![]()
Beiträge zur geistigen Situation der Gegenwart Jg. 7 (2006), Heft 3
Die europäische Romantik und Italien standen immer in einem besonderen
Verhältnis. Madame de Stael und der englische Romantiker Lord Byron machten
die Tatsache, daß Italien zersplittert und von fremden Mächten
besetzt war, zu einem politischen und literarischen Thema. Risorgimento und
Romantik gehen jedoch nicht nur bei Dichtern nördlich der Alpen zusammen;
auch in Italien ist die Einigungsbewegung Teil und Produkt der italienischen
Romantik. Schon Benedetto Croce beschreibt in seiner „Geschichte Italiens“
die Epoche des Risorgimento als Zeitalter der Poesie, das freilich nach der
Staatsgründung von einer Epoche der Prosa, der prosaischen und nüchternen
Realität abgelöst wurde. Auf das Risorgimento zurückblickend
schreibt er nicht ohne Wehmut:
„Zu Ende war jugendliches Wollen und Erglühen für ein neues,
hohes und fernes Ideal; zu Ende waren die grenzenlosen Träume, die so
schön sind in ihrem unklaren Schimmern; zu Ende die schmerzliche und
doch süße Qual kämpfender Liebe; zu Ende die zagen Hoffnungen
von 1848 und 1859; zu Ende edler Wettstreit um das gemeinsame Ziel und Verzicht
auf eigene Wünsche, das stillschweigende und offene Zusammenwirken von
Republikanern und Monarchisten, von Katholiken und Rationalisten, von Ministern
und Revolutionären, von Königen und Verschwörern in dem alle
beherrschenden Glauben an das Vaterland; zu Ende der Jubel, der 1860 Italien
von einem Ende zum anderen durchbraust hatte, das Aufatmen der Unterdrückten,
die Rückkehr der Verbannten und die Verbrüderung der verschiedenen
Stämme, die nun alle Italiener waren.“[1]
Auch die nüchterne Geschichtsschreibung unserer Tage kommt in der Sache
zum gleichen Ergebnis, so etwa der englische Historiker Harry Hearder in seiner
Geschichte des Risorgimento.[2]
Romantisch fing das Risorgimento, das stets eine städtische Bewegung
war, auch in Florenz an. Die Voraussetzungen dafür wurden allerdings
in der Aufklärung geschaffen, in der Großherzog Pietro Leopoldo
die Toskana in einen aufgeklärten Musterstaat verwandelte. Bereits vor
der Französischen Revolution wurden Folter und Todesstrafe abgeschafft,
die Jesuiten verbannt und Erziehungswesen und Zensur liberal gehandhabt. Dies
interessierte zunächst die deutschen Italienbesucher wenig, denn weder
Alexander von Humboldt noch Goethe fuhren nach Italien, um den Fortschritt
zu suchen. Im Gegenteil, nicht Zukunft, sondern Vergangenheit war das Ziel
vieler Reisender; angesichts der imperialen Ruinen Roms, der untergegangenen
Städte Pompeji und Herkulaneum wollten sie sich selbst finden, vorzugsweise
in arkadischer Landschaft.
Florenz hatte in dieser Hinsicht nichts zu bieten. Es galt zwar als feste
Station auf dem Weg nach Rom, die zahlreichen Galerien wie auch die Kunst
im öffentlichen städtischen Raum wurden fleißig besichtigt,
aber in der deutschen Literatur waren die Stadt und ihre Sehenswürdigkeiten
vor dem Ende des 19.Jahrhunderts selten wirksam. Doch bot Florenz angenehmen
und geistvollen Aufenthalt. Von europäischem Rang war dabei vor allem
der Salon der Gräfin Albany-Stolberg, die mit ihrem Gefährten, dem
romantischen Dichter Graf Vittorio Alfieri, ab 1792 im Palazzo Mafetti am
Lungarno Corsini lebte und alles, was in der europäischen Geisteswelt
Rang und Namen hatte, zum Gespräch empfing.[3] Zu den Besuchern zählten
u.a. Alexander von Humboldt (1804), August Wilhelm Schlegel, Madame de Stael
(1807) und Friederike Brun (1808). Die Beziehung zwischen Alfieri und Albany-Stolberg
trägt außergewöhnliche Züge und ist dabei doch nicht
ganz untypisch für Florenz, das sich bis weit ins 19. Jahrhundert durch
ein großzügiges moralisches Klima auszeichnete. Die Gräfin
war ursprünglich die Gattin des 30 Jahre älteren „Bonny“
Prinz Charly, des berühmten englisch-schottischen Thronprätendenten
aus dem Geschlecht der Stuart, der ab 1775 in Florenz lebte und dort vor allem
durch Alkoholexzesse und Gewaltausbrüche gegen seine junge Gattin von
sich reden machte. Louisa Maria Carolina verließ ihren unerfreulichen
Gemahl und lebte fortan mit Alfieri. Das Paar hatte lange Zeit in Paris residiert,
1791 aber die Stadt aus Furcht vor jakobinischen Repressalien fluchtartig
verlassen. Auch in Florenz hatten die beiden jedoch weiterhin enge Kontakte
zu französischen Romantikern, zu Stendhal und Madame de Stael, die Alfieri,
den Dichter des erwachenden italienischen Nationalbewußtseins, europaweit
bekannt machen sollte. In ihrem berühmten Roman „Corinne ou l`Italie“,
der unmittelbar nach seinem Erscheinen 1807 von Dorothea Schlegel ins Deutsche
übersetzt wurde und großen Eindruck auf die deutschen Romantiker
machte, wird Alfieri immer wieder zustimmend zitiert und als Stimme des jungen,
des modernen Italien angeführt.
Auch als Alfieri 1803 nach langer Krankheit verstarb, blieb der Salon der
Gräfin ein Mittelpunkt des Geisteslebens des Frührisorgimento, dessen
Repräsentanten dort ein- und ausgingen. Zu ihnen gehörten nicht
nur der romantische Dichter Ugo Foscolo und Lord Byron, sondern auch politische
Intellektuelle wie Gino Capponi, Simonde de Sismondi, Massimo D`Azeglio und
Giampiero Vieusseux. Als Albany-Stolberg 1823 starb, wurde sie neben Alfieri
in Santa Croce, dem Pantheon des toskanischen Geistes, beigesetzt.
Ab 1812 bestand in Florenz eine weitere kosmopolitische Institution, das Gabinetto
Vieusseux, ein gelehrter Lese- und Diskussionszirkel um den Verleger Giampiero
Vieusseux, im Palazzo Buondelmonte an der Piazza Santa Trinità, in
dem internationale, aber vor allem auch deutsche Literatur und Philosophie
diskutiert wurden.[4]
Hier trafen Florentiner Gelehrte und Schriftsteller mit ihren Kollegen aus
ganz Europa zusammen, unter den prominenten Besuchern befanden sich Shelley,
Byron, Tommaseo, Manzoni, Leopardi, Foscolo, Heine, Gervinus und Ottilie von
Goethe. Gleichzeitig war das Vieusseux, wie Gramsci sagte, „(...) centro
di propaganda intelletuale per l'organizzazione e la condensazione del gruppo
intelletuale dirigente della borghesia italiana del Risorgimento“, also
eines der intellektuellen Organisationszentren des Risorgimento, der italienischen
Unabhängigkeits- und Einigungsbewegung.[5]
Wer wollte, konnte im Vieusseux Dimensionen eines anderen, eines politischen
Italien kennenlernen, die auf den ersten Blick kaum mit dem hergebrachten
Florenz, der ruhigen Stadt der Kunst, zu tun hatten. Fanny Lewald, eine bedeutende,
wenn nicht gar die bedeutendste deutsche Romanschriftstellerin des 19. Jahrhunderts,
schildert dies rückblickend wie folgt:
„Florenz hatte damals auf seiner Oberfläche noch etwas träumerisch
Friedliches. Es war die Stadt der Blumen(...)Es war äußerlich ein
von allem Gegenwärtigen verschiedener Eindruck, eine in das Leben getretene,
völlig eigenartige Welt voll Poesie und bestrickendem Zauber. Unter dieser
sanften Oberfläche barg sich aber in den Kreisen gelehrter Männer
eine lebhafte Beteiligung an den Bestrebungen für die Wiedergeburt Italiens;
und in den Seitenzimmern des(...)Vieusseux fand sich eine Gesellschaft zusammen,
die es wußte, daß sie, wenn auch mit verschleierter Strenge, genau
beobachtet wurde.“[6]
Diese intellektuelle Vitalität der Stadt sowie ihre kosmopolitische
Atmosphäre lenkten Mitte des 19. Jahrhunderts die Aufmerksamkeit europäischer
Künstler und Literaten auf Florenz. Besonders Engländer wie das
Dichterehepaar Elizabeth und Robert Barrett-Browning ließen sich hier
häuslich nieder und machten die Stadt am Arno zu einer festen Größe
im angelsächsischen Kulturleben.
Zum Zentrum eines ebenso deutschsprachigen wie kosmopolitischen Geisteslebens
dagegen wurde Caroline Unger-Sabatiers Villa La Concessione in der Via Renai.
Caroline Unger war eine gefeierte Sopranistin gewesen, die nach Liaisons mit
Nikolaus Lenau und Alexandre Dumas den 15 Jahre jüngeren Franzosen Francois
Sabatier heiratete und mit ihm in Florenz lebte. Beide huldigten einem romantisch
geprägten Saint-Simonismus, wie er auch in Mazzinis „Jungem Italien“,
besonders bei dessen toskanischen Aktivisten, ausgeprägt war.[7] Der
Marburger Historiker und häufige Gast der Sabatiers, Otto Hartwig, schreibt
rückblickend, daß die Sabatiers wegen ihrer radikalen Ansichten
in Frankreich wohl kaum hätten leben können. In Florenz hingegen
fanden sie, wie viele andere auch, einen Ort, an dem unbotmäßiges
Leben, Denken und Schreiben gedeihen konnten.
