Versepos in einer zunächst fremdartig anmutenden Versform von etwa 90000 Versen in 6 Bänden, an dem er ein Jahrzehnt gearbeitet hat, obwohl er wußte, daß es kein Verlag drucken wird. Karl Rupprecht und Benno Gimkiewicz, Freunde und Verehrer Ernsts, aber auch andere, wie Richard Knipping, Karl Freytag, Willy Bergmann und Josef von Lukács, der Vater von Georg Lukács, finanzierten den Druck im Rahmen einer „Vereinigung für die Paul-Ernst-Spende“. – Im Brief an Scheffler vom 3.8.1921 heißt es nun, reagierend auf dessen Vorschlag, zum Geldverdienen zwei Jahre nach München zu ziehen und eine Weltliteraturgeschichte zu schreiben (Paul Ernst war einer der wenigen, der das gekonnt hätte!):

„Lieber Freund, Sie sind ja mit so vielen Künstlern befreundet; jeder Künstler ist ein Narr, oder (höflich gesagt) hat seinen Dämon. Hätte ich nicht meine Narrheit, ich könnte es doch ganz gut haben, meine Frau wäre nicht krank geworden – aber wir Beide tauschen nicht. Und nun machen wir uns die Sache einmal ganz klar: ich soll in München 2 Jahre leben und durch Schreiben eines mir gänzlich gleichgültigen Buches dieses Leben verdienen. Wozu lebe ich denn dann? Um zu schreiben, daß ich lebe. Nein, lieber bin ich ein Narr (oder folge meinem Dämon), wir hungern Beide Etwas, und wissen doch, wozu wir leben.

Sie meinen, ich sehe die Dinge nicht, wie sie sind, sondern wie ich sie sehen will: wie, wenn die Dinge aber überhaupt nur sind, was Einer will, daß sie sein sollen? ich bin eigentlich dieser Ansicht.“

Ernsts rigorose Ausführungen führten zu Mißverständnissen Schefflers, die dieser brieflich artikulierte; Ernst führte seine Position daher im folgenden Brief vom 13.8.1921 weiter aus, um sich dem Freund verständlich zu machen:

„Nun arbeite ich jetzt an meinem Epos. Wenn ich vom Tisch aufstehe, dann bin ich so müde, daß ich Nichts mehr tun kann. Heute z.B. wo ich diesen, mich tief bewegenden Brief schreibe, wird voraussichtlich Nichts von ihm fertig; ich schreibe am Morgen. Sollte ich jene Literaturgeschichte schreiben, so könnte ich nicht einen Vers des Epos machen. Denn Sie müssen bedenken: es handelt sich darum, eine ganze Welt aus dem Nichts zu schaffen. Das Darstellen, das Dichten im engeren Sinn, ist eine ganz kleine Nebenarbeit: die ungeheure Anstrengung ist, mit der Phantasie überhaupt erst Plan, Geschehnisse und Personen zu sehen. Was vorliegt, ist nur ziehendes Wolkengebilde.

Es ist mir doch völlig klar, daß ich, verstandesmäßig betrachtet, einen Unsinn begehe. Das Epos wird 6 Bände à 400 Seiten zu 35 Zeilen etwa umfassen. Wer soll das lesen? Wer soll es überhaupt nur drucken? Es ist mir auch klar, daß die Aufgabe vielleicht überhaupt für einen Menschen zu schwer ist, nämlich das Übersetzen politischer Verwicklungen in Dichtung. In älteren Zeiten war es so, daß diese Übertragung bereits vom Volk gemacht war, daß der Dichter nur zu sagen brauchte, was das Volk bereits dachte.

Wenn ich trotzdem die Arbeit tue, und zwar so, daß ich nicht nur selber Opfer bringe, sondern auch von meinen Angehörigen Opfer verlange – ich könnte unsere Lage einfach verbessern, ja, ganz wünschenswert gestalten, wenn ich hier bleibend eine Brotarbeit machte etwa von der Art, wie Sie mir vorschlagen - , dann muß irgend etwas Höheres sein, dem ich mich fügen muß. Sie sprechen von Dämon. Gut, behalten wir das Bild. Mein ungeheures Glück, das Glück, das nur Wenigen beschieden ist, ist, daß ich die Stimme meines Dämons höre. Ich habe sie nicht immer gehört, aber jetzt bin ich so weit.

