Beiträge zur geistigen Situation der Gegenwart  Jg. 7 (2006), Heft 6


 

Philosophie und Schule - Zum Philosophie - Wettbewerb in Marburg

von Marieke Wagenhäuser / Max Lorenzen

Nicht wenigen unserer Leserinnen und Leser wird es ergehen wie uns: Sie werden noch nie etwas von einer "Philosophie - Olympiade" gehört haben. Der Ausdruck mutet seltsam an. Man denkt vielleicht zunächst an Sportler, die um Hundertstel-Sekunden kämpfen und weltweite Vermarktung, Dinge, die doch offenbar wenig zu tun haben mit Philosophie. Marieke Wagenhäuser, Schülerin der Marburger Martin Luther-Schule, hat an einem vorbereitenden Wettbewerb teilgenommen, der in dieser Form das erste Mal in Hessen stattfand. Ihr Essay zum Sartre-Satz: "Der Mensch ist verdammt, frei zu sein" erhielt den ersten Preis auf Landkreis-Stufe. Wir haben ihr Fragen zur Philosophie - Olympiade, zu ihrer Teilnahme, sowie generell zu ihren Interessengebieten gestellt. Das Gespräch mit Alexander Chucholowski, dem Ethik-Lehrer der Gymnasiastin, über Philosophie an den Schulen - und speziell auch seine Einschätzung des Stellenwertes, den die Philosophie in Deutschland, verglichen etwa mit Frankreich, hat - veröffentlichen wir parallel im Forum.

Marburger Forum: Was ist die Philosophie-Olympiade?

Marieke Wagenhäuser: Die Philosophie- Olympiade ist sozusagen ein Philosophiewettbewerb auf der höchst möglichen Ebene. Länder aus aller Welt nehmen daran teil, darunter auch eine deutsche Vertretung aus zwei Schülern der Sekundarstufe II. Die erste Philosophie- Olympiade wurde 1989 von der Philosophischen Fakultät der Universität Sofia auf nationaler Ebene ins Leben gerufen. Erst seit 1993 ist sie auch international. Die nächste Olympiade findet im türkischen Antalya statt.

MF: Offenbar hat Herr Chucholowski sie erst nach Hessen gebracht?

Wagenhäuser: Herr Chucholowski hat den Landeswettbewerb nach Hessen gebracht. Bisher fand dieser nur in Nordrheinwestphalen statt, weshalb es dort vermutlich auch eine wesentlich höhere Teilnehmerzahl gibt, da der Wettbewerb hier in Hessen noch nicht so populär ist. Dieses Jahr nehmen erstmals alle deutschen Bundesländer an dem Landeswettbewerb teil.

Auch der Philosophiewettbewerb im Landkreis Marburg- Biedenkopf fand dieses Jahr erstmals durch die Initiative von Herrn Chucholowski statt. Sie soll der Vorbereitung auf den Landeswettbewerb dienen. Doch auch dieser Wettbewerb muss sich wohl erst noch etablieren, da die Teilnehmerzahl sehr gering war.

MF: Wie haben Sie von dem Wettbewerb erfahren?

Wagenhäuser: Leider wurde der Ausruf zu dem Philosophiewettbewerb nicht sehr publik gemacht. Letztes Jahr war ich noch nicht im Unterricht von Herrn Chucholowski. Daher wurde ich durch meine letzte Ethiklehrerin darauf aufmerksam gemacht, die speziell auf mich und eine andere Mitschülerin zugegangen ist. In den Unterrichten wurde sehr spät oder teilweise gar nicht darauf hingewiesen. Und das Plakat war leider auch leicht zu übersehen.

MF: Aus welchem Grund haben Sie sich für eine Teilnahme entschieden?

Wagenhäuser: Nachdem mich meine Ethiklehrerin darauf angesprochen hatte, habe ich erstmal die möglichen Themen herangeholt, die zur Auswahl standen. Ich nahm mir viel Zeit, um mir alle Themen einfach durch den Kopf gehen zu lassen und um herauszufinden, ob ich zu einem von ihnen einen Zugang finde. Ich merkte dann recht schnell, dass mich Sartres These von der Freiheit des Menschen besonders zum Überlegen anregte. Von da an hat mich dieses Thema einfach nicht mehr losgelassen und bei fast jeder Alltagssituation gingen mir Standpunkte und Argumente durch den Kopf. Die Frage nach einer Teilnahme stand für mich dann gar nicht mehr aus, da ich an dem Thema längst Feuer gefangen hatte.