Neben der Politik gehörten jedoch auch Musik, Kunst und Literatur zu
den Gepflogenheiten des Hauses Unger-Sabatier, dessen Gastlichkeit von vielen
Besuchern gerühmt wurde. Die Schriftsstellerin Fanny Lewald, die eng
mit der Herrin des Hauses befreundet war, beschrieb dies so:
„Das schöne Haus mit seinen weiten, kühlen, durch Vorhänge
beschatteten Gemächern, aus denen man auf die breiten Terassen des blumenreichen,
in Wohlgeruch schwimmenden Gartens hinaustrat; die Aussicht, die man von dieser
milden Höhe auf das schöne Thal genoß, die inhaltreichen Gespräche,
die Sabatier beständig anzuregen wußte, weil der Sinn beider Gatten
immer auf das Große und Ernsthafte gerichtet war, hatten etwas Bezauberndes
und zugleich etwas Erhebendes. Es war immer eine gewählte Gesellschaft
in dem Hause; und es gehörte mit zu dem Schönsten, was den Gästen
geboten wurde, wenn Caroline sich herbeiließ, eins oder das andere der
von ihr komponirten und gelegentlich auch von ihr gedichteten Lieder am Klavier
zu singen;(...)[8]
Im Salon der Unger-Sabatiers verschränkten sich Epigonalität und
Romantik aufs Schönste. An Fanny Lewald schreibt Caroline 1846/47:
„Mein Mann hat für unsren Salon in der Stadt eine Scene malen lassen,
wo Goethe im Vordergrund steht, hinter ihm Mephisto, an einen Stuhl gelehnt,
der lächelnd Faust und Gretchen betrachtet, die sich umarmen(...)Der
ganze Salon ist recht gut gelungen. Dante, Goethe, Michel Angelo und Raphael
bilden die Hauptpersonen an den vier Wänden; jeder mit einer Scene im
Hintergrund analog wie die bei Goethe. - Moliere, Shakespeare, Schiller, Tasso,
Petrarca, Ariost sind über den Thüren angebracht. Wenn Sie uns wiederkommen,
so werden Sie ihn schon fertig sehen, und sich harmonischer darin finden als
in einem mit Seide und Gold bronzirten Saal.“[9]
Die Götter der vorangegangenen Epochen, als deren Nachgeborene man sich
empfindet, sind zu Hausgeistern geworden und schmücken den Salon. Dessen
Wände dienen als Flügel eines Altars, vor dem in ästhetisch
motivierter Andacht sich eine Harmonie mit dem geistigen Kosmos einstellt,
in der man sich häuslich einrichten kann. Die als enorme Fallhöhe
erlebte Distanz zu Goethe, Shakespeare oder Dante wird in dieses Interieur
gebannt, die Heroen zur Ahnengalerie stilisiert und so verfügbar im Innenraum
bürgerlicher Geselligkeit. Um es mit einem leicht abgewandelten Heinrich-Heine-Wort
zu sagen: Die Geistesgeschichte war in jenen Jahren die große Morgue,
wo jeder seine Toten aufsucht, die er liebt oder mit denen er verwandt ist.[10]
Bei dem Versuch, die Neuzeit zu legitimieren, wurden immer wieder die abenteuerlichsten
Ausflüge in die Geschichte unternommen. So verwundert es kaum, daß
Historie und Historiker eine bislang unbekannte Bedeutung erlangten. Dies
war auch im Salon von Caroline Unger-Sabatier zu spüren. Zu den bevorzugten
Gästen der Villa La Concessione gehörten in den folgenden Jahrzehnten
nicht nur der schon erwähnte Historiker Otto Hartwig, sondern auch seine
Kollegen Michele Amari und Ferdinand Gregorovius.
Zwei epigonale Anleihen sorgten damals unter europäischen Wissenschaftlern
und Literaten für Wirbel. Die erste war bedingt durch den verzweifelten
Versuch der Italiener, für die nationale Einigung eine politische Perspektive
zu finden. Neoguelfen wie Gioberti und Sismondi hofften, mit der politischen
und kulturellen Kraft der italienischen Städtetradition und der Macht
des Papsttums einen Einheitsstaat unter Führung des Pontifex Maximus
zu schaffen. Während die politischen Hoffnungen mit der Revolution von
1848/49 zerstoben, war das Interesse an der Stadtgeschichte des Mittelalters
so nachhaltig geweckt, daß divergierende Meinungen über Interpretation
und Authentizität mittelalterlicher Quellen in den folgenden Jahren immer
wieder die europäische Gelehrtenwelt erschütterten.[11] Die zweite
epigonale Aktualisierung betraf die sog. Renaissance, wobei anzumerken wäre,
daß vieles, was damals noch „mittelalterlich“ genannt wurde,
mit Jacob Burckhardts bahnbrechendem Werk „Die Kultur der Renaissance
in Italien“ aus dem Jahre 1860 in neuem Lichte erschien. Burckhardt
unternimmt es, den Epochenumbruch vom Mittelalter zur Neuzeit als italienisches
Ereignis, das in Florenz seinen Ursprung hatte, darzustellen.
„Die höchste politische Bewußtheit, den größten
Reichtum an Entwicklungsformen findet man vereinigt in der Geschichte von
Florenz, welches in diesem Sinne wohl den Namen des ersten modernen Staates
der Welt verdient. Hier treibt ein ganzes Volk das, was in den Fürstenstaaten
die Sache einer Familie ist.“[12]
In dieser Formulierung steckt neben einer Staatsidee auch ein Selbstentwurf
des Bürgertums, das sich mit dem „Fürstenstaat“ auf
eine Stufe stellt. Der Versuch der Selbstnobilitierung entsprach dem Impuls
sozialen Aufstiegs und politischer Emanzipation und der Gewinnung entsprechender
institutioneller und ästhetischer Repräsentationsformen. Deren Begründung
und Legitimierung bedurfte der Geschichte als intellektueller und politischer
`Ahnenreihe` und als ideellen Kostüms. So konnte es geschehen, daß
die Renaissance der Renaissance zum verbreiteten Modell für die Überwindung
der Stagnation wurde, die man der zeitgenössischen Gegenwart bescheinigte.
Diese `Renaissance` beschäftigte deutsche Historiker ebenso wie viktorianische
Schriftstellerinnen und war auch für die in Florenz ansässigen italienischen
Wissenschaftler, die eine direkte Linie zwischen der Renaissance und dem Risorgimento,
der Geburt der italienischen Nation, zogen, Orientierung und Legitimation
für ihre politischen Ambitionen. Auch für einige ausländische
Beobachter war das Renaissance-Paradigma so mächtig, daß das ganze
Risorgimento als Wiedergeburt der Renaissance gesehen wurde. So schreibt der
aus Mainz stammende Publizist und Schriftsteller Heinrich Homberger:
„(...)Italien hat es nun einmal an sich, daß es auch in seiner
unmittelbaren Gegenwart auf den Ausländer den Eindruck macht, als ob
nicht nur seine Landschaft und Bauten, sondern auch seine wandelnden Menschen
nicht zu der heutigen Welt gehörten, als ob Victor Emanuel eigentlich
ein Fürst des Cinquecento, Mazzini ein Jünglinge und Frauen bestrickender
Jesuit des siebzehnten Jahrhunderts, Garibaldi ein legendengläubiger,
legendenschaffender Kreuzfahrer wären(...) Italien liefert immer neu
die lebenden Modelle, nach denen sich die Gestalten der Vergangenheit wiederherstellen
lassen(...)“[13]
Und Herman Grimm, der Sohn Wilhelm Grimms, der Florenz in seinem „Leben
Michelangelo`s“ Athens „jüngere Schwester“ nannte,
sekundiert:
„Dennoch lebt das Andenken an die Männer und an die alte Freiheit(...)Mit
Bewußtsein in Florenz zu leben, ist für einen gebildeten Mann nichts
anderes, als ein Studium der Schönheit eines freien Volkes bis in ihre
feinsten Triebe. Die Stadt hat etwas die Gedanken durchdringendes, beherrschendes(...)Indem
man fühlt, wie Alles sein Leben aus der einen Freiheit sog, gewinnt die
Vergangenheit in den geringsten Beziehungen einen Zusammenhang, der für
das übrige Italien fast verblenden kann. Man wird ein fanatischer Florentiner
im alten Sinne.“[14]
Die Vergangenheit wurde unter dieser Perspektive zeitgenössisch, man
konnte ihr auf Schritt und Tritt begegnen. Das „Bildnertalent“
ihrer epigonalen Künder konnte ihre Gestalten für die Zeitgenossen
„wiederherstellen“.
Dabei hatte das Risorgimento mehr zu bieten: Nachdem ab 1859 der Einigungsprozeß
erste Erfolge aufzuweisen hatte, wurde der werdende italienische Staat zur
Insel der Freiheit in Europa. Exilierte Alt-Achtundvierziger und Progressive
aus ganz Europa fanden dessen Klima so anziehend, daß sie sich in Italien
niederließen. Bevorzugt wurde dabei Florenz, das in jenen Tagen Hauptstadt
des neuen Italien und ein intellektuelles Zentrum der jungen Nation war. Die
Stadt hatte den Vorteil, daß sich wegen der Neugründung der Universität,
des Istituto Superiore, dort viele aus dem Exil zurückkehrende Italiener
niederließen. So kannte man sich und konnte bestehende Geselligkeitsstrukturen
teilweise fortsetzen. Für die Generation, die vor und nach 1848 Jahre
ihres Lebens im Exil verbracht hatte, war Internationalität des Umgangs
Normalität und fremdes, nicht-italienisches Gedankengut in Wissenschaft,
Literatur und Politik vertraut.
