Beiträge zur geistigen Situation der Gegenwart  Jg. 7 (2006), Heft 5


 

Kurzfassung der 'Elementarlehre einer logischen Ontologie'

von Friedrich  Seibold

Diese auf Apodiktität beruhende Seinslehre ist die Darstellung eines neuen Weltbildes. Es ist im wesentlichen der logisch unabweisbare Ausdruck eines ontologischen Monismus, d.h. der essentiellen Einheit der Welt und damit die Widerlegung des traditionellen Dualismus von Körper und Geist, Materiellem und Bewußtsein bzw. Natur und Geist. Eine Konsequenz bezüglich dieser Dichotomien ist z.B. auch die essentielle logisch unhaltbare Unterscheidung zwischen Natur und Kultur. Daraus folgt aber nicht ein irgendwie gearteter Idealismus, sondern vielmehr die Auflösung des Gegensatzes von Realismus und Idealismus, indem die Eigenschaften 'bewußt' und 'materiell' als logisch bedeutungsgleich nachgewiesen werden.

Verständlich werden diese Aussagen natürlich nur, wenn man die logisch zwingenden Prämissen und Schlußfolgerungen dieser Elementarlehre nachvollzieht, - nicht, wenn man diese aus dem gewohnten, hier als logisch falsch nachgewiesenen dualistischen Weltbild heraus zu verstehen versucht. In letzterem Fall würde gerade das Widerlegte als Beweisgrund genommen.

Grundsätzlich kann ein System von beweisführenden formallogisch zwingenden Aussagen, wie es diese Elementarlehre ist, nicht vor dem Hintergrund bloßer, in  der konventionellen Philosophie üblichen Plausibilität beurteilt werden. Es kann hinsichtlich des Wahrheitsgehalts nur an seiner Konsistenz geprüft werden. Aus der Geistesgeschichte übernommene Überzeugungen, für die ohnehin kein allgemeiner Konsens besteht, können ein formallogisches Fundament und darauf aufgebaute inhaltliche Aussagen, sofern diese im übrigen logisch fehlerfrei sind, prinzipiell nicht in Frage stellen. Für die Bestimmung von Wahrheit an sich ist zunächst die Einleitung der Elementarlehre grundlegend.

Explizit stützt sich die Elementarlehre auf (im einzelnen ausgeführt):

1) die logisch klassischen Axiome, vor allem auf den 'Satz vom Widerspruch'      und den 'Satz vom zureichenden Grund'
2) mengentheoretische, also logisch-mathematische Axiome
3) die logische Vorschrift, nichts Unbewiesenes vorauszusetzen, was erstlich erfordert, als Prämissen nur logisch nicht leugbare Aussagen zuzulassen
4) die Nicht-Folgerbarkeit einer Kategorie aus einer anderen
5) die Nicht-Folgerbarkeit einer Entität aus ihrem kontradiktorischen Gegensatz
6) das grundsätzliche Erfordernis zweier durch einen Mittelbegriff verknüpfter wahrer Prämissen für die Deduktion einer wahren Schlußfolgerung
7) die Nicht-Denkbarkeit von Bedeutungen, die sich darin vom Denken ausschließen
8) die Unmöglichkeit, etwas Bestimmtes nicht zu denken
9) die Unmöglichkeit, aus der Summe aller Elemente eines Ganzen eines seiner Elemente gedanklich herauszunehmen.

Der Beweis des ontologischen Monismus, also der essentiellen Einheitlichkeit alles Existierenden bzw. der Nachweis der logischen Unhaltbarkeit eines ontologischen Dualismus stützt sich entsprechend auf multiple Beweisführungen. Eine Widerlegung des neuen Weltbildes hätte folglich einen vielfachen Gegenbeweis zu führen, selbstverständlich ohne formallogische Vorschriften zu verletzen.

Konsequenzen der logischen Unhaltbarkeit eines ontologischen Dualismus sind nicht zuletzt die logische Undenkbarkeit von Objektivem im Sinn eines von Subjektivem gänzlich Unabhängigen sowie die essentielle Einheit von erkennendem Subjekt und erkanntem Objekt. Ersteres findet in der Kopenhagener Deutung der Quantenphysik nicht nur in essentieller, sondern auch in existenzieller Hinsicht eine Bestätigung.

Wie in den Schlußbetrachtungen der Elementarlehre ausgeführt, stellt das neue Weltbild keine 'wirkliche Wirklichkeit' dar, weil eine solche nur als Denkfehler gedacht werden kann, sondern 'nur' eine logische Wirklichkeit. Mehr als eine solche Wirklichkeit ist logisch nicht denkbar, weil eine jede behauptete Wirklichkeit zwangsläufig ein mentales Konstrukt ist, das bestenfalls auf logisch zwingenden Aussagen beruht. Zudem würde die Infragestellung dieser logischen Wirklichkeit sich selbst den logischen Boden entziehen, auf dem schon jeder Versuch ihrer Widerlegung stehen müßte.

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