Beiträge zur geistigen Situation der Gegenwart  Jg. 8 (2007), Heft 1


 

Krone, Brot und Rosen II – Elisabeth goes Multimedia
ASIN – 3422020500

 

Um sicher zu gehen, daß Elisabeth und ihre Geschichte auch wirklich jeden noch so modernen Zeitgeist erreicht, wurde in Zusammenarbeit der Evangelischen Kirchen mit dem Bildarchiv Foto Marburg eine beschauliche, mit Bildern und Tönen wohlversorgte CD-Rom produziert, als Bestandteil des im Deutschen Kunstverlags publizierten Katalogs „Krone Brot und Rosen. 800 Jahre Elisabeth von Thüringen.“
Abgesehen vom Thema, dem Cover und den auf den Punkt gebrachten Beiträge haben die beiden Produkte jedoch nichts gemein.
Der User wird zunächst nicht nur mit einer Vielzahl von gemessen über den Monitor gleitenden Bildern empfangen, sondern auch mit Musik – Saxophon, Gitarre, sphärisch dahinschmelzend. Beides zuweilen etwas nervend, um dem modernen Medium entsprechend im Jargon zu bleiben, denn weder ist das Intro zu überspringen, noch die Musik zu stoppen oder klangtechnisch zu regulieren.

Sei's drum, dem Thema angemessen, wurde alles nichtsdestotrotz dezent umgesetzt. Und abwechslungsreich: So öffnet jeder Buchstabe des auf der Eingangsseite positionierten Namens "Elisabeth" eines von insgesamt neun Kapiteln - Legende, Heilige, Geschichte, Marburg, Bildwerk, Verehrung, Zitate, Heute, und Bilderalbum. Einmal angeklickt, werden die Kapitelinhalte farbig eingeblendet, Musik ertönt - zu jedem Kapitel eine andere Weise -, die dann auf der sich öffnenden Seite fortgesetzt wird. So begleiten den Betrachter bei der Rezeption der Elisabeth-Legende z.B. ätherische Klänge, oder verbrämen Gregorianische Chorgesänge gemessen den Abschnitt, der dem Leben der Heiligen gewidmet ist; das Kapitel "Marburg", das interessanterweise nur die Elisabethkirche vorstellt, lässt wiederum mittelalterliche Klänge fröhlich säuseln.

Doch nicht nur Bilder empfangen den digital Surfenden: Eine distinguierte weibliche Stimme informiert über die Reliquien der Heiligen oder erzählt einige der Elisabethwunder. Ungünstig also, wenn man mittlerweile die Boxen ausgeschaltet hat, um den himmlischen Klängen von Gitarre, Saxophon & Co zu entgehen, denn nirgendwo gibt es einen Hinweis darauf, daß sich hier akustisch etwas tut.
Des weiteren: Ein Grundriß der Elisabethkirche offeriert dem Betrachter die Möglichkeit, diverse Objekte anzuklicken und alsdann via Kameraschwenk durch die Kirche der Heiligen zu segeln. Eine nette Spielerei, wenn auch mit einem für ein solches Produkt etwas überraschenden Fehler behaftet – denn auf dem Grundriß wurde der Georg-Martin Altar der Südkonche mit dem Elisabethaltar der Nordkonche verwechselt.

Auch für andere Spielereien waren die Schaffer der CD zu haben: So ist es möglich per klick-and-drop das weltberühmte Kopfreliquiar sich so zurecht zu zoomen, daß die Stelle des persönlichen Interesses genau unter Betracht genommen werden kann; am Schrein der Heiligen werden die Namen der dargestellten Personen eingeblendet, und im Kapitel „Zitate“ erscheint die Heilige umgeben von Kommentaren zu ihrer Person – kurz, prägnant und für viele sicherlich auch oberflächlich: Konrad von Marburg, ihr Beichtvater, Caesarius v. Heisterbach, der ihr Leben beschrieb, diverse Historiker, Justi, Demandt und Geese und andere mehr, die sich in Arbeiten Elisabeth widmeten.

In einem weiteren Abschnitt, nämlich „Bildwerke“ wird zudem einiges an Fachbegriffen erläutert, da man sich im heutigen Zeitalter wohl nicht mehr sicher sein kann, daß ein modern bewegter Mensch Begriffe wie „Kreuzzüge“, „Gotik“ oder „Ablaß“ noch richtig einzuordnen vermag. Leider wurde in diesen Abschnitt nicht die sich gleichfalls auf der CD befindliche Literaturliste integriert.
Eine weitere Etappe modernen Herangehens an die Heilige stellen zudem die sechs Kurzoffenbarungen diverser Befragter zu Elisabeth dar. Nachhaltig soll hier in Bild und Ton bewiesen werden, daß „Elisabeth“ eine moderne Heilige ist.

Als Bonbon für das Auge erscheint vor allem aber der Bereich „Bilderalbum: eine Vielzahl von Thumbnails als Bildteppich präsentiert, denn prinzipiell soll hier erst einmal in Bildern geschwelgt werden. Anklickbar erscheinen Bezeichnung und ein vergrößertes Abbild des Dargestellten. Auch hier sollte ein weiteres Mal der Spieltrieb des Users befriedigt werden: Nach Rückkehr in das Bilderalbum hat sich die Anordnung der Thumbnails verändert.

Fazit: Eine ansprechende kleine CD, durch und durch dem Zeitgeist entgegenkommend – bunt, gut verpackt und durch allerlei technischen Schnickschnack nett anzuschauen, also jenseits aller Blässe. Ob auch fern der Gedankenblässe – dies möge ein jeder für sich selber entscheiden.

Tanja von Werner

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