Die Parallelen zwischen Deutschland und Italien waren damals Denkern beider
Länder durchaus gegenwärtig. In diesem Zusammenhang ist vor allem
der Führer des Giovine Italia, Giuseppe Mazzini, zu nennen. Er war der
Prototyp des romantischen Revolutionärs, im Zivilberuf Literaturkritiker,
der seine politischen Ideen gerne mit Verweisen auf Herder und Byron unterlegte.[15]
Der hochgebildete Revolutionär und Kenner der deutschen Literatur und
Philosophie beschwor die nördlichen Nachbarn wiederholt, den großen
philosophischen und literarischen Traditionen Fichtes und Schillers endlich
Taten folgen zu lassen und die Revolution von 1848 mit einer nationalen Wiedergeburt,
einem deutschen Risorgimento zu vollenden. Mazzini schreibt:
„Und vor allem bestrebt euch, eure nationale Einheit volkstümlich
zu gründen. Gebet den Gebeinen Schiller`s ein Vaterland(...)Wir können
uns nicht mit euren fünfunddreißig oder sechsunddreißig Fürsten
und mit euren Partheien der Gemäßigten verständigen, seid
ein Volk, und wir werden einig sein. Der deutsche und der italienische Gedanke
werden sich auf den freien Alpen verbrüdern."[16]
Die deutsche Revolution sollte ihre Legitimation nicht aus der Zukunft, sondern
aus der ruhmreichen kulturellen Vergangenheit, aus der Weimarer Klassik beziehen
wie das italienische Risorgimento die seine aus der Renaissance und ihr verwandten
Traditionen bezogen hat. Mit diesem kühnen Sprung ins deutsche Erbe bringt
Mazzini nicht nur Italia und Germania zusammen, sondern auch Aufklärung,
Romantik und Revolution.
Ihm, der das Giovine Italia zu einer schlagkräftigen Organisation formierte,
blieb die Realisierung seiner politischen Ideen jedoch weitgehend versagt.
Nur in der römischen Republik von 1848/49 zeigte er der Welt, daß
mit dem Risorgimento durchaus ein Staat zu machen sei, der den Einwohnern
der Ewigen Stadt Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit bringen wollte.
1860/61 kam es dann auch zu der von ihm und seinen Gefährten angestrebten
italienischen Einigung; sie vollzog sich jedoch unter der Führung des
tumb-pompösen Königs Vittorio Emanuele II und seines intriganten
Kanzlers Cavour; der hartnäckig revolutionär-rapublikanisch gesonnene
Mazzini konnte und sollte in diesem Italien keine Heimat finden, ihm blieb
staatlicherseits die Rückkehr verwehrt. Für zahlreiche exilierte
48er Aktivisten, Gelehrte, Schriftsteller oder Politiker, wurde dagegen nach
der Staatsgründung Italien und oft genug Florenz zur neuen Wirkungsstätte.
Einer von ihnen war beispielsweise der deutsche Physiologe Moritz Schiff,
der 1848 seine Berliner Stellung wegen medizinischer Hilfeleistung an verwundeten
Rebellen verloren hatte und nun am Istituto Superiore lehrte; in Florenz führte
er ein gastfreies und kosmopolitisches Haus. Auch Philipp Schwarzenberg war
ein Veteran der 1848er Revolution, der in Florenz eine neue Existenz fand.
Ferenc Pulszky schreibt über den ehemaligen Paulskirchenlinken:
„Schwarzenberg war als Mitglied des deutschen Parlamentes so lange verfolgt
worden, bis er seinem Vaterlande entfloh; als practischer und intelligenter
Mann hatte er in Italien die Leitung eines vernachlässigten Bergwerkes
übernommen und leitete dieses Unternehmen mit vielem Erfolg. Seine Frau
hatte die Idee der italienischen Einheit mit echt weiblicher Begeisterung
erfaßt und eben deshalb war die Gesellschaft in ihrem Haus mehr italienisch
als deutsch.“[17]
Im Hause Schwarzenberg gingen aber nicht nur Risorgimentoaktivisten ein und
aus, sondern prominente politische Flüchtlinge aus ganz Europa, darunter
auch die Deutsche Ludmilla Assing. Assing war vielleicht die profilierteste
unter den deutschen Parteigängern des Risorgimento in Florenz. Die Nichte
und Testamentsvollstreckerin von K.A. Varnhagen von Ense war 1860 zum ersten
Mal in Begleitung von Ferdinand Lasalle nach Florenz gekommen. Auf die hier
geknüpften Kontakte konnte sie zurückgreifen, als sie 1861 vor einer
Anklage wegen Majestätsbeleidigung aus Deutschland fliehen mußte.
In Florenz führte sie die Varnhagensche Salontradition weiter, wobei
als besondere Färbung ein pointierter Kult des Risorgimento hinzukam.
Sie selbst beschreibt ihre Montagabende wie folgt:
„Die Geselligkeit bietet hier die reichste Auswahl(...)und auch meine
Montag-Abende nehmen immer größere Dimensionen an: die hier Angesiedelten,
die Italiener und die durchziehenden Fremden mischen sich untereinander, so
daß ich mich schon gewöhnt habe, alle Viertelstunde eine andere
Sprache zu sprechen. Jüngst befand sich Riccotti, der jüngste Sohn
Garibaldi`s, unter meinen Gästen. Er kam aus London, wo er als Ingenieur
angestellt ist(...)Der Sohn des edlen Garibaldi erregt eine allgemeine Sympathie,
und alles drängt sich um ihn. Bei mir waren es vor allem die Deutschen,
die ihn mit liebevoller Theilnahme umringten, und erwähnenswerth ist
es wahrlich, daß in meinem Salon ein p r e u ß i s c h e r Offizier
ihm die Hand drückte. Ich hatte außerdem auch viele italienische
Patrioten bei mir, Cuneo, einen der ältesten Freunde und Biographen Garibaldi`s;
De Gubernatis, Professor des Sanskrit und Schriftsteller(...)dann Tassara,
der talentvolle Bildhauer, und einer der Tausend von Marsala; Dall` Ongaro,
der Dichter u.s.w. Dazu Fremde aller Nationen, Blumen und Lichter so viel
wie möglich, und zwischen meinen Familienbildern und der Berliner Freundesgalerie,
die geschmückten Photographien von Mazzini und Garibaldi.“[18]
Auch Gästen, die auf der Durchreise waren, machte das bunte Treiben Eindruck;
es erleichterte ihnen zugleich den Einritt in die fremde Gesellschaft. Ada
von Treskow schildert in einem Brief an den Fürsten von Pückler-Muskau
ihre anfängliche Verwirrung, aber auch die Faszination, die von dieser
Versammlung interessanter und bedeutender Persönlichkeiten ausging.
„Einen wirklich charmanten Zirkel versammelt Ludmilla jeden Montag um
sich; dort findet man alle Nationen, vorherrschend Italiener und Deutsche(...)Mir
war ganz confuse zumut, ungefähr wie dem seligen Dr. Faust auf dem Blocksbergball
unter den südlichen und `nordischen` Künstlern, den `Puristen`,
den Weltkindern, Musageten usw. Dazwischen Fanny Lewalds Silberlocken, Mamas
Häubchen und Ihr Porträt, o Durchlaucht, welches mit den magnetischen
Mephistoaugen von der Wand auf mich niederschaute.“[19]
Die sozial und national bunt zusammengewürfelte Gesellschaft, die Treskow
hier vorfindet, ist einerseits eine epigonale Reinkarnation der Varnhagenschen
Salontradition, andererseits eine stete Quelle von Information und Inspiration
für Assings rege publizistische Tätigkeit. In dieser versucht sie,
das neue Italien und seine Persönlichkeiten dem deutschen Publikum näher
zu bringen. Hier wird sie vor allem die Biographin der Rebellen; sie porträtiert
ihren verstorbenen Lebensgefährten und Risorgimento-Aktivisten Piero
Cironi; doch auch dessen an sich bemerkenswerte Vita kann nicht dargestellt
werden ohne Rückgriff auf die Vergangenheit, die allerdings utopisch
in die Zukunft gewendet wird.
„Zwei verschiedenen Ländern angehörig, vereinte uns die selbe
Liebe zur Freiheit, dieselben Hoffnungen für die Zukunft(...)In der Gewissenhaftigkeit
und Ausdauer, mit welcher er alle wichtigen Schriftstücke der Demokratie
sammelte, erinnerte er mich an meinen Onkel Varnhagen von Ense. Cironi wie
Varnhagen arbeiteten für die künftige Geschichte, im treuen Dienst
der Wahrheit.“[20]
Hier versucht Assing, Vergangenheit und Zukunft revolutionär zu verklammern
in dem Bewußtsein, daß auch die künftige Geschichte auf die
Rekonstruktion der vergangenen, auf eine Vor-Geschichte also, angewiesen sein
wird. Zugleich soll Geschichte als Geschichte der Revolution neu geschrieben
werden.