Vor einem Vierteljahr kam ich auf die Idee eines Lustspiels in Prosa aus der Gegenwart (Schieber, Politiker etc.), mit dem ich viele Hunderttausend hätte verdienen können. Vielleicht waren die Hunderttausend ein Wahn, jedenfalls glaubte ich an ihn. Es wäre nicht schlechter geworden, als etwa meine ersten Einakter. Nun, die Hunderttausende lockten mich, ich begann die Arbeit, nach etwa zwei Stunden war ich fast krank vor Überdruß, Schwermut und Bitterniß; ich zerriß das Geschriebene, lief den Rest des Tages hinaus, und begab mich am andern Morgen wieder an mein Epos.“

Was man auch von Ernst lernen kann, ist ganz schlicht: Fleiß! Selbst wenn man alles an und von ihm verwirft, die enorme Arbeitsleistung seines Lebens ist unleugbar – und wurde u.a. von Franz Kafka gewürdigt! Ernst hat sich buchstäblich verbraucht, „totgearbeitet“ darf man wohl sagen – und meines Erachtens sieht man dies späten Bildern von ihm an.

Paul Ernst hat sich immer seine Freiheit bewahrt und dafür manches Opfer gebracht – eine Formulierung, die er übrigens wohl abgelehnt hätte, denn er hätte es wohl nicht als Opfer aufgefaßt, sondern als etwas ihm Selbstverständliches – vielen wohl eine fremdartige Vorstellung…! Emil Ermatinger hat über ihn gesagt: „Sein Werk gleicht einem Meteorstein in einem Ameisenhaufen: in der Glut einer siderischen Katastrophe entstanden, aus dem Jenseits des reinen Geistes in unser Tagesgewimmel hereingefallen, verkündet die Festigkeit seiner Gestalt uns Ungewohntes.“

Solch ein Meteorstein ist er stets geblieben, hat dabei stets die Kunst, sich Feinde zu machen, in außergewöhnlichem Maße beherrscht – und sie auch praktiziert. – Im erwähnten Brief an Scheffler schreibt er – und das ist Paul Ernst im Extrakt: „Soll ich nun an meine Brust schlagen und sagen: ich habe selber Schuld, es ist ein Fehler, daß ich durchaus ein Dichter sein will in einer Zeit, die nun denn einmal so beschaffen ist, daß sie den Dichter überhaupt nicht braucht?“

Nun – das hat er wahrlich nicht getan. Für ihn gilt gewiß Nietzsches „Nur Narr, nur Dichter“, sinngemäß oft von ihm variiert.

Die Zeit gestattet es nicht, Ihnen eine Erzählung Ernsts vorzutragen, was ich mir schweren Herzens also versage. Stattdessen erlaube ich mir, zwei Gedichte und Briefauszüge zum Vortrag zu bringen.

Das späte Gedicht „Verzweiflung und Gebet“ zeigt, wie auch im späten Ernst Nihilismus und Lebensangst vorhanden bleiben, denen aber ein – schwer errungener und verletzlicher – Glaube gegenübersteht; es erschüttert in seiner nüchternen Klarsicht, reflektiert Ernsts Weltsicht und Schaffensweise und läßt spürbar werden, wie schwer dieses Dichterleben wirklich war.

Verzweiflung und Gebet

Es spannt die Nacht sich über Feld und Wald;
Im Sternenlicht undeutlich alles steht;
Das Fenster öffne ich; draußen ist es kalt,
Und feiner Schnee ins warme Stübchen weht.

Kein Laut im weichen Schnee, kein Laut und Licht,
Mein Lämpchen brennt in dunkler Einsamkeit;
Es fällt der Schnee im Dunkel fein und dicht.
Nun war doch noch der Tag! Ist noch die Zeit?

Ich weiß, es deckt mein Hausdach Weib und Kind;
Ich weiß, die liegen still in Schlaf und Traum.
Ist das denn wahr? Im Stalle klirrt ein Rind.
Ich bin doch nicht allein im toten Raum!

Still ist’s im Haus, und still ist’s in der Welt.
Doch Welt und Haus sind sicher außer mir.
Von fern ein Laut. Ein Hündchen eifrig bellt.
Da rührt sich auch mein Hund vor meiner Tür.

Wie ist mir denn! Weit liegt die große Stadt.
In hellen Straßen wimmeln Menschen dort.
Da ist’s, wo Jeder Haß auf Jeden hat.
Da brüten Diebstahl sie, und Raub und Mord.

Die Häuser hoch in Straßenzeilen lang.
Ein Haus dem andern gleich, dem andern gleich.
In jedem Haus die Menschen hungernd, krank,
In Wut ohnmächtig, und von Sorgen bleich.

Geklirr, Geheul, Gerassel, Feuer, Dampf;
Es wälzt sich durch die Straßenzeile hin;
In Helligkeit und Dunkel Blut und Kampf;
Und krachend, splitternd Mauer und Kamin.

Wie Kartenhäuser umgeweht die Stadt
Unordentlich nun liegen muß und tot;
Hier hügelt Mauerschutt. Gehoben hat
Sich dort ein Bäumchen. Dort schillert Sumpf und Kot.