MF: Sie nehmen am Philosophie-Unterricht Ihrer Schule teil - womit befasst man sich dort gerade?

Wagenhäuser: Es gibt hier an der Martin- Luther Schule keinen klassischen Philosophie Unterricht. Ich besuche daher den Ethik Unterricht. Aber auch dieser Unterricht enthält natürlich viele Elemente aus der Philosophie. Momentan beschäftigen wir uns zum Beispiel mit der Rechtsphilosophie. Vorausgegangen war das Thema der Toleranz. Auch der Ethikunterricht regt durchaus zum eigenen und philosophischen Nachdenken an.

MF: Was interessiert Sie besonders an der Philosophie?

Wagenhäuser: Ich denke einfach, dass jeder Mensch sich ansatzweise mit der Philosophie beschäftigen sollte. Denn sie hat durchaus etwas mit dem eigenen Leben zu tun. Sie schärft generell einfach den Verstand und fördert das kritische Denken. Da ich in der Religion für mich keinen Weg finde, Existenzfragen zu beantworten, interessiere ich mich eben mehr für die Philosophie. Sie kann einigen Fragen nachgehen, die jeden Menschen beschäftigen auch unabhängig von der Philosophie.

Immer wieder faszinierend finde ich es, wenn man anfängt sich mit einer philosophischen Frage zu beschäftigen und dann plötzlich merkt wie komplex und weitreichend die Konsequenzen sind. Philosophie ist für mich, aus dem eigenen kleinen Umfeld den Schritt nach draußen in die Welt zu wagen und plötzlich zu merken wie undurchschaubar und groß doch alles ist. 

MF: Womit befassen Sie sich sonst gern, welche Bücher lesen Sie?

Wagenhäuser: Ich habe zwei große Leidenschaften. Das ist einmal der Tanz. Mit vier Jahren habe ich bereits angefangen klassisches Ballett zu erlernen. Mittlerweise finde ich fast in jedem Bereich des Tanzes meine Freunde. Hängen geblieben bin ich letztendlich beim Turniertanz und bei Lateinamerikanische Tänzen. Im Tanzen finde ich die schönste Form mich auszudrücken. Ansonsten befasse ich mich unheimlich gerne mit Reisen. Leider konnte ich noch nicht sehr viele Reisen unternehmen. Doch seitdem ich private Kontakte nach Brasilien habe und mehrmals durch dieses wunderschöne Land gereist bin, ist das Reisen zu meiner zweiten Leidenschaft geworden. Damit verbunden ist das Erlernen von anderen Sprachen, woran ich sehr viel Freude habe. Nach dem Abitur ist mein großer Wunsch einen Auslandsaufenthalt machen zu können.

Ich lese gerne sehr unterschiedliche Bücher. Zu meinen absoluten Lieblingsbüchern zählen "Der Alchimist" von Paulo Coelho und "Die Säulen der Erde" von Ken Follett. Ansonsten lese ich fast alles. Von Historischen Romanen über fiktive Romane oder Krimis.  

MF: Welche Musik hören Sie, welche Filme/Theaterstücke sehen Sie gern?

Wagenhäuser: Mein Musikgeschmack ist ebenfalls breit gefächert. Durch meine unterschiedlichen Tanzstile bedingt mag ich sowohl lateinamerikanische Musik, Pop, Klassik, Jazz, als auch französische Chansons oder Roch 'n Roll. Es ist also von allem etwas dabei.

Zu den Filmen, die ich einfach immer wieder gerne sehe, gehören eindeutig "Die Kinder des Monsieur Mathieu" und "Chocolat". Bei Filmen bin ich allerdings eher wählerischer. Action- Horror- Thriller oder amerikanische Teeniefilme finden bei mir keinen Anklang. Ansonsten bin ich Fan von spannungsreichen, komödiantischen und tragischen Filmen.

Ins Theater gehe ich leider nicht sehr oft. Einmal im Jahr gehe ich meistens ins Wiesbadener Staatstheater. Ansonsten gucke ich mir eher Musicals an. Doch in naher Zukunft werden meine Theaterbesuche hoffentlich ein wenig öfter, da ich zwei Theaterkarten für die Marburger Stadthalle beim Philosophiewettbewerb gewonnen habe. 

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