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Beiträge zur geistigen Situation der Gegenwart Jg. 9
(2008), Heft 2

Alltag in der Steppe (2)
In den 80er bis Anfang der 90er Jahre organisierten mein Mann und ich Reisen nach Algerien in die Sahara bis an die Grenzen Malis und Nigers. Wir kontaktierten unseren Freundeskreis der 1. Reise, die mein Mann und ich zunächst alleine unternahmen. Unsere Reisen wurden nur über Privatpersonen organisiert und nie über eine Agentur.
Nie zuvor und auch danach nicht hat mich jemals ein Land so fasziniert und in seinen Bann gezogen. Wir waren meist mit Kamelen unterwegs und schliefen unter freiem Himmel. Während der Reisen skizzierte ich viel, sammelte Erinnerungsstücke und schrieb Notizen.
Erst Ende der 90er Jahre fing ich an aus diesem Sammelsurium Bilder zu schaffen und ging auch weit über das Selbsterlebte hinaus. Das Erlebte verselbstständigte sich und mischte sich mit neuen Informationen zu neuen Geschichten.
Um vom Reichtum und der Schönheit Afrikas zu wissen, muss man nicht den ganzen Kontinent kennen. Das Land und die Menschen sind es wert ihnen Achtung zu schenken.
Ein weites rotes Land, das mir durch seine Schönheit, Härte und Gegensätze ins Herz kriecht.
Gerda Waha

Alltag in der Steppe (3)

Alltag in der Steppe (5)

Alltag in der Steppe (6)

Familie auf Wanderschaft (Druckgrafik)

Haus mit Vergangenheit (Häuser 1)

Das verlassene Haus (Häuser 5)

Kamele (Im Eisenrahmen)

Impressionen (13)

Impressionen (14)

Karawane (Blech auf Holz)

Keine guten Nachrichten (Reiches Afrika, armes Afrika)

Die leeren Teller (Reiches Afrika, armes Afrika)

El Hadjira (Zeichnung)
Die tödliche Immunschwäche AIDS rafft ganze Generationen
weg.
Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur, Familie, alles was eine
Gesellschaft ausmacht, kann zusammenbrechen wenn AIDS in
vielen Staaten dieser Welt weiterhin eine tödliche Routine
bleibt. Bis 2020 könnten die am meisten betroffenen
afrikanischen Länder bis zu einer Hälfte an Arbeitskräften
verlieren. Das zeigt, Entwicklung braucht Gesundheit.
............und grenzt es nicht an eine unglaubliche
Scheinheiligkeit, wenn Konzerne ihre lebensrettenden
Medikamente liefern doch kaum jemand sich diese leisten
kann?
Die Kosten für die Behandlung nur eines aidskranken
Menschen sind so hoch, dass eine 10-köpfige Familie in
Afrika ein ganzes Jahr davon leben könnte.
Wer die Erfüllung der eigenen Bedürfnisse zum obersten
Prinzip erklärt, übersieht, dass er selbst einmal in
Lebenslagen geraten kann, in denen er über jede Hilfe von
anderen froh wäre.
Das große Sterben in Afrika ist erschauernd. Die Armut,
die Unwissenheit, die Machtlosigkeit überfällt ganze
Familien. Aidskranke Eltern verfassen Memory-Books oder
erstellen Schatzkästchen (Erinnerungsstücke) um ihren
Kindern Einblick in ihr Leben zu geben und etwas
Persönliches zu hinterlassen. Es sind vielleicht die
wichtigsten Dokumente aus unserer Zeit.
Heilig – heilig – heilig benenne ich meine Arbeiten.
Heilig sind für mich Gegenstände mit einem ganz besonderen
Erinnerungswert, der nur mir gehört.
Zwei Erlebnisse aus meiner frühesten Kindheit werden den
Titel meiner Arbeit verständlicher machen.
Meine Mutter sagte mir, dass wir in zwei Stunden das Haus
verlassen müssten und schickte mich in mein Zimmer um nur
eines meiner liebsten Dinge zu holen. Es war nur ein Buch
über Tiergeschichten, aus dem mir zur Zeit vorgelesen
wurde. Das Buch besitze ich heute noch und damit die
Erinnerung.
Im Koffer verpackte meine Mutter außer anderen
persönlichen Sachen ein Säckchen Erde. Jeder Verstorbene
bekam in der neuen Heimat eine Handvoll Heimaterde mit ins
Grab............. und damit bleibt die Erinnerung.
Meine Objekte habe ich aus Fundstücken, Haaren,
Fingernägeln (Lebenssymbol) und geschenkten Gegenständen
aus Afrika gearbeitet.
Für die Bilder verwende ich unter anderem Erde, Pigmente,
Sand, Rost, Gras und Bindemittel.
Gerda Waha