Dort muß auch morschen menschliches Gebein,
Ein Totenschädel kahl, und rund, und leer.
Da lebten Menschen einst! Wie kann das sein!
Mein kleines Licht, und Nacht ist’s um mich her.

Am Himmel fern und hoch die Sterne stehn;
Undeutlich, ungetüm ist Busch und Baum;
Nun hab ich doch an Gott geglaubt. Es wehn
Gleichgültig Bilder hin durch meinen Traum.

Da ist mein Volk, hab ich gemeint, gemeint.
Wo lebt es denn? Das hab ich nur gedacht.
Ich kann ja doch nichts tun. Mir scheint, mir scheint,
Am Himmel Sterne sind. Es ist nur Nacht.

Ich kann ja doch nichts tun, ich kann nichts tun,
Nichts tun, als daß ich nachts am Fenster steh,
Und daß ich glaube, daß noch Menschen ruhn;
Durchs Fenster aber weht der kalte Schnee.

Und wenn die Welt nicht ist, ist auch nicht Gott.
Kann ich nichts tun, dann bin ich auch allein.
Und denk ich: Ich, ist das ein leerer Spott.
Nur weil ich glaubte, konnte ich doch sein.

Nun berg ich denn im Kissen das Gesicht.
Aus meinem Herzen brechen Tränen hoch.
Furchtbar, o Gott, furchtbar ist dein Gericht.
Nur weil ich weine, weine, bin ich doch.

Nun war in meinem Geiste doch ein Sehn,
Das kleine Elternhaus, die kleine Stadt;
Ich weiß ja nicht: wie konnte nur geschehn,
Daß alles, alles sich verloren hat!

Tot ist mein Vater, meine Mutter tot;
Nicht viele leben noch, die sie gekannt;
Ihr Blut fließt doch in mir. Das ist doch rot.
Und meine Kinder gehn an meiner Hand.

Wo Kinder sind, da müssen Enkel sein;
Wo Enkel sind, da wird gelebt. Das Blut
Der Ahnen in die Zukunft fließt hinein.
Ich weiß, daß nebenan mein Kind doch ruht.

Mein Kind, das ist doch. Fern ist Blut und Rauch.
O, gib mir, Gott, daß ich dich glauben kann.
Du brauchst ja Glauben nur. Ich glaube auch.
Bin ich ungläubig, sieh mich gütig an.

Mein Volk ist nicht. Ich glaube, daß es ist.
Ich bin ja nicht allein. Ich glaube dich.
So ist mein Volk, weil du, mein Gott, ja bist.
Gott, gütig blicke auf mein Kind und mich.

Zwei Briefauszüge möchte ich ihnen vortragen, um ein anderes, hartnäckiges Klischee ein wenig zu erodieren, nämlich das von Paul Ernst, der als Hitleranhänger oder begeisterter Nazi gestorben sei – was großer Unsinn ist. Natürlich gibt es wieder einmal widersprüchliche Aussagen von ihm und ein überzeugter Demokrat war er wohl nie. Gerade gegen Ende der Weimarer Republik aber entwickelt er sich, nachdem er in den frühen zwanziger Jahren die Republik hart attackiert hatte, zu so etwas wie einem „Vernunftdemokraten“, unterstützte Brüning, votierte für Hindenburg und gegen Hitler als Reichspräsident und war für eine nationalsozialistische Regierung nicht zu begeistern. Zumal deren Antisemitismus war ihm fremd, ja zuwider.

All dies ist nicht gesagt, um Paul Ernst zu verteidigen; eine Verteidigung hat er wahrlich nicht nötig. Es ist als sachliche Richtigstellung zu verstehen.

Der erste Brief vom 8.1.1931 ist an den Pfarrer Georg Noth (1890-1966) gerichtet, einen Freund Ernsts, der ihm 1933 die Grabrede hielt und der sich, von seiner Gemeinde geliebt und verehrt, in Breslau im Dritten Reich als furchtloser Pfarrer der Bekennenden Kirche ausgezeichnet hat. 

„Hochverehrter Herr Pfarrer,

(…) Von den Nat. Social. wußte ich eigentlich, wie Sie sich denken können, gar Nichts. Ich hatte mir ein Bild gemacht von Hitler, der gewiß ein aufrechter, ordentlicher Mann ohne Falsch ist, der sich nicht überhebt, einen richtigen Instinkt hat. Ich habe es immer bedauert, daß dieser Mann nicht rechtzeitig Männer von Urteil und Wissen fand, die ihn leiten konnten und dachte, daß es jetzt noch möglich sein könne, daß so Etwas sich bilde. Aber wenn sich schon ein Bonzentum eingerichtet hat, dann ist es zu spät. Ist Göring, der mit ihm rivalisiert, der, welcher das Drama über die Seeschlacht oder so Ähnliches geschrieben hat? Den habe ich einmal flüchtig kennen gelernt; er wirkte sehr sympathisch.