Eine weitere Risorgimento-Persönlichkeit, die immer wieder zum Thema
von Assings Essayistik wird, ist Giuseppe Mazzini, theoretischer Kopf des
Risorgimento, aber auch mythenumwobene Verschwörergestalt. Assing hat
nicht nur einige seiner Schriften ins Deutsche übersetzt, sondern den
von der Reaktion wie von bürgerlichen Kreisen Verteufelten auch für
die „Gartenlaube“ porträtiert, wobei sie versucht, den Revolutionär
zu entdämonisieren.[21]
Zu den abenteuerlichen Gestalten des Risorgimento gehörte auch Francesco
Dall` Ongaro, Priester, Dichter und Revolutionär, der zunächst die
Kanzel für die politische Agitation benutzte, bis ihm seine Oberen das
Predigen verboten. Daraufhin kehrte er der Kirche den Rücken und verlegte
sich auf die politische Dichtung, bis die Revolution von 1848/49 Gelegenheit
bot, den Worten Taten folgen zu lassen. Er kämpfte mit Garibaldi und
mußte nach der Niederschlagung der Revolution wie viele andere ins Exil
gehen. Für Assing ist er der Sänger des linken Flügels des
Risorgimento:
„Dall` Ongaro ist ein echt vaterländischer Dichter; es ist in der
That etwas von einem italienischen Körner in ihm, so schwungvoll und
kühn sind seine Lieder, während seine Grazie und Anmuth, das Gemisch
von Sentimentalität und Ironie, von Sanftmuth und Schärfe zuweilen
an Heine erinnern könnten(...)Das Papstthum verfolgt er mit dem einsichtigen
Haß desjenigen, der es aus der Nähe mit klarem Blick angeschaut
und sich deshalb keiner Illusion über dasselbe hingeben kann. Die Freiheit,
die religiöse, die politische, die sittliche, liebt dall` Ongaro wie
eine schöne Braut, der er täglich neue Kränze und Blumen darbringt,
jede großmüthige und edle That findet in ihm einen beredten Sänger.
Wie er in Garibaldi den kriegerischen Helden Italiens verherrlicht, so in
Mazzini den geistigen Helden, den großen Propheten und Meister, von
dem die intellectuelle Entwicklung und Ausbildung immer neuen Stufen des Fortschritts
entgegengeführt wird.“[22]
Landesweite Berühmtheit erlangte Dall` Ongaro mit seiner Dante-Vorlesung,
die er 1846 erstmals hielt; darin interpretierte er Dante als einen Vordenker
der italienischen Einheitsidee. Nach der italienischen Einigung erhielt er
in Florenz eine Professur für vergleichende Literaturwissenschaft; der
gesellige Umgang im Hause Dall` Ongaro war nicht minder lebhaft als der in
Ludmilla Assings Salon. Letztere schreibt darüber:
„Von jetzt an nahm er seinen dauernden Wohnsitz in der Vaterstadt Dante`
s, wo sein Haus ein beständiger Sammelplatz fremder und einheimischer
Berühmtheiten ist und alle Sprachen durcheinander rauschen(...)Deputierte,
Künstler, Schriftsteller, Gelehrte vereinigen sich bei ihm; hier sieht
man zuweilen den würdigen Patrioten Giovan Battista Cuneo, den alten
Freund und Biographen Garibaldi` s(...)blonde Engländerinnen und schwarzäugige
Italienerinnen drängen sich mit Neugierde und Begeisterung um den Hausherrn,
und wenn man ihn von so vielen schönen jungen Mädchen und Frauen
wie von einem Blumenkranz umgeben sieht, so sollte man glauben, der glückliche
Dichter habe nicht eine Muse, sondern deren wenigstens zwanzig!"[23]
Die Florentiner Geselligkeit war in einem System von Salons organisiert, von
linkem, staatstragendem, gelehrtem oder auch mondänem Typus. So verkehrte
selbstverständlich Ludmilla Assing bei Dall` Ongaro und umgekehrt. Beide
waren auch bei dem berühmtesten Revolutionär, den Florenz in den
1860ern in seinen Mauern beherbergte, Michail Bakunin, zu Gast. Von ganz anderem
Zuschnitt war die Gesellschaft im Hause des Risorgimento- Politikers und zeitweiligen
Bürgermeisters von Florenz, Ubaldino Peruzzi und seiner Gemahlin, der
legendären Donna Emilia, wie sie genannt wurde. Als „Italiani moderati“
versammelten sie in ihrem Salon Intellektuelle, Künstler und Politiker
jeglicher Couleur, und die Rolle des „Salotto d`Europa“ für
die geistige und nicht zuletzt sprachliche Einigung Italiens wurde schon von
den Zeitgenossen gerühmt. Hier fanden sich auch weitere Deutsche ein,
verkehrten die Publizisten Karl Hillebrand und Heinrich Homberger sowie der
Historiker Otto Hartwig, die mit der Hausherrin besonders verbunden waren;
auch Herman und Gisela Grimm, die Tochter Bettina und Achim von Arnims, waren
gelegentlich Gäste bei Donna Emilia. Aber auch so gegensätzliche
Geister wie De Amicis, der sentimentale Sozialist, und der konservative Denker
Vilfredo Pareto gehörten zu den ständigen Gästen und persönlichen
Freunden des Hauses.
Das „ganze gebildete Europa“[24] traf sich auch in Hillebrands
eigenem Haus, das er in den siebziger und achtziger Jahren mit seiner Lebensgefährtin,
Jessie Taylor-Laussot, der „Rahel mit ewiger Jugend“,[25] wie
er sie nannte, am Lungarno bewohnte; sie war die Tochter des englischen Übersetzers
der Grimmschen „Kinder - und Hausmärchen“, Charles Taylor,
Jugendfreundin Richard Wagners und eine begabte Musikerin. Der Historiker
und Publizist Karl Hillebrand stammte aus Gießen, war aktiver 1848er
Revolutionär und konnte der Exekution nur durch Flucht nach Frankreich
entkommen; dort überlebte er zunächst als Sekretär Heinrich
Heines, wurde aber bald in Frankreich heimisch, französischer Staatsbürger,
Professor und Gelehrter, bis ihn der deutsch-französische Krieg der Jahre
1870/71 in einen Loyalitätskonflikt stürzte und er sich als Korrespondent
der „Times“ in Florenz niederließ. Das Haus der Hillebrands
versammelte die großen Musikerpersönlichkeiten; Jessie Laussot
musizierte regelmäßig mit Hans von Bülow, Franz Liszt, Joseph
Joachim und Richard Wagner, der mit Cosima ebenfalls zu den häufigen
Gästen gehörte. Über eines der zahlreichen musikalischen Ereignisse
berichtet Assing:
„In der musikalischen Welt war die Erscheinung des Herrn Hanns v. Bülow,
der sich in einem Konzert der hiesigen Gesellschaft „Cherubini“
zum Besten der Überschwemmten von Pisa hören ließ, ein freudiges
Ereignis(...)Als Merkwürdigkeit verdient angeführt zu werden, daß
die Gesellschaft „Cherubini“ von einer Frau, von Madame Laussot,
geleitet wird, die energisch ihren Tactstock schwingt und es mit jedem anderen
Cappelmeister kühn aufnimmt.“[26]
Ungeachtet des hohen Niveaus kultureller Gepflogenheiten begann sich in den
sechziger Jahren angesichts der realen politischen Entwicklung die Gemeinsamkeit
von Republikanern und Monarchisten auf diesem Gebiet zu zersetzen. Einer der
wenigen Orte, an denen sowohl die Garibaldianer als auch die Repräsentanten
des neugegründeten italienischen Staates verkehrten, war neben dem Salon
der Peruzzis der von Ferenc bzw. Franz Pulszky.[27]
Graf Pulszky, ein führendes Mitglied von Lajos Kossoths ungarischer 1848er
Regierung, kam 1860 aus dem Londoner Exil nach Italien, um die Interessen
der ungarischen Freiheitsbewegung in Turin, der damaligen italienischen Hauptstadt,
zu vertreten. Nachdem Cavour die ungarische Sache hatte fallenlassen, orientierte
sich Pulszky zunehmend an Garibaldi und Mazzini, den er schon aus London kannte.
Nachdem deutlich wurde, daß der linke Flügel des Risorgimento im
jungen italienischen Staat wenig Einfluß hatte, zog sich Pulszky auf
seine vorrevolutionäre Tätigkeit als Altertumswissenschaftler zurück
und bezog 1862 die Villa Petrovich in Florenz. Diese wurde bald zu einem Focus
Florentiner Geselligkeit; da die Muttersprache von Therese und Franz Pulszky
Deutsch war, fanden sich vor allem die Deutsch-Florentiner aller politischen
Richtungen bei ihnen ein, aber auch Osteuropäer, Engländer und Amerikaner,
zudem viele Freunde aus dem Garibaldi-Mazzini-Lager wie Assing und Dall`Ongaro.
Die Anziehungskraft reichte allerdings darüber hinaus, was bisweilen
zu kuriosen Situationen führte. In seiner Autobiographie „Meine
Zeit, mein Leben“ gibt Pulszky Fogendes zum Besten:
„Da es unter meinen Freunden viele Garibaldianer und Republikaner gab,
hatten die Soiréen einen sozusagen etwas roten Anstrich; an edler Musik,
schönen Frauen und geistreicher Conversation fehlte es niemals(...)Der
internationale Charakter unseres Salons übte auch auf die Italiener eine
derartige Anziehungskraft aus, dass, nachdem Florenz die Hauptstadt Italiens
geworden und die Regierung hierher übergesiedelt war, die Minister Minghetti
und Visconti-Venosta uns mitteilen ließen, es würde sie freuen,
wenn wir sie einladen würden. Ich bemerkte, dass sie bei uns eine für
sie ungewöhnliche Gesellschaft finden würden, so z.B. Bakunin, das
Haupt des revolutionären Russland, und Dolfi, den früheren Führer
der republikanischen Partei in Florenz, seines Standes ein Bäcker. Die
Minister erschienen dennoch und unterhielten sich sehr gut, obgleich die übrigen
Gäste sich nicht viel um sie kümmerten; nur die Engländer und
Amerikaner ließen sich ihnen vorstellen.“[28]
Zwischen den Gribaldianern und der Führungspersonnage des neuen Italien
war der Dialog nach der Niederschlagung von Garibaldis Aspromonte-Abenteuer
abgerissen; man ignorierte sich gegenseitig und traf sich in neutralen Salons
oder auf Beerdigungen früherer Mitkämpfer.