Heilig, heilig, heilig (Foto der Ausstellung in Radenhausen)

Selbstbedienungsladen Afrika (Heilig, heilig heilig)

Die Erinnerung bleibt. Nr. 1(Heilig, heilig heilig)

Die Erinnerung bleibt. Nr. 2 (Heilig, heilig heilig)

Mein Leben bleibt in Dir. Hochzeitshemd, Brautgeld (Heilig, heilig, heilig)
Gerda Waha: Biografische Daten
Künstlerische Ausbildung in Malerei und Graphik an der Universität Marburg und der Hochschule Vechta. Besuch der Akademien Baden/Wien, Marburg und Trier. Studienaufenthalte im europäischen und außereuropäischen Ausland. Ausstellungen und Veröffentlichungen. Mitglied im Bundesverband Bildender Künstler. Mitglied der Landesvereinigung philoSOPHIA, des Marburger Kunstvereins, des Förderkreises Grafik und Malerei der Philipps-Universität Marburg, der Gruppe „Werkstatt Radenhausen“.
Einzel- und Gruppenausstellungen (Auswahl)
1987-89
Kunst im Flur, Universität Marburg
1989
Werkschau, Galerie im Arbeitsgericht Marburg
1990
Universitätsmuseum Marburg; BUND Marburg
Galerie der Volksbank Winterberg
1992
Kulturamt Baden bei Wien
Stadt-Landschaft, Kunstverein Eisenturm, Mainz
1993
Kunst im Park-Hotel, Kulturwochen Stadtallendorf
1994
Fête des Peintres de Chanceaux, Loches
Galerie Goldbach, Stadtallendorf
1996
Stadt-Ansichten, Kulturamt der Stadt Marburg
Raumzeichen, Lockschuppen Frankenberg
1999
Blickwechsel, Galerie im Arbeitsgericht Marburg
2000
Fensterbilder, Blindenstudienanstalt Marburg
2001
Werkschau, Galerie im Arbeitsgericht Marburg
2002
Hessiale, Landeskunstausstellung des BBK
Kulturelle Landpartie im Wendland, Dannenberg
Kunstprofile 2002, Marburger Kunstverein
2003
Vom Verschwinden der Kindheit, Initiatorin
Beteiligte Künstler: Magens, Mertin, Ohlhagen,
Schlosser, Schohl; Kulturamt Stadt Marburg
hinauf, hinab dasselbe, Treppen in Marburg,
Kulturamt der Stadt Marburg
...über Afrika, Kunsttreff Frankenberg e.V., Frankenberg
2004
26. Internationale Hollfelder Kunstausstellung, Hollfeld
14. kunstmesse im frauenmuseum, Bonn
2005
realisation interdisziplinär, Galerie von Loesch,
Stuttgart
2006
Reiches Armes Afrika, Technologie & Tagungszentrum,
Marburg und Galerie „belle arte“, Dillenburg
Verleihung des Otto-Ubbelohde-Preis 2006
2007
Lichtinseln, Insel Siebenbergen – Stadtsparkasse Karlsaue
Kassel
Regelmäßige Ausstellungen in der Werkstatt Radenhausen.
www.werkstatt-radenhausen.de
www.gerda-waha.de