Ich habe mit Günther (Rassenkunde des deutschen Volkes) eine Beziehung bekommen und habe durch ihn eine Fühlung mit Frick eingeleitet. Ihre Warnungen haben mich sehr stutzig gemacht, und ich werde mich sehr reserviert verhalten. Günther selbst ist natürlich kein Gelehrter; aber er ist etwas Anderes, das man sehr schätzen muß. Wie weit die Rassentheorie für höhere Zwecke zu verwenden ist, scheint mir ja fraglich zu sein; ich sehe eigentlich keinen Unterschied zwischen der Lehre, daß Jemand seine ganze „Persönlichkeit“ von Papa und Mama her hat und der Lehre, daß er sie aus der Umwelt bezieht. Ich kann auch die romantische Verhimmlung der „nordischen Rasse“ nicht so mitmachen, ich finde in ihr manches Haar u. glaube vor allem, daß das Idealbild, das diese Leute zeichnen, lediglich den Typus einer gewissen socialen Schicht darstellt, die sich unter gleichen Verhältnissen bei den Zulukaffern ebenso bildet, wie bei den blondesten Germanen. Immerhin: ich nahm an, daß sehr gutes Material von Menschen in der Bewegung sei, und daß nur die eigentliche Führung fehle. Aber nach dem, was Sie mir schreiben, ist das kein Zufall – was ich mir freilich selber hätte sagen müssen. Ich habe im Leben so ziemlich als einzige Regel gefunden, daß man sich mit dem Teufel nicht einlassen soll; und nach dem, das Sie schreiben, scheint so eine Art von Philisterteufel doch in der Bewegung zu stecken. Da wird es denn also besser sein, die Hände fern zu halten. Ich werde die Fäden, welche gesponnen sind, nicht abreißen; aber ich sehe schon voraus, daß sie zu Nichts führen werden. Ich danke Ihnen und Stefke, der mir schon ähnlich schrieb, herzlich für die Warnung.

Es kommt mir bei Stahlhelm wie bei Nat. Soc. nur darauf an, daß ein Zugang zum Volk gefunden wird. Wenn der Stahlhelm sich des „Heiland“ annimmt u. ihn in seinem Kreis verbreitet, so würde ich glücklich sein, denn dann findet das Buch sich schon weiter. Bedenklich ist mir nur immer die Ungeistigkeit der guten Leute. Wenn man nur erst so weit ist, daß sie überhaupt hören und lesen! ...

Ihre Gegenüberstellung Christ – Antichrist scheint mir sehr tief zu sein. Diese Idee des Antichrist wäre sehr schön auszuarbeiten; man muß ihn ebenso wie den Christ, immer in jeder neuen Zeit neu finden. Ich kann mir durchaus vorstellen, daß eine Zeit sehr bald kommt, wo man die Nat. Soc. als den Antichrist bezeichnen muß. Ich dachte mir, daß man sie aus der Gefahr herausreißen kann. Aber wenn schon die „Organisation“ und der „Bonze“ da sind, dann wird es nicht mehr gehen. Wie viel gute Leute stecken bei den Communisten!“

Der zweite Brief vom 25.7.1931 ist an einen jungen Verehrer Ernsts von der entgegengesetzten Seite gerichtet, an Hellmuth Langenbucher (1905-1980), damals Lektor bei Langen/Müller, später als Literaturkritiker und –historiker der Literaturpapst des Dritten Reiches („Volkhafte Dichtung der Zeit“ usw.), daneben Herausgeber von Ernst-Auswahlbänden. Dem jungen Nationalsozialisten also schreibt Ernst Folgendes:

„(…) Ich möchte gleich auf Ihre Bemerkungen über die Juden antworten. Vor allem bedenken Sie folgendes: Es ist nicht unmöglich, daß das deutsche Volk in eine ähnliche Lage kommt wie das jüdische. Unser Land ist zu klein, und unsere Kinder müssen zu anderen Völkern ziehen, um dort zu leben. Sie werden dort genauso angesehen, wie bei uns die Juden. Ich habe das auf einer russischen Reise schon mit 20 Jahren erlebt, und das hat mich vor dem Antisemitismus bewahrt. Heute lebt mein ältester Sohn, ein kluger, tüchtiger und guter Mann, in Nordamerika, weil er in Deutschland mit seiner Arbeit sein Brot nicht verdienen konnte. Soll ich wünschen, daß er und seine Kinder – wenn er heiraten sollte in der Fremde – zu Amerikanern werden? Und wenn sie es nicht werden, dann bleiben sie fremde Volksangehörige in Amerika – wenn sie da etwa am kulturellen Leben teilnehmen, die doch etwas anderes sind, als die Amerikaner, dann können diese sagen: sie wirken als Gift in unserem Volkskörper…