Ein solcher Anlaß war auch das Begräbnis des von Pulszky erwähnten
Giuseppe Dolfi, der „Bäckers von Florenz“, auf den sich Parteigänger
der unterschiedlichsten Richtungen einigen konnten. In der Revolution von
1848/49 hatte er eine wichtige Rolle gespielt. Ludmilla Assing schreibt über
die Beisetzung des 1869 verstorbenen Volkshelden:
„Ein Leichenbegräbnis wie dieses war in der Arno-Stadt noch gar
nicht vorgekommen. Wie keine Geistlichkeit und keine Bruderschaft dabei sichtbar
waren, so auch keinerlei Uniform, der Verstorbene hatte es sich verbeten;
es sollten ihn bloß seine Mitbürger als solche begleiten. Für
sie hatte er ja gelebt, gewirkt und gelitten, und sie hatten sich auch alle
eingestellt, Alte und Junge, Reiche und Arme, Vornehme und Geringe, Männer
und Frauen, Greise und die Jugend der Schulen. Friedlich schritt hier der
Republicaner neben dem Consorten, der Freidenker zur Seite des Frommen, alle
begruben ihren Freund, den Bäcker Dolfi, der sie in den Tagen der Revolution
geführt und gelenkt, in ihrem Namen mit den Mächtigen unterhandelt
und diese zur Abdankung gezwungen hatte.“[29]
So einig waren sich indes Republikaner und Monarchisten, Freidenker und Katholiken
nur noch selten.
Wie bei den italienischen Intellektuellen, so verliefen auch zwischen den
ansässigen Deutschen politische Trennungslinien, und man traf sich primär
mit Gleichgesinnten. Einer der wenigen, der die Demarkationslinien unbekümmert
überschritt, war der bereits zitierte Journalist und Schriftsteller Heinrich
Homberger. Er verkehrte als unermüdlicher Wanderer zwischen den Salons
sowohl bei der Assing als auch bei den Peruzzis und in der Casa Petrovic.
Homberger stammte aus dem damals großherzoglich-hessischen Mainz, studierte
in Gießen Jura und kam 1865 als Korrespondent der „Augsburger
Allgemeinen“, die in der Italienberichterstattung führend war,
nach Florenz. Sein Interesse an Italien war durchaus patriotisch, denn es
galt vor allem dessen Einigungsprozeß, in dem er ein Vorbild für
die Lösung der deutschen Frage sah. So hatte er schon 1861 geschrieben:
„Die Geschicke Italiens und Deutschlands sind untrennbar; die Einheit
des einen begründet die des anderen.“[30]
Und so „treibt“ ihn, als er 1865 italienischen Boden betritt,
„die politische Aufgabe Deutschlands“.
„Ich will sehen, wie Neapolitaner, Toscaner und Lombarden in fünf
Jahren...zu einem Volke mit einem Vaterlande verschmolzen sind, und durch
diese Anschauung will ich mich belehren und Andere, wenn es mir möglich
ist, auf daß diesseits der Alpen wie jenseits der glückliche Sohn
eines großen Landes `auf freiem Grund mit freiem Volke wohne`...Ich
möchte beitragen, die beiden Länder einander nahe zu bringen, die
so vieles gemeinsam haben.“[31]
Die politische Vision von der geeinten Nation, die mit ihresgleichen friedlich
koexistiert und so das Glück der Menschen aller Nationen begründet,
wurde von vielen Deutschen ganz unterschiedlicher politischer Färbung,
von Linken, Liberalen und Konservativen, geteilt und schien im Italien des
Risorgimento Wirklichkeit werden zu wollen. So hatte aus deutscher Perspektive
die italienische Einigung eine besondere Attraktivität; in den 1860er
Jahren war die Diskussion über Italien bei Konservativen und Liberalen,
Groß- und Kleindeutschen Bestandteil der Diskussion über Deutschland.[32]
Homberger repräsentiert jedoch auch den Typus des vom Gang der Dinge
Enttäuschten, des larmoyanten Epigonen. Seine späteren Schriften
aus den siebziger und achtziger Jahren zeugen von einem skrupulösen Umgang
mit den Größen der Vergangenheit, der eher die Ferne zu ihnen reflektiert
und abmißt, als sich mit ihnen aufzuputzen. Für den Schriftsteller
Homberger - seine Sammlung italienischer Novellen erschien 1879 - steht der
Umgang mit der Sprache im Vordergrund. Dabei ist die Beschäftigung mit
den Heroen, die Lektüre von Goethe, Shakespeare und Dante, ständige
Begleitmusik.[33] Die von den Großen ausgebildete Sprache empfindet
er als Fessel seines eigenen Schaffens, da sie der heutigen Wirklichkeit nicht
gerecht werde, aber dennoch nicht mehr die Kraft zur Neuschöpfung verleihe.
Die ganze Sehnsucht nach einer anderen Sprache und letztlich nach einer anderen
Welt drückt er aus wenn er schreibt:
„Beiden Dichtern (Shakespeare und Dante, die Verf.) aber kam unendlich
zustatten, daß sie über eine noch junge, saftstrotzende, frei bewegliche
Sprache verfügten, deren Flexibilität sich jedem Anspruch fügte.
Sie wurden nicht sowohl durch die Gestalt der Sprache bedingt und bestimmt,
als sie deren Gestalt bestimmten. Sie schufen nicht nur mittelst der Sprache,
sie schufen die Sprache selbst, schmiedeten sich ihr Werkzeug, bekamen es
nicht geliefert.“[34]
Diese prometheische Vorstellung von den mit dem Feuer hantierenden Schöpfern
der Sprache bildet den Kontrast zum Selbstbild Hombergers und vieler anderer,
vor allem in der Zeit nach 1870, dem Gefangensein in den erkalteten, festgewordenen
Formen des Gegebenen. Dem aus der vorangegangenen Kunstperiode ererbten Impuls
genialen Schöpfertums und idealischer Ganzheit und der Emphase der Revolution
steht die Gefangenschaft im Unabänderlichen und die große Zersplitterung
des Wissens entgegen. Was bleibt angesichts solcher Aussichten anderes als
eine Art von fruchtbarer Epigonalität, die das Gegebene „unterlegt“
mit den kräftigeren Farben großer Schöpfungen und bestrebt
ist, wie Homberger sagt, „die Welt als Idee zu sehen“?[35]
Wer so denkt, schafft nicht die große Form. Die Versuche Hombergers,
erfolgreich Dramen zu schreiben, scheitern; ebenso erging es Herman Grimm.
So sind auch die favorisierten Formen des literarischen Schaffens neben der
Biographie die wiederbelebte Novelle und der Essay.
Die Form des Essays ist „nicht lehrhaft, sondern künstlerisch“[36],
sagt Homberger. Die ihn hervorbringen, sind Schriftsteller, „welche
zugleich den Büchern und dem Leben angehören, zwischen Wissenschaft
und Kunst inmitten stehen“.[37] Mehr oder weniger charakterisiert diese
Beschreibung alle zu jener Zeit in Florenz ansässigen deutschen Schriftsteller.
Sie alle waren Mittler zwischen gegensätzlichen Welten, Deutschland und
Italien, Vergangenheit, als Übermacht oder Referenz, Gegenwart und Zukunft;
in ihr Schreiben drängten sich als dessen Bedingung romantisches Gedankengut
und revolutionäre Bewegung, unter welcher politischen Perspektive auch
immer.
Tatsächlich muß solches Epigonentum nicht als Schwundstufe vergangener
glanzvoller Genialität betrachtet werden, wie Gert Mattenklott in seinem
Essay „Epigonalität“ ausführt. Freilich, so Mattenklott,
sei diese Haltung den Gebildeten oft suspekt gewesen:
„Epigonen kommen mit dem Gesetz in Konflikt, immer, auch wenn sie keinen
Richter finden. Es ist das Gesetz des kontinuierlichen, nicht umkehrbaren
Fortschritts.
Vor diesem Gesetz, poetisch dem der Innovation, gewinnt das Epigonale
anarchische Züge, behauptet es den Willen von Freiheit, auch einer Freiheit
zur Wiederholung, wenn es das Rechte war - freilich nicht ohne Melancholie
in einer gesellschaftlichen Konstellation, in der das Reflexive, das Zurückbeugen,
ein solches Ärgernis ist.“[38]
Die Epigonen, von denen hier die Rede ist, haben sich in die Freiheit eines
Italien begeben, das durch seine in vielen Bereichen zurückgebliebene
Entwicklung Rettung versprach von den Zumutungen der Moderne und in dem die
Nähe zu Kunst und Kultur der „Alten“ dem Schönen ewige
Dauer zu verleihen schien; so protestierten sie auch „gegen die Vergeudung
des Schönen zugunsten angeblicher Entwicklung“.[39] Das Risorgimento
gab selbst dem romantischen deutschen Traum von der Nationwerdung mehr Nahrung
als der Bismarckstaat; Italia als Kulturnation bot mehr als dieser den Intellektuellen
ein Vater- bzw. Mutterland. Denn was sollten sie auch finden in ihrer Gegenwart,
in der statt Genialität Ingenieurwesen, statt vernünftige Gelehrsamkeit
technische Rationalität und statt universalistischer Humanismus wissenschaftsgestützte
Produktionssteigerung im Zentrum der Aufmerksamkeit der Zeitgenossen stand.
