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Beiträge zur geistigen Situation der Gegenwart Jg. 8
(2007), Heft 1

Erste urkundliche Erwähnung Konrads von Marburg durch den
Erzbischof
Siegfried II. von Mainz, Juni 1215
Zur Eröffnung der Ausstellung waren viele Interessenten schon vor der Zeit gekommen, um einen ersten Blick auf die Vitrinen im Foyer des Staatsarchivs zu werfen, bevor sie ihre Plätze im vollbesetzten Festsaal einnahmen. Zunächst wurden sie begrüßt durch den Direktor des Staatsarchivs, Dr. Andreas Hedwig, der sich erfreut zeigte über das große Echo, das die Einladung gefunden hatte. Er begründete sodann die Entscheidung, neben den anderen Ausstellungen zum Elisabethjahr, zu denen das Archiv jeweils Exponate beisteuerte, doch eine eigene Schau zu veranstalten – einmal mit den Schriftquellen zu Elisabeth, die nirgendwo sonst so zahlreich vorliegen, zum anderen, um auf Konrad hinzuweisen, für den sie nur spärlich vorhanden sind, dessen problematische Persönlichkeit als ‚Überzeugungstäter’ aber ein grelles Licht auf Elisabeth wirft, war er es doch der Elisabeth zur Heiligen machte. Und warum war Konrad so verhaßt, daß man ihn schließlich erschlug? Dazu findet sich der Versuch einer Antwort in der Ausstellung.

Miniatur: Hinrichtung von Ketzern, 14. Jahrhundert
Doch zunächst hielt Dr. Christa Meiborg vom Hessischen Landesamt für Denkmalpflege ihren Vortrag: „Was vom Leben übrig bleibt… Archäologische Detektivarbeit vor der Elisabethkirche in Marburg“. Es ging um die Ausgrabungen im Zuge der Bauarbeiten an der Westfront der Elisabethkirche im vergangenen Jahr. Anhand von Photos und zum Teil alten Plänen berichtete sie von dem 1839 abgetragenen Firmaneispeicher, von dem sich alte Abbildungen erhalten haben, dann von der Trennmauer eines alten Nebeneingangs zum Kirchenbezirk, schließlich von den Bestattungen: es wurden 143 Gräber gefunden, davon 15 bisher ungestörte, deren Datierung bis ins 19. Jahrhundert geht. An der Süd-West Ecke des Areals fanden sich außer dem alten Wachhaus weitere Gebäudereste und bei der Untersuchung der Fundamente der Kirche wurde bestätigt, daß diese nur bis zu einer Tiefe von ca. 3,20 m reichen.

Siegel Konrads von Marburg
Belebt wurde der Vortrag durch die Schilderung der Schwierigkeiten, die sich bei Grabungen in einem Gelände ergeben, das von Leitungen und Kanälen aller Art durchzogen ist und auf dem gleichzeitig gebaut wird.

Konrad züchtigt Elisabeth. Ölskizze von Peter Janssen von1895
für
ein Wandgemälde in der Aula der Alten Universität zu Marburg
Anschließend führte Dr. Vahl vom Staatsarchiv Marburg mit einer knappen Übersicht in die Ausstellung ein. Sie zeigt in sieben Vitrinen und auf mehreren Stellwänden Konrad von Marburgs Weg als Kreuzzugsprediger und Ketzerverfolger. Sie illustriert das komplizierte Verhältnis zwischen ihm und seinem Beichtkind Elisabeth – für die Wirkungsgeschichte sei hier bereits auf die Ölskizze für das aus der Aula der Universität bekannte Bild von Peter Jansen verwiesen, das Konrad vor Elisabeth zeigt. Der Maler hat ihn zunächst mit der drohenden Geißel in der Hand dargestellt, die in der Aula fortblieb (obwohl Konrads Haltung kaum verändert ist und man sich also die Geißel immer noch dazudenkt!) – Weiter wird Konrads Rolle bei Elisabeths Heiligsprechung dokumentiert, sowie seine Beteiligung an der Übereignung des Franziskus-Hospitals an den Deutschen Orden. Den Abschluß bildet ein Blick auf die Pflege von Elisabeths Andenken durch den deutschen Orden. Auf die Darstellung der Elisabeth-Legenden wurde weitgehend verzichtet.
Zur eingehenden Betrachtung der Exponate ist nun noch bis zum November 2007 Zeit.
Renate Scharffenberg
Wir bedanken uns beim Hessischen Staatsarchiv Marburg für die Abdruckgenehmigung
der Bilder. Sämtliche Exponate der Ausstellung finden Sie im digitalen Archiv
unter:
http://www.digam.net