Gesindel gibt es in jedem Volk. Vielleicht ist mancher heute erstaunt, daß es bei uns Deutschen mehr gibt, als er vor der Revolution geahnt hat. Unter den Juden gibt es besonders viel, das erklärt sich aus ihrer Lage, wie sich die Masse des heutigen Gesindels bei uns aus unserer heutigen Lage erklärt… Wird das nun durch antisemitische Bekämpfung besser? Es wird nur schlimmer. Jeder Haß macht den Gehaßten schlechter, den Hassenden auch. Und dann kommt schließlich die Selbstzerfleischung des Volkes, die wir heute erleben, zu der noch Pogrome kommen werden, wenn erst der Höhepunkt erreicht ist.

Mein Kaiserbuch wurde zum Druck gebracht durch vier Männer. Von diesen haben zwei das Wichtigste getan, und die waren Juden. Die Judenfrage wird gelöst sein, wenn wir eine Gesellschaft schaffen, in welcher die Juden mit ihrer fremden Volksart und ihren fremden Fähigkeiten mitschaffen können. Diese Gesellschaft müssen wir Deutsche schaffen.“

Heimgekehrt von seiner letzten Vortragsreise durch Deutschland im Winter 1932/33, deren Eindrücke widersprüchlich waren – die idealistische Aufbruchsstimmung in der Jugend bewegte ihn sehr, anderes bereitete ihm schwere Sorgen – schrieb Ernst im April 1933, bereits schwer krank, das letzte Gedicht seines Lebens, das seine Sorgen um Deutschland, ja, seine Verzweiflung erschütternd widerspiegelt:

„Ihr seid das Salz der Erde“, hast gesagt,
Als auf die Erde mich entließest, Gott.
Froh war ich, stolz, und habe nie geklagt.
Nun muß ich bitten, denn ich bin in Not.

Ich bin ein alter Mann und müder Mann.
Ich möchte flehn: „Nimm mich zurück zu dir.
Die Welt ist so, daß ich nicht leben kann.
Ich kann nicht Salz mehr sein. Was soll ich hier?“

Doch eine Sünde wäre das Gebet,
Denn Sünde ist es, wenn ein Mensch erschlafft,
Den Gott dahin gestellt hat, wo er steht.

Noch hab ich Nichts, das ich gesollt, geschafft.
Ich war nicht Salz bis nun. Dein Atem weht,
Mein Leben geht. Gib Kraft mir, gib mir Kraft.

Aber Ziel und Zweck meiner Ausführungen ist es ja, sie auf Paul Ernst neugierig zu machen, sie für ihn zu gewinnen – und so möchte ich denn nicht gar so resignativ enden und eine Äußerung aus seinen „Jugenderinnerungen“ an den Schluß stellen, die ja ebenfalls in seinen letzten Lebensjahren entstanden sind. Dort heißt es in Bezug auf seine Lehrer, über die er fast durchweg negativ urteilte, wie er überhaupt sehr unter der Schulzeit gelitten hat:

„Was hätte aus mir werden sollen, wenn ich auch noch kluge Lehrer gehabt hätte! Ich wäre verloren gewesen, ich wäre vielleicht ein nützliches Mitglied der bürgerlichen Gesellschaft geworden.“

Auch davor kann einen Paul Ernst also bewahren.

Damit danke ich Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit und wünsche Ihnen eine angenehme und anregende Bekanntschaft mit Paul Ernst.

Lebenstafel
Aus: Franz Maria Kapfhammer (Hrsg.): Paul Ernst. Der Weise von St. Georgen. Graz: Stiasny (=Stiasny Bücherei 166) 1966; die Biographie wurde unter Mitarbeit von Karl August Kutzbach erarbeitet.