Die Gegenwart erschien hoffnungslos profan, und so blieb ihnen nur die Erinnerung
an vorgeblich genialische Zeiten, sei es Dantes Florenz oder Goethes Weimar
- durchaus im Sinne Herman Grimms, für den beide Städte eine Quelle
jenes geistigen Reichtums waren, ohne den die Völker in der Zeit der
äußeren Triumphe verarmen müßten.[40]
In diese Haltung mischte sich freilich, wie schon bei Homberger zu sehen war,
ein Wissen um Vergeblichkeit. Dieses melancholische Epigonentum zeichnet die
Schreibhaltung Herman Grimms und Hombergers, aber auch Hillebrands aus.
Dantes Florenz und seine Republikanischen Traditionen, Savonarola, Macchiavelli
und zahlreiche größere und kleinere Heroen der italienischen Kultur-
und Geistesgeschichte waren auch die Heroen des linken Flügels des Risorgimentos.
Dall`Ongaros Dantevorlesung wurde zum Treffpunkt linksintellektueller Kreise
der toskanischen Hauptstadt. Nicht zuletzt die von Mazzini und Garibaldi vertretene
Vorstellung eines Dritten Roms ist die Reprise vergangener Größe
in der Hoffnung, daß es nach dem Rom der Imperatoren und dem der Päpste
ein Rom des Volkes geben werde. Da es nach der Staatsgründung Italiens
größter Ehrgeiz war, möglichst schnell so zu werden, wie andere
mitteleuropäische Staaten, hatte die Linke in den Folgejahren vielleicht
kulturellen, aber wenig politischen Einfluß. Das mag auch daran liegen,
daß sie versuchte, ihre „politische Poesie“ aus der Vergangenheit
zu beziehen. Schon Marx stellte fest, daß die revolutionären Bewegungen
das Maskentreiben und den Kostümball lieben.
„Die Tradition aller toten Geschlechter lastet wie ein Alp auf dem Gehirne
der Lebenden. Und wenn sie eben damit beschäftigt scheinen, sich und
die Dinge umzuwälzen, noch nicht Dagewesenes zu schaffen, gerade in solchen
Epochen revolutionärer Krise beschwören sie ängstlich die Geister
der Vergangenheit zu ihrem Dienste herauf,entlehnen ihnen Namen, Schlachtparole,
Kostüm, um in dieser altehrwürdigen Verkleidung und mit dieser erborgten
Sprache die neuen Weltgeschichtsszene aufzuführen. So maskierte sich
Luther als Apostel Paulus, die Revolution von 1789-1814 drapierte sich abwechselnd
als römische Republik und als römisches Kaisertum, und die Revolution
von 1848 wußte nichts besseres zu tun, als hier 1789, dort die revolutionäre
Überlieferung von 1793-1795 zu parodieren.“[41]
Was für die Französische Revolution noch anging, ist für ihn
in den `modernen` Zeiten des 19. Jahrhunderts nur noch der Geisterball der
Wiedergänger.
„Die soziale Revolution des neunzehnten Jahrhunderts kann ihre Poesie
nicht aus der Vergangenheit schöpfen, sondern nur aus der Zukunft. Sie
kann nicht mit sich selbst beginnen, bevor sie allen Aberglauben an die Vergangenheit
abgestreift hat. Die früheren Revolutionen bedurften der weltgeschichtlichen
Rückerinnerungen, um über ihren eigenen Inhalt zu betäuben.
Die Revolution des neunzehnten Jahrhunderts muß die Toten ihre Toten
begraben lassen, um bei ihrem eignen Inhalt anzukommen. Dort ging die Phrase
über den Inhalt, hier geht der Inhalt über die Phrase hinaus.“[42]
Eine epigonale Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart der besonderen
Art wurde 1865 in Florenz zelebriert. In einer mehrtägigen Huldigung
an Dante feierten sich das Risorgimento, der junge italienische Staat und
die Stadt Florenz selbst.
In Ludmilla Assings Bericht wird deutlich, daß, verglichen mit den Festen,
die sich die Deutschen nach der Einigung gaben, wirklich Kunst und Literatur,
nicht Militär oder König im Vordergrund standen. Ihr Fazit des ersten
Festtages lautet:
„Kein lärmender Enthusiasmus zeigte sich, der weder der Feier noch
den Zeitverhältnissen angemessen wäre, aber ernster Antheil und
Verehrung für den gewaltigen Dichter, der jedem patriotisch fühlenden
Italiener theuer sein muß und von ganz Europa bewundert wird.“[43]
Assing beschreibt die Dante-Feier als heiteres und elegantes Fest, Girlanden-
und Blumenschmuck milderte die Strenge der Florentiner Architektur. Der Eröffnungszug
wurde von Schriftstellern und Journalisten angeführt, Bürger, Politiker,
Arbeiterassoziationen marschierten gemeinsam im Namen Dantes.
Selbst die in Florenz lebenden Ausländer waren in den Festzügen
vertreten und bildeten den Mittelpunkt einer speziellen Veranstaltung:
„Am folgenden Tag war ein großes Festmahl beim Grafen Alfred Serristori,
welches den in Florenz anwesenden Fremden gegeben wurde. Unter den Italienern
fehlten manche der Demokratie teuere Männer, die da, wo es Freiheit und
Nationalität gilt, schmerzlich vermißt werden müssen; doch
waren viele in der Literatur und Wissenschaft ausgezeichnete Persönlichkeiten
da, wie Mamiani, Michele Amari, der Verfasser der Geschichte Siziliens, Dall`
Ongaro, der liebenswürdige Dichter, Professor Villari, der Verfasser
der Biographie Savonarola` s. Mamiani hielt eine Rede, in welcher er den Fremden
für ihre Sympathie für Italien dankte; Dall` Ongaro sprach über
Religionsfreiheit(...)Von Deutschen waren anwesend Dr. Philipp Schwarzenberg,
der im Frankfurter Parlament der Linken angehörte, noch in Stuttgart
treu aushielt und dafür aus dem Vaterlande (er ist ein Kurhesse) exiliert
ist, Dr. Heinrich Brockhaus, Dr. Homberger(...)Dr. Schwarzenberg hielt eine
Rede, die seine herzliche Anerkennung der italienischen Nationalität
bewies.“[44]
Hier zeigt sich noch einmal der kosmopolitische Charakter des italienischen
Risorgimento; andererseits macht Assing in ihrer Artikelserie über die
Dante-Feiern auch deutlich, daß auf die Anwesenheit Mazzinis und Garibaldis
kein Wert gelegt wurde, die Regierung betrachtet das Risorgimento als weitgehend
abgeschlossen, die Revolution ist zu Ende. Was bleibt, ist der schöne,
aber auch epigonale Kult um Dante. In diesem Kult können sich Linke wie
Rechte, Ausländer und Einheimische, Wissenschaftler wie Politiker trefflich
zusammenfinden, auch wenn den einen Dante als Garibaldi des Mittelalters und
den anderen Dante als erster König Italiens galt.[45] Die Inszenierung
der vergangenen kulturellen Größe Italiens wurde von dem jungen
Staat ganz bewußt betrieben, da die nationale Identität ausgesprochen
vage war und sich niemand so recht vorstellen konnte, was „italienisch“
eigentlich sei. Verglichen mit dem Deutschland der Gründerjahre ist die
Fundierung der nationalen Identität auf kultureller Basis sicherlich
ein Vorzug Italiens, läßt jedoch die Gegenwart ausgespart und zeitgenössische
Italianità undefiniert. In der Florentiner Dantefeier oder zumindest
in Ludmilla Assings Erzählung über sie läßt sich jedoch
die kulturell produktive Funktion der Epigonalität nachvollziehen in
der Lust an Reprise, Mimikry, Nachhall und Verdoppelung.[46]
Denn mit genau diesen Elementen schlossen die Wahlflorentiner und ihre einheimischen
Freunde die Dante-Huldigung ab. Sie feierten ein eigenes Fest, das den gefeierten
Dichter, die Stadt und ihre Künstler und Intellektuellen in einer einzigartigen
epigonalen Synthese zusammenschloß.
„Am Abend vereinigte das gastliche Haus von Franz Pulszky und seiner
liebenswürdigen Gattin in ihrem romantischen Palazzo Petrovitch alles,
was von Kunst, Wissenschaft und Literatur und ausgezeichneten Fremden in Florenz
vereinigt war. Aus den erleuchteten Sälen trat man in den duftigen Garten
hinaus, der, auf der Höhe gelegen, die ganze illuminirte Stadt zu seinen
Füßen hat(...)die beiden berühmten Schauspieler Rossi und
Salvini declamirten um die Wette Dante-Gesänge, und es möchte schwer
zu entscheiden sein, wem man den Preis zu ertheilen habe(...)Frau Fusinato,
die Gattin des Dichters Fusinato, declamirte im Garten, und von bengalischem
Feuer beleuchtet, erschien zwischen den Bäumen und Gesträuchen ein
lebendes Bild, Dante, Beatrice und Gemma vorstellend.“[47]
Das Pathos der Revolution ist verflogen; was bleibt, ist der Versuch, die
Kultur der Vergangenheit neu zu inszenieren. Die ästhetische Milderung
der Spannung zwischen den großen Hoffnungen und der verkleinernden Realität
deckt aber auch das epigonale Muster auf, das der geistigen und künstlerischen
Produktion wie dem politischen Denken nach dessen Desillusionierung durch
das Scheitern revolutionärer Ambitionen zugrunde liegt: das Empfinden
der Minderwertigkeit der eigenen Zeit und die daraus folgende Berufung auf
eine bessere, deren Größen zu Gewährsmännern einer Erneuerung
werden könnten. Dabei sind die Strategien der Vergegenwärtigung
durchaus vielfältig.