1866   7.März: Karl Friedrich Paul Ernst als Sohn eines Grubensteigers in Elbingerode geboren
1871   Übersiedlung der Eltern nach Clausthal
1873   Aufnahme in die Septima des dortigen Gymnasiums
1885   Reifeprüfung am Gymnasium in Nordhausen
1885-1887 Theologiestudent in Göttingen und Tübingen. Religiöse Gedichte, Arbeit an einem autobiographischen Roman
1886-1887 Wintersemester in Berlin. Freundschaft mit den Brüdern Heinrich und Julius Hart und Teilnahme am literarischen Verein DURCH. Hinwendung zum Naturalismus und Sozialismus. Abkehr von der Theologie. Mitarbeit an sozialdemokratischen Zeitungen („Berliner Volks-Tribüne“ u.a.) und Zeitschriften („Die Neue Zeit“ u.a.), aber auch an der „Vossischen Zeitung“. Vorträge in Arbeitervereinen.
1889   März: früheste gedruckte Novelle „Feigheit?“. Anderthalbjähriger Aufenthalt in der Lungenheilstätte Görbersdorf/Schlesien
1890   Mitarbeit an der Zeitschrift „Freie Bühne“. Aufsätze über die Frauenfrage.  Briefwechsel mit Friedrich Engels. Heirat in Tomaschow mit der Russin Wera Kossenko. Schriftleiter der „Berliner Volks-Tribüne“
1891   Frau Wera stirbt kurz nach der Geburt eines Sohnes (der ein Jahr später ebenfalls stirbt). Freundschaftliche Beziehungen zu Arno Holz und Johannes Schlaf. Niederlage der „Jungen“ bei sozialdemokratischen Parteikämpfen; PE tritt daraufhin von der Schriftleitung zurück
1892   Promotion zum Doktor der Philosophie in Bern mit einer volkswirtschaftlichen Arbeit. Verwaltung von Gütern des Fürsten Salm-Reifferscheidt bei Brünn und Mitarbeit an dem Buch „Der Kapitalismus fin de siècle“ von Rudolf Meyer (1894)
1893-1895 Wissenschaftliche Studien, vor allem zum Untergang des Römischen Reiches, neben praktischer Arbeit in der Landwirtschaft als Gutsvolontär sowie in der Stadtverwaltung von Nordhausen. Entstehung von impressionistischer Lyrik und eines Schauspiels „Blätter vom Baume“
1895-1897 In Berlin-Wilmersdorf Flurnachbar von Arno Holz; nach anfangs enger literarischer Zusammenarbeit kommt es anläßlich der „Polymeter“ (dem ersten Gedichtband von PE, publ. 1898) zum Streit und zur Trennung. Umgang mit Richard Dehmel, Georg Simmel und Louise Dumont
1898   Uraufführung des Einakters „Lumpenbagasch“ in Berlin. Zunehmende Abwendung vom Naturalismus und aller Parteipolitik
1899 Zweite Ehe (mit Luise von Benda). Uraufführung der Stücke „Wenn die Blätter fallen“ und „Die schnelle Verlobung“ in Berlin
1900 Erste Italienreise (Florenz, Rom, Paestum). Begegnung mit Giottos Fresken und den altitalienischen Novellen, die zum künstlerischen Vorbild werden
1903 Übersiedlung von Berlin nach Weimar. dort freundschaftliche Beziehungen zu Wilhelm von Scholz und Samuel Lublinski
1903-1917 Vorwiegend dramatische und novellistische Schaffenszeit
1905-1906 Erster Dramaturg und Herausgeber der Theaterzeitschrift „Masken“ an dem von Louise Dumont und Gustav Lindemann neu eröffneten Düsseldorfer Schauspielhaus. Dort Uraufführung des Lustspiels „Eine Nacht in Florenz“. Beginn langjähriger Freundschaft mit dem Bibliophilen Hans von Müller und dem Kunstschriftsteller Karl Scheffler
1907 Uraufführung des Lustspiels „Der Hulla“ in Köln
1910 Uraufführung der Tragödie „Demetrios“ in Weimar. Erste Begegnung mit Georg von Lukàcs; Beginn einer folgenreichen Freundschaft
1911 Uraufführung von „Ninon de Lenclos“ in Dresden und von „Brunhild“ in München. Herausgeber der „Bibliothek der Romane“ im Insel-Verlag. Bis zum Ausbruch des Weltkrieges längere Aufenthalte in Italien, Frankreich, England und der Schweiz
1914 Uraufführung von „Ariadne auf Naxos“ in Weimar (dann Berlin), von „Ritter Lanval“ auf der Waldbühne in Friedrichsroda (Harz)
1915 Uraufführung von „Preußengeist“ in Weimar
1916 Übersiedlung nach Neustadt (Südharz). Dritte Ehe (mit Else von Schorn, geb. Apelt)
1917 Übersiedlung auf Gut Sonnenhofen bei Königsdorf in Oberbayern
1918 Uraufführung von „Manfred und Beatrice“ in Frankfurt/Main, von „Über alle Narrheit Liebe“ in Nürnberg und „Canossa“ in Stuttgart. Beginn von versepischen Werken: „Luther“, Versmärchen
1919-1928 Arbeit am Versepos „Das Kaiserbuch“
1924 Uraufführung von „Chriemhild“ (mit „Brunhild“) in Mannheim. Suche nach einer neuen Bleibe in Österreich
1925 Januar Besuch und Vortrag in Budapest. Im Frühjahr Übersiedlung auf das Schloß von St. Georgen an der Stiefing in der Steiermark
1927 Die zweite Ausgabe der Gesammelten Werke beginnt zu erscheinen (bis 1942 insgesamt 21 Bände). Uraufführung von „Der heilige Crispin“ in Bonn
1929-1933 Alterswerke: autobiographische Schriften „Jugenderinnerungen“ und „Jünglingsjahre“, Versepos „Der Heiland“, Gedichtkreis „Beten und Arbeiten“, Roman „Das Glück von Lautenthal“
1931 Uraufführung von „Kassandra“ in Weimar
1932-1933 Winterreise durch Deutschland; Tod am Morgen des 13. Mai 1933 in St. Georgen

 

Auswahlbibliographie der Werke von Paul Ernst
(Auf der Grundlage der von Karl August Kutzbach erstellten, 160 Nummern umfassenden Bibliographie in:  Gero von Wilpert u. Adolf Gühring: Erstausgaben deutscher Dichtung. Eine Bibliographie zur deutschen Literatur 1600-1990. 2., vollst. überarb. Aufl. Stuttgart: Alfred Kröner 1992, S.355-360.)

1 Leo Tolstoi und der slavische Roman. Berlin: Brachvogel (= Deutsche Litterarische Volkshefte 1) 1889
2 Lumpenbagasch. Im chambre séparée. Zwei Schauspiele. Berlin: Johann Sassenbach 1898
3 Polymeter. Berlin: Johann Sassenbach 1898
4 Sechs Geschichten. Leipzig: Insel 1900
5 Friedrich Nietzsche. Berlin: Gose & Tetzlaff (= Moderne Essays zur Kunst und Literatur 1) 1900
6 Wenn die Blätter fallen. Der Tod. Zwei Trauerspiele. Berlin: Johann Sassenbach 1900
7 Altitaliänische Novellen. 2 Bde. Hrsg. u. übs. von Paul Ernst. Leipzig: Insel 1902
8 Die Prinzessin des Ostens und andere Novellen. Leipzig: Insel 1903
9 Henrik Ibsen. Berlin: Schuster & Loeffler (= Die Dichtung 1) 1904
10 Der schmale Weg zum Glück. Roman. Stuttgart: Deutsche Verlags-Anstalt 1904
11 Demetrios. Tragödie in fünf Akten. Leipzig: Insel 1905
12 Eine Nacht in Florenz. Lustspiel in vier Aufzügen. Leipzig: Insel 1905
13 Sophokles. Berlin: Schuster & Loeffler (= Die Dichtung 37) 1905
14 Das Gold. Trauerspiel in vier Aufzügen. Berlin: Julius Bard 1906
15 Der Hulla. Lustspiel in vier Aufzügen. Berlin: Julius Bard 1906 (veränd. Fassung Berlin: Hyperion 1911)
16 Ritter Lanval. Lustspiel in drei Aufzügen. Leipzig: Insel 1906
17 Der Weg zur Form. Ästhetische Abhandlungen vornehmlich zur Tragödie und Novelle. Berlin: Julius Bard 1906 (übernommen vom Insel Verlag; 2. veränd. Aufl. Berlin: Hyperion 1915; 3., stark erw. Aufl. im Rahmen der Ges. Werke München: Georg Müller 1928)
18 Canossa. Ein Trauerspiel in fünf Aufzügen. Leipzig: Insel 1908 (veränd. Fassung München: Georg Müller 1922)
19 Brunhild. Trauerspiel in drei Aufzügen. Leipzig: Insel 1909
20 Die selige Insel. Ein Roman. Leipzig: Insel 1909
21 Über alle Narrheit Liebe. Lustspiel in drei Aufzügen. Leipzig: Insel 1909
22 Ninon de Lenclos. Trauerspiel in drei Aufzügen. Leipzig: Insel 1910
23 Ariadne auf Naxos. Ein Schauspiel in drei Aufzügen. Weimar: Ges. der Bibliophilen 1912
24 Ein Credo. 2 Bde. Berlin: Meyer & Jessen 1912 (veränd. u. erw. Fassung im Rahmen der Ges. Werke München: Langen/Müller 1935)
25 Der Tod des Cosimo. Novellen. Berlin: Meyer & Jessen 1912
26 Der heilige Crispin. Lustspiel in fünf Aufzügen. Berlin: Meyer & Jessen 1913
27 Die Hochzeit. Ein Novellenbuch. Berlin: Meyer & Jessen 1913
28 Manfred und Beatrice. Schauspiel in drei Aufzügen. Berlin: Verlag der Neuen Blätter (= Neue Blätter. Folge 3, Nr.6/7) 1913
29 Preußengeist. Schauspiel in drei Aufzügen. Leipzig: Reclam (= Reclams UB 5796) 1915
30 Saat auf Hoffnung. Roman. Berlin: Hyperion 1915
31 Die Taufe. Novellen. München: Georg Müller 1916
32 Gesammelte Schriften in 15 Bänden. München: Georg Müller 1916-22 (erschienen sind nur die Bde. 2-4 u. 7-13!)
33 Der Zusammenbruch des Deutschen Idealismus. Essays. München: Georg Müller (= Ges. Schriften 13) 1918 (erw. im Rahmen der Ges. Werke München: Langen/Müller 1931)
34 Der Nobelpreis. Eine Novellensammlung. München: Georg Müller (= Ges. Schriften 8) 1919