Herman Grimm etwa, der zusammen mit seiner Frau Gisela oft in Florenz weilte
und u.a. in den Häusern Homberger, Perruzzi und Hillebrand verkehrte,
war ein Meister in der Wiederbelebung des Abgelebten und entwickelte daraus
ein ganzes Programm. 1887 veröffentlichte er seinen Essay „Die
Maifeste in Florenz“, in dem er einmal mehr die Renaissancearchitektur
und die neubelebten Maifeste rühmt;[48] in letzteren sieht er den gelungenen
Versuch einer Revitalisierung des geistigen Erbes der Stadt und schließt
mit einem Vergleich zwischen Florenz und Weimar. Denn Goethe, so Grimm ein
Jahr später anläßlich der ersten ordentlichen Versammlung
der Goethegesellschaft, sei ein „Unsterblicher“, der „auch
heute noch lebendig und Leben verleihend unter uns steht“.[49] Er sei
für Weimar, was Raphael und Michelangelo für Florenz sind; die lebendige
Gegenwart dieser Heroen macht den „geistigen Wert“ von Weimar
und Florenz aus; Weimar werde so für die Deutschen, was Florenz für
den jungen italienischen Staat sei: eine Möglichkeit der „R ü
c k k e h r (Hervorh. die Verf.) unseres Volkes zu den echten Quellen
seines geistigen Wohlstandes“[50], damit die Völker in der Zeit
der äußeren Triumphe nicht verarmen mögen.
Nachdem es dem italienischen Staat durch den deutsch-französischen Krieg
endlich ermöglicht wurde, Rom einzunehmen, ging der Traum vieler Risorgimento-Aktivisten
in Erfüllung, die ewige Stadt nicht als caput mundi, sondern als Roma
capitale zu sehen. Die profane Hauptstadt, die schließlich entstand,
hatte jedoch wenig Ähnlichkeit mit dem von Mazzini erträumten Dritten
Rom, das als gescheiterte Zielvorstellung, als gescheiterter Traum fortlebte
und als grandioses Versagen wie ein Alp auf den Gehirnen der Lebenden lastete.
Nüchtern betrachtet war der Umzug nach Rom für den jungen italienischen
Staat nicht unbedingt ein Glücksfall. Denn mit der Verlagerung des Regierungssitzes
vom weltoffenen und gelehrten Florenz in das aristokratisch-hinterwäldlerische
Rom handelten sich die Italiener eine Dauerfehde mit dem empörten Papst
und die Dauerbeobachtung durch die ums Kulturerbe bangenden europäischen
Feuilletons ein. Spätestens mit dem Wechsel der Hauptstadt, der allerdings
mehr Symptom ist als Ursache, wurde auch deutlich, daß die Italiener
zunehmend dem europäischen Trend folgten und Nation weniger durch Kulturleistungen
als durch Ab-und Ausgrenzung definierten. Die kosmopolitische Weltoffenheit
der italienischen Einigungsbewegung drohte im Taumel der italienischen nationalen
Identitätsfindung unterzugehen. Die Deutsch-Florentiner, ehemalige Revolutionäre
und Epigonen gleichermaßen, verlegten sich nun auf das Vermitteln zwischen
Heimat und Wahlheimat.
Einen besonderen Stellenwert hatte dabei Karl Hillebrands Zeitschrift „Italia“,
in der nicht nur beinahe sämtliche bereits genannten Deutsch-Florentiner
zu Wort kamen, sondern auch viele hervorragende italienische Wissenschaftler
und Politiker, u.a. der Historiker Michele Amari und der durch seine Savonarola-Biographie
sowie seine Schriften zur süditalienischen Frage berühmt gewordene
Pasquale Villari.
Der spätere Hillebrand sagte von sich, er sei kein „Demokrat“;
er war national gesinnt und schätzte Bismarck. Doch er erkannte, daß
sich die freiheitlich-emanzipatorischen Implikationen des Begriffs „Nation“
schnell verschlissen und besonders in Deutschland auf martialische Außenabgrenzung
reduzierten; bereits 1874 warnte er die Deutschen vor einem „leidenschaftlich-engherzigen
Nationalgeist“.[51] Hillebrands Vita steht prototypisch für einen
Intellektuellen, dessen Leben von der Revolution, mehrfachem Exil und der
geistigen Auseinandersetzung mit mehrfach gescheiterten Hoffnungen geprägt
war. Dieser Standpunkt ermöglichte es ihm, einen deutschen Nationalismus
mit europäischer Dimension zu vertreten. Sein Freund Heinrich Homberger
merkt dazu an:
„Um diese Persönlichkeit, diesen Schriftsteller zu erzeugen, mußten
deutsche Weltanschauung und ausländisches, französisches, englisches,
italienisches Leben sich vereinigen(...)Hillebrands Originalität bestand
darin, daß sich bei ihm Angeborenes und Erworbenes, Eigenes und Fremdes
so völlig durchdrangen, ohne Rest und ohne Riß, keine künstliche
Zusammensetzung, sondern eine künstlerische Bildung(...)“[52]
Diese „künstlerische Bildung“ entstand aus einem durchaus
epigonalen Bezug auf ein gesamteuropäisches Kulturerbe. In seinen Essays
behandelt er jedoch auch Fragen zeitgenössischer Kunstentwicklung. Sein
Gesprächspartner dabei war ein anderes Mitglied der deutschen Kolonie
in Florenz, der aus Marburg stammende Bildhauer Adolph von Hildebrand.[53]
Dieser lebte seit 1872 in dem ehemaligen Kloster San Francesco di Paola, das
er mit Fresken im renaissancistischen und prämodernen Stil dekorierte.
In diesem Kunstkloster lebte er zunächst mit Hans von Marees in kongenialer
Freundschaft, später mit seiner Gefährtin und stetig wachsender
Töchterschar. Hildebrand, in seiner Bildhauerei vor allem einem neoklassizistischen
Stilempfinden folgend, nimmt in seinen theoretischen Schriften, aber auch
in seinem Versuch, in San Francesco so etwas wie eine Einheit von Leben und
Werk zu konstruieren, durchaus avantgardistische Impulse auf. Dies machte
sein Haus nicht nur für die Deutschen, sondern auch für die englischen
und angloamerikanischen Schriftsteller und Künstler wie Henry James oder
Ethel Smythe interessant.
Künstler wie Adolph von Hildebrand und in anderer Weise auch Arnold Böcklin,
der sich die Villa Bellagio ähnlich eklektizistisch ausgestaltete wie
Hildebrand sein Kloster, antworteten auf den Überdruß an der Gründerära
mit einem von Antike und Renaissance ausgehenden, dann freilich in die Moderne
überleitenden Ästhetizismus.[54] Das Italien jedoch, in dem sie
Tag für Tag lebten, geriet dabei nicht in den Blick. So schön jedoch
das Künstlerleben in den idealen Häusern, der idealen Geselligkeit
und oberhalb der idealen Stadt auch war, je mehr es dem geträumten und
gemalten „goldenen Zeitalter“ zu gleichen schien, desto mehr wuchs
die Italienwahrnehmung wieder hinüber in hergebrachte Muster, wie sie
sich schon in Goethes römischem Arkadien finden; in den auf Goethe folgenden
200 Jahren erlebte dieses Italienbild zahlreiche Reprisen, neuerdings indes
in vulgarisierter Form, sei es in der berüchtigten Caprisonne oder den
Wochenendidyllen der „Toskanafraktion“.
Dem gegenüber steht das bewußte Leben in beiden Kulturen, der deutschen
und der italienischen, die historisch, gesellschaftlich und politisch interessierte
Italienwahrnehmung der Deutsch-Florentiner der Risorgimentozeit, mag sie nun
epigonal-konservativ wie die Hillebrands, Grimms oder später Hombergers
gewesen sein, oder revolutionär wie die Assings und Pulszkys. Hillebrands
Zeitschrift „Italia“ und Assings Artikel und Biographien haben
eines gemeinsam: sie wollen den jungen italienischen Staat, seine kulturelle,
politische und soziale Physiognomie der ebenso jungen deutschen Nation nahebringen
und damit ein Gegengewicht schaffen zum Gebrauch des Landes als bloße
Staffage oder Projektionsfläche ästhetischer und anderer Sehnsüchte.
Mit ihren Schriften wie mit ihrem Leben stellten die Deutsch-Florentiner eine
vorher und nachher unerreichte Nähe zwischen Deutschland und dem Italien
der Italiener her, vielleicht ein Grund, weshalb sie bisher in der deutschen
Forschung kaum, in der italienischen schon eher auf Interesse stießen.
[1] Benedetto Croce:
Geschichte Italiens 1871-1915. Berlin 1928, S.7.
[2] Harry Hearder: Italy
in the Age of the Risorgimento 1790-1870. London, New York 1983, (Longman
history of Italy, 6), S.254.
[3] Vgl. Giuseppina
Rossi: Salotti letterari in Toscana. I tempi, l’ambiente, i personaggi.
Firenze 1992, S. 47-54. Siehe auch: Christina Ujma, Rotraut Fischer: Deutsch-Florentiner.