35 Der Zusammenbruch des Marxismus. München: Georg Müller 1919 (erw. Aufl. im Rahmen der Ges. Werke u.d.T. Grundlagen der neuen Gesellschaft München: Georg Müller 1930)
36 Komödiantengeschichten. München: Georg Müller 1920
37 Spitzbubengeschichten. München: Georg Müller 1920
38 Geist, werde wach! Ein Aufruf zur Revolution. München: Georg Müller 1921
39 Erdachte Gespräche. München: Georg Müller  (= Ges. Schriften 12) 1921
40 Chriemhild. Trauerspiel in drei Aufzügen. München: Georg Müller 1922
41 Occultistische Novellen. München: Georg Müller 1922
42 Zusammenbruch und Glaube. München: C.H. Beck 1922
43 Das Kaiserbuch. Ein Epos in drei Teilen (6 Bde.). Bd.1: München: Max Hueber 1923; Bde. 2-6: Ebersberg: Vereinigung für die Paul-Ernst-Spende 1926-1928 (revidierte Volksausgabe in 3 Bdn.: München: Langen/Müller 1935-36)
44 Der Schatz im Morgenbrotstal. Roman. Berlin: Horen 1926
45 Gesammelte Werke. 21 Bde. München: Georg Müller [ab 1931: Langen/Müller] 1928-42
46 Die Troubadourgeschichten. Das Liebesabenteuer der beiden Frauen. Berlin: Deutsche Buchgemeinschaft 1929
47 Der Heiland. o.O. [Breslau]: Zum Druck gebracht durch Freunde des Dichters 1930 (später von Georg Müller übernommen)
48 Jugenderinnerungen. München: Georg Müller 1930
49 Jünglingsjahre. München: Georg Müller 1931
50 Beten und Arbeiten. Gedichte. Breslau: Zum Druck gebracht durch Freunde des Dichters (Vertrieb für den Buchhandel durch Georg Müller) 1932
51 Das Glück von Lautenthal. Roman. München: Langen/Müller 1933
52 Tagebuch eines Dichters [Aufsätze]. Hrsg. von Karl August Kutzbach. München: Langen/Müller (= Ges. Werke. Abtlg. I, Bd.3) 1934
53 Gedichte und Sprüche. München: Langen/Müller (=Die kleine Bücherei 39) 1935
54 Aus dem Nachlaß. Chemnitz: Ges. der Bücherfreunde zu Chemnitz 1935
55 Pantalon und seine Söhne. Lustspiel. München: Langen/Müller 1936
56 Grün aus Trümmern. Roman. München: Langen/Müller 1937
57 Politische Studien und Kritiken. Aufsätze aus den Jahren 1894-1902. Hrsg. von Karl August Kutzbach. Langensalza: Julius Beltz (= Jahrbuch der Paul-Ernst-Ges. 1938) 1938
58 Völker und Zeiten im Spiegel ihrer Dichtung. Hrsg. von Karl August Kutzbach. 2 Bde. München: Langen/Müller 1940-42 (= Ges. Werke. Abtlg. I, Bd.7/8).
  Bd.1: Aufsätze zur Weltliteratur. 1940
  Bd.2: Aufsätze zur deutschen Literatur. 1942
59 Gedanken zur Weltliteratur. Hrsg. m. einem Nachw. von Karl August Kutzbach. Gütersloh: Bertelsmann 1959
60 Acht Einakter. Erstdrucke. Hrsg. u. eingel. von Karl August Kutzbach. Emsdetten: Lechte 1977
61 Der Mann mit dem tötenden Blick. Frühe Geschichten und Mitteilungen aus einem unveröffentlichten Manuskript. Hrsg. von Wolfgang Promies. Frankfurt/M.: Insel (= insel taschenbuch 434) 1981

(Anm.: Grundsätzlich wurden Veröffentlichungen fortgelassen, die Ernst übersetzt, mit Vor- oder Nachworten versehen u. (mit einer Ausnahme) herausgegeben hat; ein gleiches gilt für nur innerhalb der Schriftenreihe der Paul-Ernst-Ges. (1956ff.)  publizierte Texte; einige Kleinschriften, Nebenarbeiten u. Gemeinschaftsarbeiten mit anderen Autoren fielen gleichfalls fort, da sich der Umfang sonst verdreifacht hätte; Neu- u. Auswahlausgaben sowie Neuauflagen führt bereits Wilpert/Gühring grundsätzlich nicht auf; eine vollständige Paul Ernst-Bibliographie ist im übrigen bis heute desiderat) 

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