Der Salon als Ort italienisch-deutschen Kulturaustausches im Florenz der zweiten
Hälfte des 19. Jahrhunderts. In: Europa – ein Salon? Beiträge
zur Internationalität des literarischen Salons. Göttingen 1999,
S. 127-146.
[4] Zur Entwicklung
des Gabinetto Vieusseux vgl. : Il Vieusseux. Storia di un Gabinetto
di lettura 1819-2000. Cronologia, Saggi, Testimonianze. Hrsg. v. Laura Desideri,
Firenze 2001.
[5] Antonio Gramsci:
Il Risorgimento. Torino 1966 (9), S. 155.
[6] Fanny Lewald: Reisebriefe
aus Deutschland, Italien und Frankreich (1877, 1878). Berlin 1880, S.123.
[7] Harry Hearder: Italy
(wie Anm. 2), S.296.
[8] Fanny Lewald: Reisebriefe
(wie Anm.6), S.81.
[9] Fanny Lewald: Caroline
Unger-Sabtier. In: Zwölf Bilder nach dem Leben. Erinnerungen von Fanny
Lewald. Berlin 1888, S.83.
[10] Heinrich Heine: Die Romantische
Schule. In: (Heinrich Heine:) Sämtliche Schriften in 12 Bänden.
Hrsg. von Klaus Briegleb, München, Wien 1976, Bd. 5, S.463.
[11] Vgl. dazu ausführlich
Rotraut Fischer, Christina Ujma: Von der Lahn an den Arno. Otto Hartwig (1830-1903),
ein hessischer und Hallenser Bibliothekar in Italien. In: Jahrbuch der Brüder
Grimm-Gesellschaft VII, Kassel 1997/2001, S.66ff.
[12] Jacob Burckhardt: Die
Kultur der Renaissance in Italien. Hrsg. von Werner Kaegi, Jacob Burckhardt-Gesamtausgabe,
Bd.5, Stuttgart, Berlin, Leipzig 1930, S.53.
[13] Heinrich Homberger: Karl
Hillebrand. In: Heinrich Homberger: Ausgewählte Schriften. Essays und
Fragmente. Hrsg. und eingeleitet von Otto Gildemeister, München 1928,
S.98.
[14] Herman Grimm: Leben Michelangelo`s.
5.Aufl., Hannover 1879, S.3 und 7.
[15] Giuseppe Mazzini: Goethe
and Byron (engl. Im Original): http://www.bartleby.com/32/701.html [1.3.06].
[16] Nach Ludmilla Assing:
Vorwort zu: „Die nationale Presse in Italien von 1828 - 1860“
und „Die Kunst der Rebellen“. Zwei Schriften von Piero Cironi.
Hrsg. von Ludmilla Assing, Leipzig 1863, S. 17f.
[17] Franz Pulszky: Meine
Zeit, mein Leben. Bd.4: Während der Verbannung in Italien. Preßburg,
Leipzig 1882, S.192. Zu Philipp Schwarzenberg, der aus dem hessischen Melsungen
stammte und in Abwesenheit zu zwei Jahren Festungshaft verurteilt wurde, und
zum politischen Umfeld der deutschen Demokraten nach 1848 siehe auch: Christian
Jansen: Einheit, Macht und Freiheit. Die Paulskirchenlinke und die deutsche
Politik in der nachrevolutionären Epoche 1849-1867, S.222ff. Düsseldorf
2000 (Kommission für Geschichte des Parlamentarismus und der politischen
Parteien e.V., Bonn).
[18] Ludmilla Assing an Feodor
Wehl. In: Feodor Wehl: Zeit und Menschen. Tagebuchaufzeichnungen aus den Jahren
1863-1885. Altona 1889, S.79f.
[19] Ada von Treskow an Hermann
Pückler-Muskau am 30.10.1865. In: Liebesbriefe eines alten Kavaliers.
Briefwechsel des Fürsten Pückler mit Ada von Treskow. Hrsg. von
Werner Deetjen, Berlin 1938, S.252ff.
[20] Ludmilla Assing: Piero
Cironi. Ein Beitrag zur Geschichte der Revolution in Italien. Leipzig 1867,
S.294f.
[21] Ludmilla Assing: Bei
Giuseppe Mazzini. In: Die Gartenlaube Nr 41, 1889, S.650ff.
[22] Ludmilla Assing: Dichter
und Agitator. In: Die Gartenlaube Nr. 19, 1868, S.297.
[23] Ebd., S.300.
[24] Wolfram Mauser: Karl
Hillebrand. Leben, Werk, Wirkung. Innsbruck 1960 (Gesetz und Wandel. Innsbrucker
historische Arbeiten 1), S.88.
[25] Ebd., S.89.
[26] (Ludmilla Assing, anonym:)Florentiner
Chronik. In: Neue freie Presse. Nr.1861, vom 13.2.1870.
[27] Christina Ujma: Freundschaft,
Freiheit, Revolution. Das Florentiner Risorgimento und seine Geselligkeit
in den Schriften von Ludmilla Assing und Ferenc Pulszky. In: Makkaroni und
Geistesspeise. Almanach der Varnhagen- Gesellschaft 2, hrsg. von Nikolaus
Gatter, Berlin 2002, S. 323-338.
[28] Franz Pulszky: Meine
Zeit, mein Leben (wie Anm. 17), S.161.
[29] Ludmilla Assing: Der
Bäcker von Florenz. In: Die Gartenlaube Nr.33, 1869, S.131f.
[30] Aus Heinrich Hombergers
Nachlaß. Selbstgespräche. Hrsg. und eingeleitet von Otto Gildemeister,
München 1928, Zit. nach der Einleitung, ebd., S.XII.
[31] Ebd.
[32] Immagini a confronto:
Italia e Germania. Deutsche Italienbilder und italienische Deutschlandbilder.
Hrsg. von Angelo Ara und Rudolf Lill, Bologna, Berlin 1991 (Annali dell`Istituto
storico italo-germanico Trento, Contributi 4), S.43.
[33] Aus Heinrich Hombergers
Nachlaß (wie Anm. 30),S.174f.
[34] Ebd., S.173.
[35] Weiter heißt
es bei Homberger: „Der echte Deutsche hat keinen stärkeren Drang
als den der Interpretation; er will einen Kommentar zur Existenz; diese ist
ihm nur um des Kommentars willen wertvoll; und darum fühlt er sich gedrängt,
unterzulegen, wenn es mit dem Auslegen nicht gehen will.“
Diese Selbstdiagnose
führt ein Dilemma vor: Shakespeare nämlich „legt nicht unter“,
sondern „hält sich an den Text, und wo der dunkel und traurig ist,
läßt er es bei dem Dunkel und der Trauer bewenden“. Genau
dieses aber ist den Nachgeborenen nicht mehr möglich; sie erkennen sich
nur wieder im Kommentar, nicht in den Formen gestalteten `Lebens` selbst,
denen sie mißtrauen, weil sie von den Vorgängern erborgt sind. Ebd., S.176.
[36] Heinrich Homberger: Karl
Hillebrand, (wie Anm. 13), S.81.
[37] Ebd., S.79.
[38] Gert Mattenklott: Epigonalität.
In: Ders.: Blindgänger. Physiognomische Essays. Frankfurt/Main 1986,
S.98.
[39] Ebd., S.82.
[40] Herman Grimm: Die Maifeste
in Florenz. In: Deutsche Rundschau 52, 1887, S.144. Zu Herman Grimm und Florenz
siehe auch: Rotraut Fischer, Christina Ujma: Herman Grimm und das neue Florenz.
In: Jahrbuch der Brüder Grimm-Gesellschaft VI, 1996/2000, S.163-174.
[41] Karl Marx: Der achtzehnte
Brumaire des Louis Napoleon. (Geschrieben Dezember 1851 bis März 1852).
Vorrede zur 3. Auflage. In: (Karl Marx, Friedrich Engels): Werke. Band 8,
Berlin 1972, S.115.
[42] Ebd., S.117.
[43] Ludmilla Assing: Die
Dante-Feier in Florenz. In: Deutsche Allgemeine Zeitung Nr. 118, 21.5. 1865.
[44] Assing: Die Dante-Feier
in Florenz. In: Deutsche Allgemeine Zeitung Nr.122, 27.5.1865.
[45] Assing: Die Dante-Feier
in Florenz. In: Deutsche Allgemeine Zeitung Nr. 119, 22.5.1865.
[46] Siehe Gert Mattenklott:
Epigonalität (wie Anm. 36), S.88.
[47] Ebd.
[48] Herman Grimm: Die Maifeste,
(wie Anm. 40), S.139-144.
[49] Herman Grimm: Goethe
im Dienste unserer Zeit. Vortrag, gehalten in Weimar den 2.Mai 1886 bei der
ersten ordentlichen Generalversammlung der Goethe-Gesellschaft. In: Deutsche
Rundschau 47, 1886, S.437.
[50] Herman Grimm: Die Maifeste
(wie Anm. 40), S.144.
[51] Hans-Martin Gauger: Karl
Hillebrand als Sprach- und Stilkritiker. In: Karl Hillebrand. Eretico d` Europa.
Atti del Seminario (1-2-novembre 1984). A cura di Laura Borghese, Firenze
1986, S.40.
[52] Heinrich Homberger: Karl
Hillebrand, (wie Anm. 13), S.84.
[53]
Dazu umfassend: Sigrid Esche-Braunfels: Adolf von Hildebrand (1847-1921).
Berlin 1993.
[54] Arnold Böcklin –
eine Retrospektive. Hrsg. B.W. Lindemann, Öffentliche Kunstsammlungen/Kunstmuseum
Basel, Heidelberg 2001.